IN:
Kammerer
Thomas,Traumland Intensivstation: Veränderte
Bewusstseinszustände und Koma: Interdisziplinäre Expeditionen. Books on Demand
GmbH 2006
Die meisten Patienten auf Intensivstationen
bzw. langzeitbeatmete Patienten sind mit dem Thema Tod und Sterben konfrontiert
(2,75). Nur selten wird dabei der mögliche Tod akzeptiert oder ihm gar
optimistisch entgegengesehen (2,75-77). In dieser Situation dominieren
angesichts der eigenen Verletzlichkeit, des Verlustes von Selbständigkeit und
Kontrolle über das eigene Leben vielmehr negative Affekte wie (Todes-)
Angst, Depression oder Trauer. Viele machen sich Gedanken über Tod und Sterben,
Schicksal und Religion; aber auch eine Verdrängung diesesr
Themata findet statt.
Wenn diese Patienten
nach ihren beeindruckensten Erlebnissen auf der
Intensivstation gefragt werden, sind dies interessanterweise an erster Stelle
(in 44% d.F.) ihre Träume, in denen die
obengenannte Gefühle und Themata verarbeitet werden. Über diese somit
beeindruckenden, ungeheuer komplexen und beeindruckenden Träume, die sog. Oneiroide, haben einige Patienten dann auch ganze Bücher
verfasst (2; 4; 7; 6; 14).Viel weniger wichtig sind dagegen z.B. die
Hilfsbereitschaft des Pflegepersonals (16%), die Entlassung (4%), der erste
Besuch der Familie (4%) oder die Leiden der Mitpatienten (4%) (2,83.94).
Das Wort Oneiroid selbst stammt von oneiros (gr) = der Traum, das Traumbild (2,94). Oneirode sind also komplexe individuelle/idiosynkratische Träume, die die noch (unterschwellig) wahrgenommenen belastenden (körperlichen) Umstände des Sterbens und die Ängste und Phantasien des Sterbenden traumhaft umgestaltet verarbeiten und deswegen zumeist aus negativ-bedrohlichen individuellen Traumszenarien bestehen (21,62-63.98-99; 25; 41).
Nach
einer größeren Untersuchung erlebten 25 von 68 Patienten (also 37%), die
infolge eines schweren Traumas tagelang bewußtlos
bzw. im Koma waren, typische Oneiroide (26,97-104). In einer weiteren Untersuchung hatten 24 (96%) von 25
langzeitbeatmeten Patienten oneiroidale Erlebnisse
(2,95). Tatsächlich kommt es mit größerer Lebensbedrohlichkeit der Erkrankung
zu einer Zunahme der Häufigkeit der Oneiroide. So
korreliert bei der Polyradikulitis Guillain-Barré das vermehrte Träumen mit der Schwere der
Deprivation infolge fortgeschrittener Tetraparese,
künstlicher Beatmung und multipler Hirnnervenbeteiligung (1; 17,2;
25,135; 33,59-62; 34,137-139). Dementsprechend kommt
es beim ausgeprägten Guillain-Barré-Syndrom
in bis zu 95% der Fälle zu einem oneiroidalen
Erleben.
Auslöser
der Oneiroide (wie der NDEs) sind also existentielle
Extremerfahrungen des vitalen Bedrohtseins und des
kommunikativen Ausgeschlossenseins und damit eine
sensorische Deprivation (2; 25). Beim Guillain-Barreé-Syndrom lebt der Erlebende z.B. bei intaktem Gehirn
und damit bei vollem Bewußtsein in einem (fast)
vollständig gelähmten Körper, was zur Flucht in imaginäre Welten führt:
„Spontan berichtet Frau I. dann über ‚aufregende innere
Erlebnisse’ während ihres tetraplegischen
Krankheitsstadiums, in dem ... allerdings immer die Möglichkeit verbaler
Kommunikation gegeben war. Die bei Frau I. gegebene Situation sensorischer
Deprivation weicht in ihrer Struktur und Intensität ... deutlich von derjenigen
der anderen untersuchten Patienten ab. Am Ausgangspunkt der Selbstschilderung
von R.I. steht die demütigende Erfahrung der vollständigen Lähmung, das
hilflose Sich-einfinden-Müssen in die Trostlosigkeit der Intensivbehandlung,
abgeschnitten von allen bewegungsvermittelten kommunikativen Bezügen. Frau I.
gab an, während der Zeit des vollständigen Gelähmtseins
ein nahezu ablehnendes Verhältnis zum eigenen Körper erlebt zu haben: Sie habe
ihn nur noch als eine ‚Sache’ betrachtet, die eigentlich nicht zu ihr, d.h. zu
ihrer ‚Seele’ gehört habe. Ihrer eigenen Ansicht nach wurde diese ablehnende
Entfremdung gegenüber dem eigenen Leib durch das takt-
und respektlose Verhalten mancher Pfleger bei den täglichen Waschungen
gefördert. In dieser Situation wurde ihr Körper lediglich zu einer stofflichen
Hülle, aus der sie versuchte hinauszudrängen. Dieses gelang ihr, indem sie
ihren Blick aus dem Zimmer auf das spärliche Stück Himmel lenkte, den sie durch
das Fenster erblicken konnte. Besonders auf eine Wolke habe sie sich innerlich
so stark fixiert, daß sie ab einem gewissen Zeitpunkt
in ihrem imaginären Erleben auf diese Wolke flog, ja später zeitweilig mit ihr
verschmolz. Frau I. bezeichnete die Wolke als ‚Medium’, um ihrer so leidvollen
Krankenhaussituation zu entkommen“ (25,145).
Zu den Oneiroid-verursachenden Krankheiten zählen neben dem Guillain-Barré-Syndrom komatöse
Zustände, locked-in-Syndrome z.B. bei einer Hirnstammischämie, traumatische,
postoperative und Wochenbett-Psychosen, schwere
Verbrennungen, Impfreaktionen sowie Hungerzustände, Enzephalitiden,
Poliomyelitiden, Hirnverletzungen und Langzeitbeatmungen (2; 25).
Formale Kennzeichen der Oneiroide
Formal
ist das Oneiroid – wie die Nah-Todeserfahrung (near-death experience, NDE) –
„eine an die Bedingungen einer extremen Situation gebundene, prinzipiell jedem
Individuum zugängliche Erfahrungsmöglichkeit“ (25,114). Dabei
beherrschen im Rahmen der krankheitsbedingten sensorischen Deprivation mit Reduktion der realen Wahrnehmung unter ein
Minimum die Innenwelt und ihre Bilder zunehmend das
Bewusstsein, wobei Denk- und Wahrnehmungsfähigkeit jedoch erhalten bleiben (14,112-113; 25,117-120.127). Das Erleben der fiktiven Wirklichkeit des Oneiroids
geht also parallel mit dem Nicht-Erleben-Können der realen Umwelt des
Betroffenen (25,220).
Der Erlebende ist dabei der ungesteuerten traumhaften Verarbeitung seiner Situation direkt und (zumeist) ohne Möglichkeit zur (ausreichenden) reflektiven Distanzierung ausgeliefert. Wie in der Nah-Todeserfahrung und im Luzidtraum erlebt sich der Träumende als das sich selbst bekannte Ich mit der ihm eigenen Affektivität. Das Ich wird also aus der Alltagserfahrung in eine 'andere Welt' mitgenommen, bleibt erhalten - und es kommt nicht zu den typischen Ichstörungen der paranoid-halluzinatorischen Psychose (2,94).
Einbezogen
in das Traumerleben werden alle positiven oder negativen Einflüsse der (unterschwellig
wahrgenommenen) Umwelt. Vergleichbar einem Säugling erkennt der bewußtlose Menschen an der Art, ihn zu berühren, an der
Stimme und am Geruch, abstraktes Denken
ist nur eingeschränkt möglich. Was er erfährt, wird in traumhafte Bilder umgewandelt,
er bezieht alles direkt auf sich, die Welt wird in Gut und Böse eingeteilt und
beschränkt sich auf das «Hier und Jetzt».
Daß es sich um
Träume handelt, ist an den phantastischen Szenen erkennbar, die wir nur aus
unseren Träumen kennen:
... Das weiße Wesen hat seine Mütze
abgenommen und seine Jacke ausgezogen, um sie mir zu geben. Ich ziehe beides
an, und im gleichen Moment macht es ein Foto von mir, wie ich als Kapitän am
Ruder dieses großen Schiffes stehe. Auf dem Bild sehe ich wirklich aus wie ein
Kapitän. Es legt das Foto in ein Faxgerät und wählt die Nummer der HHA. Das
Bild verschwindet in dem Gerät, und es dauert eine Weile, dann erscheint in dem
Gerät ein anderes Bild. Das weiße Wesen nimmt es heraus und zeigt es mir. Ich
erkenne darauf meine Wohnung in Hamburg, sie kommt immer näher, und auf einmal
befinde ich mich in ihr.
Ich begebe mich sofort in das Büro der HHA in
der Innenstadt, dort öffne ich eine Tür und sehe mich einem Mann C gegenüber, der an einem Schreibtisch sitzt. Als ich eintrete, begrüßen
wir uns, und ich stelle mich als Kapitän und unter meinem Namen vor. Er sieht
mich kurz an, öffnet dann seinen Schreibtisch und holt ein Bild heraus. Es ist
das, welches das weiße Wesen von
mir aufgenommen hat. Ich trage ihm meine Bitte vor, und nachdem ich die Situation
mit dem Wein geschildert habe, stellt er mir sofort einen Schlepper und zwei
Lastkähne zur Verfügung.
Ich fahre mit dem ganzen Gespann über die
Alster, um im weiteren Verlauf die Oberalster hinaufzufahren und die Lastkähne
dort irgendwo ans Ufer zu legen ... (6,71).
Auch
die abrupten Sprünge zwischen den einzelnen Traumszenen sind typisch für Oneiroide:
„Die dramatischen Ereignisfolgen brechen mitunter vor ihrem
Handlungshöhepunkt ... ab; es erfolgt ein abruptes ‚Abschalten’, nach dem sich
der Patient ratlos verängstigt in der Realität wiederfindet, um bald erneut
anderen, thematisch gänzlich verschiedenen Erlebnisfolgen ausgeliefert zu sein.
Es zeigt sich also ein häufiger Szenenwechsel mit inhaltlich klar voneinander
abgegrenzten Ereigniszusammenhängen“ (25,220).
Brunswig schilderte
mehrere Beispiele für einen solchen abrupten Szenenwechsel (6,36-37.43-44):
Alles um uns herum, die Festung, mein Körper mit dem Würfel auf seinen Schultern, die Arbeiter, der Energiebogen und das gegenüber liegende Licht, stürzt in sich zusammen, alles kehrt sich ins Gegenteil, und aus der zusammenstürzenden Ebene entsteht eine völlig neue, die mich, als sie sich zu Ende gebildet hat, erkennen läßt, daß ich mich irgendwo in Asien befinde, ich stehe plötzlich auf einer ganz anderen und völlig neuen Ebene, es ist angenehm warm um mich herum, und die Sonne steht hoch am Himmel ... (7,59)
... Anschließend treibe ich wieder über der
Blütenpracht, die sich immer noch sanft im Takt der Musik hin und her bewegt.
Erneut nehme ich den Blütengeruch in mich auf und erhalte die gleiche Massage
wie vorher. Dann klappt wieder alles um, wirft mich auf die Rückseite, und ich
befinde mich erneut auf der Energie-Brücke im Krankenhausgelände.
Das weiße Wesen befindet sich jetzt auf der anderen Seite, trägt die Fahne sehr
aufrecht, und der Reiter mit der Lanze nagelt mich erneut an meinem Platz fest.
Die anderen Wesen stehen neben meiner Trage, auf der mein Körper liegt ...
(6,40).
Wie
im letztgenannten Beispiel ist es auch typisch für das Oneiroid,
dass sich einzelne Traumthemata – und szenarien immer wiederholen (6,43-44.73). Brunswig berichtet dafür ein weiteres Beispiel:
... Und wieder verwandelt sich alles ins
Gegenteil; klappt einfach um und wirft mich erneut auf die Unterseite dieser
Ebene. Erneut bin ich irgendwo in Asien und treibe über die gewaltige von Licht
und Wärme durchflutete Ebene. Ich erkenne wieder die Tische und Stühle; sie
stehen im Schatten unter den von Pflanzen bewachsenen Holzgestellen. Auch der
gewaltige Asiat ist wieder da. Er sitzt immer noch an einem von Speisen
übersäten Tisch. Ich treibe auf ihn zu, er begrüßt mich herzlichund
gewährt mir erneut seine Gastfreundschaft ... (6,37).
Diese
wiederholten Szenarien scheinen dabei ähnliche körperlich-seelisch-zerebrale
Zustände abzubilden.
Interessantweise wird an manchen Stellen deutlich, dass
Träume in Bilder umgesetzte Gedanken sind:
Sie bittet mich, ihr den Weg zu zeigen. Ich
werde unbeschreiblich neugierig, und im gleichen Moment wird eine Frage an
mich gestellt. Sie beginnt wieder sehr einfach, und da ich mich an das letzte
Mal erinnere, beginne ich sofort von mir aus die Frage zu hinterfragen und sie
somit ständig selbst zu verkomplizieren. Ich produziere selbst immer längere
und schwierigere Antworten. Gleichzeitig beginnt die Landschaft sich um mich
herum immer mehr zu verzweigen und zu verästeln. Trotzdem finde ich den
richtigen Weg und treibe plötzlich wieder gerade flußaufwärts.
Ein uraltes Holzhaus steht quer über dem Fluß ...
(6,81-82).
Noch
offensichtlicher ist dies, wenn Brunswig beschreibt,
wie er den Wunsch nach einer Reise nach Griechenland verspürt – und diese dann
in seinem Oneiroid auch realisiert (6,86-89). Ähnlich
werden auch viele andere Traumszenen durch Brunswicks
Wünsche realisiert (6).
Insgesamt
stellen Oneiroide eine traumhafte Verarbeitung der
reduzierten bzw. aufgehobenen körperlichen und sensiblen Welterfahrung (senso-motorische Deprivation) des leidenden Patienten (im
Krankenhaus) bei fortbestehender Lähmung bzw. Inhibition der Muskelaktivität
dar. Hypermnesie, Realitätscharakter, Ich-Erleben,
Überwachheit, die Aufhebung der Zeitdimension, die intensiven Farben, die
besondere Helligkeit und die Überdeutlichkeit der anderen Welt entsprechen dem luziden Träumen und den
Nah-Todeserfahrungen, was auch erklärt, warum diese Erfahrungen für
gleichermaßen real gehalten werden.
Oneiroide sind dabei ein präluzides Träumen (Luzidtraum = Wachtraum), weil ein Traumbewusstsein und damit die Kontrolle des Traumes wie im Luzidtraum fehlen. Nur gelegentlich finden sich Luzidtraum-ähnliche Erfahrungen auch im Oneiroid. So berichtet Brunswig aus einem dreiwöchiges Koma-Oneiroid nach einer Herzoperation im Juni 1991, wie er - ähnlich wie manche Luzidträumer - nach anfänglichem Zögern problemlos von einem Hochhaus springt und weich auf dem Boden landet:
... einen Moment später stehe ich wieder am Rand des Daches, blicke auf die Gartenparty hinunter, und meine Angst vor der Tiefe ist völlig verschwunden. Dann bemerkt mich einer der Gäste auf dem Dach, er deutet mit seiner Hand zu mir herauf und macht gleichzeitig auf mich aufmerksam. Einer nach dem anderen blickt nach oben, bis sie mich dann alle entdeckt haben, und es bricht ungeheurer Jubel unter ihnen aus, wobei mir alle unmißverständlich zu verstehen geben, daß ich zu ihnen herunterkommen soll.
Ich tue nichts lieber als das, und da meine Angst völlig verflogen ist, springe ich einfach von dem Dach herunter, lande einen Moment später zwischen ihnen auf dem Rasen und werde von allen auf das Allerherzlichste begrüßt (7,28)
Wie
Nah-Todeserfahrungen können auch die Oneiroide nicht
vergessen werden, es besteht also eine Hypermnesie
für diese Erfahrungen. Aus diesem Grund konnte Brunswig
auch seine Träume noch lange nach seinem Koma auf über 400 Seiten niederlegen
(6; 7).
Inhalt der Oneiroide
Inhaltlich
stellen Oneiroide eine Mischung aus illusionären
Verkennungen der Umgebung und szenischen Halluzinationen von mehr oder minder
komplexen, den eigenen bedrohlichen Zustand widerspiegelnden und zumeist
weltimmanenten Geschichten (Verfolgungs- oder Bedrohungsszenarien) dar, in
denen der Erlebende eine aktiv oder passiv partizipierende Rolle spielt und die
für ihn in ihrer Geschlossenheit den Charakter einer 'anderen Welt' bekommt.
Dabei werden besonders die biographische Erfahrungen in die
phantastische Traumwelt des Oneiroids traumhaft
verfremdet inkorporiert.
Anbeh hat die Oneiroide von 25 Langzeitbeatmeten nach ihrem Inhalt
untersucht. Danach dominieren Bedrohungs- und Angstträume (in 76% d.F.), Träume über Belastungs- und Entlastungsfaktoren
einer Intensivstation (72%), Träume über den Kampf des Überlebens (52%), Träume
über Tod und Sterben (44%), Träume über die Beatmung (und damit das körperliche
Erleben betreffend) (36%), Träume über Unfreiheit (28%) und
Orientierungslosigkeit (20%), intensive Farberlebnisse (12%) sowie Elemente von
Nah-Todeserfahrungen wie z.B.
Tunnelerlebnisse (12%). In 32% waren die Traumthemen idiosynkratisch
bzw. individuell und so nicht kategorisierbar (2,97.108).
Ähnlich
gibt Schmidt-Degenhard als typische Themata von Oneiroiden an: Gefangener sein, etwas Falsches getan zu
haben, um die Gefangenschaft zu rechtfertigen und das Thema Tod (26,97-104). Während die ersten beiden Themata
oneiroide Verarbeitungen der hilflosen Lage der
Betreffenden sind, ist das Oneiroid-Thema Tod als
individuell unterschiedlich ausgestaltete traumhafte Bearbeitung der dabei
vermehrt vorhandenen Todesnähe zu verstehen. Im folgenden seien einige
Beispiele für diese Themata zitiert.
Ein
Bedrohungs- und Angsttraum sah z.B. so aus:
„Das war
furchtbar, der kam immer wieder, erst auf der Normalstation war der weg. Immer
die gleiche Szene. Die Metzger, die eigentlich die Ärzte waren, hatten
Fleischermesser in der Hand und beugten sich über so Metalltische. Die haben
die richtig ausgenommen, wie in einer Schlachterei. Überall waren so weiße
Kacheln, furchtbar... und ich lag auch auf so einem Metalltisch, ich konnte
alles beobachten, wie das alles so ablief ... halt wie in einer Schlachterei.
Überall lagen die Leute auf den Tischen und bewegten sich nicht. Ich konnte
ganz genau das klappern des Bestecks hören, das auf einem Tisch lag,
scheußlich. Den Traum habe ich immer wieder geträumt, aber nur den
einen..." (2,97-98).
Ein Traum zum Thema ‚Kampf ums Überleben’ schildert Anbeh
wie folgt:
„...Das war mein schlimmstes Erlebnis,
das ich auch sehr bezeichnend fand, in dem ich mir mein Leben zu verdienen
hatte. Das war aufgebaut wie so eine amerikanische Show. Ich musste Aufgaben
erfüllen und normalerweise, wenn man etwas erreichen will, geht es ja immer von
unten nach oben. Das war hier nicht so, ich fing oben an und es ging immer
weiter runter. Ich musste es also schaffen bis nach unten zu kommen. Ich war
ausstaffiert wie die Filmschauspielerin Doris Day, mit rosa Kostümchen und
hellblonden Haaren und so ein Schnickschnack. Ich bin mir so albern
vorgekommen. Was ich genau zu machen hatte, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur,
dass ich einmal ziemlichen Mist gebaut habe und ich die Prüfung nicht bestanden
hatte. Ich kam dann in einen Glaskäfig, der von Wasser umgeben war, riesige
Fratzengestalten kamen auf mich zu von allen Seiten und ich konnte nicht mehr
weg. Diese Fratzen sahen aus, wie so Wasserspeier an gotischen Kirchen oder
diese Steinfiguren an französischen Kirchen. Ich hatte das Gefühl, entweder du
ertrinkst oder erstickst hier drinnen, weil die sich dran machten, diesen Glaskäfig zu zertrümmern. Diese ausweglose Situation war
grauenvoll. Plötzlich sah ich das Gesicht von einer Freundin und dann habe ich
gedacht, so jetzt ist es vorbei. Aber ich hatte auch nicht gewonnen, ich hatte
mir mein Leben nicht verdient. Dann hat man mir, warum weiß ich nicht, eine
zweite Chance gegeben. In zwei Durchläufen habe ich dann irgendwie gewonnen und
bin dann in Troisdorf am Bahnhof rausgekommen, lacht ... der Wahnsinn. An einem
Kino habe ich dann ein Plakat gesehen, da wurde mein Leben verfilmt. Ich wurde
als Star empfangen, als Hauptdarsteller. Ich habe mich dann groß feiern
lassen..." (2,100-101).
Das
Thema ‚Gefangenschaft’ illustriert ebenfalls ein Traumbeispiel aus der Sammlung
der Psychologin Anbeh:
„ ...Wir waren in Asien, meine Frau, Tochter, Sohn und ich. Jedenfalls
Boot gefahren in Lagunen, kleinen Inseln usw. und dann wurden wir alle krank,
so fing das an, sogar richtig krank und zwar mit Durchfall und was noch so
passend wäre für diese Gegend. Wir mussten dann Medizin besorgen. Medizin wurde
gekauft, und aus irgendeinem Grund, weiß nicht mehr so genau, habe ich dann
beschlossen, Hacker zu werden und habe auf jeden Fall... der Mensch, der die
Medizin austeilte, hatte mich allein gelassen und ich habe auf jeden Fall von
diesem Menschen den Code rausgekriegt, und kriegte dann auch die ganzen Rabatte
raus und habe mir dann auch eine neue Nummer gegeben, kriegte dann auch tolle
Rabatte und konnte dadurch die Sachen, die wir brauchten recht billig
beschaffen. Dann flog das alles auf, eines Tages, und dann gab es erst mal
riesen Ärger mit der deutschen Krankenkasse, ganz witzig und das andere war,
wenn ich das mal kurz mache, dass ich im Gefängnis landete mit meinem Sohn..
Wir wurden dann inhaftiert. Er kam wieder frei und ich kam in ein richtiges
Gefängnis mit Eisentüren und Schlössern, wie man sich so ein richtiges
Gefängnis vorstellt. Dann fing man auch schon an, mich zu bestehlen. Ich war
noch in der normalen Kleidung, da war ich noch in einem normalem Gefängnis.
Dann war ich dann plötzlich in Frankreich im Gefängnis. Warum mich die
Franzosen einlochten, das weiß ich nicht. Dann wurde es noch viel schlimmer.
Erstens fingen die Mitgefangenen an mich zu bestehlen, meine Uhr usw.. Viel
hatte man ja nicht dabei und ich wurde sexuell bedrängt. Ich konnte dem aber
ausweichen und all diese Dinge. Dann ging es noch eine Stufe tiefer, es kamen dann
so richtige Horrorszenen. Das war dann in einem Kerker, so aus dem
Mittelalterlichen, so von der Rauheit und den Eisenstäben, es war also viel
primitiver. Es war in einem unterirdischen Stollen, so ein Kalkstollen. Es gab
da so zwei Käfige, in einem die Frauen und in dem anderen die Männer. Ich
glaube, wir waren nackt. Wir wurden dann mit einem Schlauch abgespritzt richtig
grausam. Ich wurde von meinen Mitgefangenen bestohlen und seelisch gequält,
zum Beispiel ließen sie mich hungern. Furchtbar quälend war das. Dann kam
irgendwie ein Telephonat mit meiner Tochter zustande.
Das Furchtbare daran war, dass ich jetzt mit meiner Tochter sprechen konnte,
aber keinen Ton rausbekam. Mir fehlte bei diesem Telephonat
die Luft, ich war halbwegs am Ersticken, dabei war das doch meine letzte
Hoffnung. Zu guter Letzt konnte meine Tochter einen Oberwärter bestechen.
Plötzlich machte es klick, ich kam zuerst wieder in den oberen Stollen, dort
war eine Tür. Von dort aus kam ich raus auf eine Straße, das war übrigens Frankreich.
Ich war frei. Dieser Traum war einer meiner schlimmsten Träume, weil es um das
nackte Überleben ging..." (2,104-105).
Anbeh zitiert auch einen Traum, der die Orientierungslosigkeit der Erlebenden unter Einbezug der Biographie und der Krankenrolle gut darstellt:
„ ... Ich dachte, ich würde in Tunis im Krankenhaus liegen. Das war der
schlimmste Traum für mich. Wir waren in der Realität mit der Familie schon
zweimal da unten in der Ecke. Ich hatte also schon irgend einen Draht zu den
Orientalen, aber da unbedingt in einem Krankenhaus zu liegen, das war ja nicht
mein Ziel. Ach, ich dachte eigentlich, dass ich in den unterschiedlichsten
Krankenhäusern lag, quer durch Europa. Wenn ich da in Tunis lag und der Besuch
kam, damals kamen meine Frau und mein Bruder, dann kamen die für mich mit dem
Flugzeug nach Tunis angereist und kamen mich besuchen. Jetzt wollte ich
natürlich wieder mit nach Hause. Dann hat man mir klar gemacht, das geht nicht,
dann kam wieder ein Schuss Realität dazu, dass ich mir gesagt habe, das stimmt
auch, mit dem Bett ins Flugzeug, das ist ja schwierig. Dann wieder fing das
Gehirn an zu kombinieren, wie kommst du hier weg. Dann fiel mir ein, du hast ja
diese Masterkarte, da ist ja dieser Rückholdienst drin, also setz dich bitte
mit der deutschen Botschaft in Verbindung und mit der deutschen
Lebensrettungsgesellschaft und organisiere einen Rückflug, einen Flug in die
Heimat. Später wurde die Klinik in Tunis verkauft, die wollten mich gar nicht
mehr, ich lag in der Klinik dann immer alleine. Die haben das Krankenhaus
ausgeräumt und ein Oberarzt, der wirklich auch da war, sagte, es tut mir leid
aber wir können sie nicht mitnehmen, ich schreib aber ein Zettel, damit sie gut
versorgt werden. Kaum hatten die alles ausgeräumt, da fingen die Araber an
einzubrechen. Mir persönlich hat keiner was getan` das spielte sich alles um
mich herum ab. Als die da eingestiegen sind fingen die direkt an zu klauen wie
die Raben und ich lag da als einzelner Patient. Die Schwester blieb aber bei
mir. Ich war fix und fertig.
Oder ich dachte, ich läg im Zillertal im Krankenhaus. Das war eigentlich kein
Krankenhaus wo ich da lag, sondern in einer großen Möbelfirma und die hatte
die exakte Bauweise wie das Klinikum in dem ich lag und wie ich die Augen
aufmachte, habe ich mich immer in dieser Möbelfirma gesehen, verrückt. Da lag
ich, draußen schneite es, dabei war zu der Zeit, als ich im Krankenhaus lag,
kein Schnee zu sehen. Aber meine Familie und ich fahren immer zum Skifahren ins
Zillertal, vielleicht daher der Schnee. Dann sah ich
einen Hubschrauber landen. Meine Kinder waren da drin und ein Freund von mir.
Der suchte mich, weil das der verabredete Punkt war. Ich sollte ja mit meiner
Gemeinde einen Rundflug machen, das war geplant. Er fand mich aber nicht, ich
überlegte: Mensch wie kommst du hier raus, um dem zu sagen, dass du nicht
fliegen kannst, du liegst ja hier. Andererseits fing das Gehirn wieder an zu
kombinieren: „Hubschrauberflug, Osterreich, der muss ja eine
Sonderfluggenehmigung haben, um ins Ausland zu fliegen”, dann war also wieder
Realität dabei. Andrerseits konnte ich beobachten, dass einer der Motoren nicht
wieder an-sprang und ich dachte, das macht ja nichts, der kann den Hubschrauber
ja stehen lassen. Ich war also wieder mitten drin. Erstaunlich, man macht die
Augen auf und sieht das. Ich dachte immer, meine Frau sagt mir nur, dass ich in
Köln lieg, damit sie mich beruhigt, weil ich viel von der Klinik halte. Ich
dachte zu der Zeit aber, ich bin in Tunis. Ich war aufgeregt und dachte auf
deutsch, die würden mich verarschen. Ich konnte doch mit offenen Augen sehen wo
ich war, sah nur die Araber, sah allerdings meinen Bruder und meine Frau
getrennt, aber drumherum nur die Araber. Da sagten
die mir, ich lieg in Köln. Das war schlimm. da kamen Träume über Träume und ich
dachte, das wär die Realität.
Eines Tages musste ich zum Röntgen. Ich wurde mit dem ganzen Bett in die Röntgenabteilung geschoben. Wir kamen dann an der Eingangshalle vorbei und dort hing ein großes Schild: „Klinikum Merheim”. Da war ich immer noch misstrauisch, das können die ja überall aufgehangen haben. Ich stand eine ganze Weile davor. Ich wurde dann etwas ruhiger und dachte, wie Araber sehen die ja alle nicht aus und Kölsch sprechen sie auch. Das war, als ob der Blitz in mich eingeschlagen wäre. Gott sei dank, ich erkannte endlich, dass ich in Köln lag, endlich war Ruhe, diese Alpträume waren vorbei. Man muss mal überlegen, wo ich dachte, dass ich überall wirklich gelegen habe, wie gesagt in Tunis, im Zillertal, in Ruppichterroth sogar in Italien habe ich gelegen ...“ (2,105-107).
Je größer nun die Todesnähe des Patienten ist, desto mehr treten Träume zum Thema Sterben und Tod auf. Eine nach einem Autounfall drei Tage lang bewußtlose Frau A. sah z.B. in ihrem Oneiroid eine Gruppe transparenter Menschen, die nacheinander in einen Fahrstuhl stiegen und verschwanden, was Frau A. dahingehend verstand, daß diese Leute die an diesem Tag Sterbenden waren. Da sie selbst nicht in den Fahrstuhl hineinmußte, nahm sie an, daß ihre Zeit noch nicht gekommen war (26,99).
Ein im Rahmen eines schweren Thoraxtraumas 14 Tage bewußtloser
Lastwagenfahrer wiederum erlebte auf einem geträumten Fernsehschirm, wie seine
Familie auf dem Friedhof vor seinem eigenen Grabstein stand. Die Realität
dieses Traums brachte ihn auch in späteren Wiedererinnerungen immer noch zum
Weinen (26,99-100). Auch diese Träume sind
individuell unterschiedlich und lassen die einheitlichen
Nah-Todeserfahrungsgrundelemente (noch) nicht - oder nur im Ansatz - erkennen:
„...Ich bin wach geworden und auf einmal
war mir dunkel, konnte nicht sprechen, nicht rufen nichts... ich habe gedacht,
wo bin ich, wo bin ich, es war mir so dunkel und dann war etwas hell und da
waren alle Verstorbenen, alle Verwandten in einem Licht, so angeguckt haben
sie mich, so ganz verstaubt und so grau alle - eine Dame mit einem Hut war dort
und der Vater von der Schwiegertochter, der ist auch gestorben, meine Mutter,
meine Oma und viele, viele und vorne konnte ich sie alle erkennen und dahinter
standen noch ganz viele. Ich konnte ganz weit sehen und hinten wurden sie immer
kleiner. Ganze menge Leute, die haben sich immer
mehr verloren, nur mich angeschaut. Ich habe noch gedacht, was ist das für eine
komische Hut, die Frau kenne ich gar nicht. Sie hat den Hut so gehabt, konnte
ich gar nicht ihr Gesicht sehen, großer, großer Hut, der war ganz weiß, sonst
alles, all die Leute so grau. Sie haben so mit Armen nach unten gestanden und
nur mich angeschaut. Ich habe immer nur gefragt, wo bin ich, warum bin ich
hier? Dann habe ich meinen Papi gesehen.
Er hat neben seiner Mutter, meiner Großmutter, an einer Wand gestanden und da
denke ich, mein Papi lebt doch noch und dann bin ich langsam wach geworden und
dann war auch alles vorbei ...Ich weiß nicht wann und wie gehört das zusammen,
aber ich habe eine Hölle gefühlt so wie der Teufel oder was, aber das waren
alles junge Menschen, alles... so schwarz angezogen und so blond. Hellblond
denke ich, das ist schön. Ich weiß nicht wieso noch nie gedacht an die Hölle.
Die standen genauso da wie die Verstorbenen in einer Reihe, ganz viele, aber so
jung, so lebend und schön. Aber alles war schwarz, alles ganz in Schwarz. Ich
weiß nicht, junge Leute, fast nur junge Männer schwarz angezogen. Ich kannte
niemanden. Sie haben zu mir gelacht, kein festes, ein Lächeln, so ein kleines
Lächeln, denke ich das ist nicht so schlimm in Hölle, ...
Vielleicht habe ich gedacht, dass ich muss sterben
und ich habe gefragt, wo komme ich hin, in den Himmel oder so was. Ich habe immer
viel gebetet, aber habe nicht gedacht, dass ich werde sterben... Verwandte sind
vielleicht gekommen um mir zu helfen, weil ich wollte nicht sterben und es war
schlimm um mich...” (2,101-102).
Im Gegensatz zu
Träumen und den meisten NDEs bestehen Oneiroide also
überwiegend aus bedrohlichen szenischen Halluzinationen, die das völlige
Ausgeliefertsein an die Krankheit und den bedrohlich nahen Tod widerspiegeln
und überwiegend mit negativen (angstvollen) Gefühlen einhergehen (1; 10,273;
14;17;18,94-95; 25,130-133.157-164.178.184.186-201.204.207.209-212.217-219; 33;
34; 35). Mit der Schwere und der Ausbreitungsgeschwindigkeit der klinischen
Symptomatik korreliert wiederum die Intensität der Ängste, die durch die Oneiroide verarbeitet oder gemildert werden kann (1; 17,2;
25,135; 33,59-62; 34,137-139).
Ähnliche Bedrohungs-Träume werden auch Apalliker haben. Dies lässt sich auch indirekt ablesen:
Möglicherweise
haben Wachkoma-Patienten Depressionen mit seelischen Höllenqualen, ohne daß sie sich aktuell mitteilen oder später daran erinnern
können.
Dies hält der niedergelassene Psychiater
Privatdozent Albert Zacher aus Regensburg für möglich. Zacher stützt sich dabei
auf Beobachtungen, wonach Wachkoma-Patienten oft eine ähnliche Mimik wie stark
depressive Patienten haben. Es sei daher zu überlegen, ob nicht schon auf
Verdacht eine Behandlung der Patienten mit Antidepressiva gerechtfertigt ist
(45).
Einbezug von (Krankenhaus-)Umgebung in das Oneiroid
Besonders die reale Umgebung des
Kranken fließt immer wieder in das Oneiroid ein,
indem die
„möglicherweise noch stückhaft
wahrgenommenen, jedoch nicht mehr im eigentlichen Sinne bzw. nur subliminal erkannten Dinge und Personen der realen Umgebung
einer - vom thematischen Gehalt der jeweiligen imaginären Szenerie bestimmten -
Transfiguration unterworfen“ (25,224; s.a. 33,62)
werden.
Dabei sind es besonders die Belastungsfaktoren auf der Intensivstation,
die die meisten Oneiroide thematisch gestalten.
(2,97.101). Dazu zählen z.B. die Überwachungsgeräte, die eingeschränkte
Kommunikation, die Medikamenteneinnahme, das Pflegepersonal, die
Orientierungslosigkeit, die Beatmung und die Monotonie. Aber auch die Schwere
der eigenen Erkrankung wird immer wieder zum Thema (2,111-112). Zwei Beispiele mögen das illustrieren. Im ersten
Fall berichtet Weiß von einem Guillain-Barré-Patienten, der
„sich als Mitarbeiter auf einem großen
Landgut [sah], dessen Besitzer der Chefarzt war. Einmal spazierte er durch eine
morgendliche Parklandschaft, stolperte dabei über einen herumliegenden Ast und
entdeckte entsetzt, daß er den Schlau des
Beatmungsgerätes abgerissen hatte“ (1*).
Die traumhafte Umsetzung von Wahrnehmungen der Umgebung illustriert auch das Erlebnis des städtischen Angestellte P.I. während seiner intubationspflichtigen Polyradikulitis auf der neurologischen Intensivstation in Göttingen:
Eben noch in der Wachstation habe er ... ‚auf einmal’ ... erlebt, daß sein Klinikbett über einem Fahrstuhlschacht gestanden habe. Eigentlich habe dieser Schacht aber eher wie ein ‚unendlich tiefreichendes Treppenhaus’ gewirkt, in dem die Treppen ‚irgendwie weggeklappt waren’. Wie durch magnetische Kräfte festgehalten, habe sein Bett über dem tiefreichenden Schacht ‚geschwebt’, ohne in den Abgrund zu stürzen. Die zentrale Erfahrung des ganzen Geschehens sei aber ‚eine fürchterliche Todesangst’ gewesen, mitsamt seinem Bett in den tiefen Schacht hinunterzustürzen und dabei umzukommen. Von seinem Bett aus habe er in der Tiefe die verschiedenen Stockwerke sehen können. Merkwürdigerweise hätten sich Schwestern und Pfleger, wie er selbst, über dem Schacht waagerecht bewegen können, ohne daß sie eine Decke oder einen Boden unter den Füßen hatten ... (25,166-167).
Für die Inkorporation von Be- oder
Entlastungserlebnissen auf der Intensivstation schildert Anbeh
wiederum folgendes Beispiel:
...
Dann habe ich keine Gesichter gesehen. Ich hatte das Gefühl, dass alle, die mit
mir zu tun hatten, geklont seien. Das waren alles, ich nehme an durch dieses
einheitliche Grün, na wie heißen die noch, die kennt man doch aus so
Horrorfilmen... die sahen alle gleich aus, blond mit runden Gesichtern, aber
man konnte die Gesichter nicht erkennen. Ich wollte doch eine Ansprache haben,
aber da kam nichts, die waren stumm und sahen alle gleich aus. Nur einmal da
hat einer so ausgesehen wie mein Mann. Da war ich happy. Da hatte ich was,
einen Anhaltspunkt. Ich wollte ihn anfassen und in dem Moment zerfloss diese
Person... (2,100).
Besonders die Beatmung kann als schwere Belastung zum Traumthema werden:
... Dieses Schloss befindet sich in der Nähe von Paris. Meine Mutter führt
mich durch eine große Halle und mehrere Zimmer zu meinem Zimmer. Ich bin die
ganze Zeit an dem Beatmungsgerät und habe große Schwierigkeiten damit.
Plötzlich ist mein Lebensgefährte da und sagt: „Es steht ja sehr schlimm um
dich, ich bin zu dir gekommen und lasse mich mit dir beatmen, vielleicht fällt
es dir dann etwas leichter.” Mit großer Gelassenheit erklärt er mir das
Beatmungsgerät und zeigt mir, wie ich mich verhalten soll, damit es mich nicht
so anstrengt. Schließlich lässt er sich auch anschließen. Wir liegen zusammen
und werden vom gleichen Beatmungsgerät beatmet....
Plötzlich bricht die zweite französische Revolution aus... Das Schloss
wird bombardiert. Überall Verletzte, Blut und Geschrei. Mein Lebensgefährte
schafft es, mich aus dem Schloss zu bringen und flüchtet mit mir an den Fluss
unter eine Brücke. Die Gegend ist erbärmlich. Wir wohnen in einem heruntergekommenen
Wohnwagen direkt am Wasser. Ich liege in diesem Wohnwagen und bin immer noch
an dem Beatmungsgerät angeschlossen. Wenn mein Lebensgefährte nicht irgendwo
hin muss, schließt er sich auch an das Beatmungsgerät an. Es vergehen Wochen.
Immer das gleiche triste Bild. Vom Wohnwagen aus kann ich das heruntergekommene
Flussufer betrachten an dem Ratten entlang laufen. Immer wider höre ich Bomben,
die irgendwo aufschlagen. Mein Lebensgefährte kann mittlerweile sehr gut mit
dem Beatmungsgerät umgehen, ich habe immer noch große Probleme... (2,103-104).
Brunswigs Oneiroid wiederum zeigt eine eher positive
Verarbeitung seiner Herzoperation in das Traumgeschehen, bei dem es wohl auch
zu einem (geträumten) außerkörperlichen Erlebnis (OBE) kam:
Im Lichtzentrum bewegen sich einige Wesen hin
und her. Ich kenne sie genau, obwohl außer Energie nichts an ihnen ist, was ich
wiedererkennen könnte. Mein Herzschlag ist immer noch ruhig und gleichmäßig.
Auf einmal erklärt mir die Stimme, daß mein Körper
jetzt das Teil erhalten werde, das er braucht, um weiter leben zu können. Ich
treibe um meinen Körper herum und befinde mich ihm in einigen Metern Entfernung
genau gegenüber. Mein Gesicht kann ich nicht erkennen, trotzdem bin ich mir
erneut bewußt, daß es sich
um meinen Körper handelt.
Mein Brustkorb ist geöffnet, und ich sehe
durch ihn hindurch das Ende des Lichttunnels mit seinen sanft hin und her
schwingenden Lichtfransen, und ich sehe den Lichtstrahl, der meinen Körper
umschlingt und ihn fest an seinem Platz hält. Am Ende des Lichttunnels steht
ein gewaltiges, dreieckiges und tiefrotes Segel. Eine ganze Zeit passiert
überhaupt nichts, und während ich im Licht treibe und im Herzschlag schwinge,
kann ich alles in Ruhe betrachten.
Das Segel am Ende des Lichts setzt sich aus
abertausenden kleinerer Segel zusammen, die alle die gleiche Form haben und
mit einer sehr komplizierten Naht miteinander verbunden sind. In der Mitte
fehlt ein Segel. Die Öffnung ist klar und deutlich zu erkennen. Ohne Übergang
verstummt mein Herzschlag, und mein Schwingen wird unterbrochen. Eine
unglaubliche Erwartung und Freude macht sich in mir breit. Etwas packt mich,
und ich schwebe durch meinen Körper hindurch, begleitet von den sich sanft hin
und her schwingenden Lichtfransen auf das Segel und seine Öffnung zu. Das
fehlende Teil schiebt sich, unbemerkt von mir, von hinten an mich heran,
überholt mich und treibt auf das Segel zu, welches es kurz vor mir
erreicht (6,21).
Zu den die – zumeist sehr leidvollen - körperlichen Empfindungen verarbeitenden Träumen zählen oft die von Intensivpatienten als quälend empfundenen Durstträume (2, 110; 6,14-18; 7,17-19). Der Baßgitarist Mario Mantese berichtete z.B. häufig von solchen Durstgefühlen, die sich in seinem Oneiroid immer wieder in entsprechenden Traumszenen realisierten (14,31.43.48-49.64.75.80.86-90.92-93.104-105). Dies wird ihm beim Erwachen dann auch selbst bewußt:
Körperliche Wahrnehmungen können aber auch ganz verkleidet in den Traum inkorporiert werden:
Eine zweite Szene
habe sich auf der Intensivstation abgespielt, die ihm allerdings ‚eigenartig
verändert’ erschienen sei. Im vollen Bewußtsein
seiner Lähmung habe er ‚mit geöffneter Bauchdecke’ in seinem Bett gelegen. Die
Schwestern und Pfleger seien nähergekommen, um sich aus den offen daliegenden
Blutgefäßen seines Körperinnenraumes Zigaretten zu drehen, die sie auch noch
vor seinen Augen geraucht hätten. Schließlich sei dann ein Pfleger gekommen,
der einen Sack von aus Plastik gefertigten Menschenknochen in seinen geöffneten
Bauch hineinwarf und diesen dann anschließend zunähte. Dieser Pfleger habe ihm
nun angedeutet, daß die Knochen schon ihren Weg im
Körper finden würden, um schließlich die Funktion der ausgefallenen gelähmten
Arme und Beine zu übernehmen“ (25,166-167).
Auch
die Ansprache von des komatösen Patienten (z.B. durch das Krankenhauspersonal)
kann in das Oneiroid eindringen und dieses inhaltlich
beeinflussen:
... Hinter dem weißen Wesen steht eine Trage,
an deren vier Enden sich jeweils ein anderes Wesen befindet. Auf der Trage
liegt mein Körper. Als ich mich über den Bach langsam der Ansammlung der Wesen
und meinem Körper nähere, setzt sich dieser plötzlich an den Rand der Trage und
versucht sich zu erheben.
Am rechten Fußende der Trage steht ein
anderes asiatisches Wesen. Es spricht das weiße Wesen an und erklärt ihm, daß mein Körper aufstehen will. Das weiße Wesen wendet sich
zu mir, der ich immer noch über dem Bach treibe. Es winkt mich zu sich heran
und beugt sich gleichzeitig zu meinem Körper herunter, den ich im gleichen
Moment erreiche und in ihn hineingleite. Dann bin ich
in ihm und erkenne das weiße Wesen direkt über mir. Es fragt mich, ob ich mir
nicht noch etwas Zeit lassen wolle, und ob mir das, was ich bisher gesehen habe,
nicht gefallen würde? Ich weiß noch genau, daß ich
eine lange Zeit über diese Frage nachgedacht habe, verstanden habe ich sie
nicht ... (6,34-35).
Den
fließenden Übergang von Real- und Traumwelt illustriert das Oneiroid
einer Guillain-Barré-Patientin:
„Sie habe sich bei völlig klarem Bewußtsein in einem "schrecklich hohen Raum" befunden, einer riesigen Kathedrale vergleichbar, dessen Decke sie nicht habe erkennen können. An den Wänden dieses unermeßlichen und riesigen Raumes hätten hohe Leitern gestanden, auf denen sich Männer befanden, die die Wände mit weißer Farbe anstrichen. Diese Männer hätten weiße Kittel getragen, erst später habe sie in ihnen die Pfleger der Intensivstation wiedererkannt. Diese eigenartige Szene habe sie als ‚absolut wirklich, nicht wie einen Traum’ erlebt: Alles sei so klar vor ihr gestanden, daß sie später eine Schwester auf der Intensivstation gefragt habe, wo denn hier die Wand mit weißer Farbe frisch gestrichen worden sei ... Sie könne noch genau angeben, an welcher Stelle des unermeßlichen Raumes einer der Männer im weißen Mantel auf der Leiter stand und die Wand anmalte: ‚Ich sehe ihn noch heute ganz klar vor mir’ (25,153).
Die
Traumwelt wird in ihrer - die eigene Entmächtigung
widerspiegelnden - Fremdartigkeit und in ihrem sprunghaften Szenenwechsel
häufig als seltsam und unbegreiflich empfunden (6; 14; 33; 34; 35; 17). Dennoch bestehen – wie in dem letztgenannten Beispiel -
große Schwierigkeiten, während des Erlebens und auch retrospektiv zwischen Oneiroid und Wirklichkeit zu unterscheiden (1;
2,95.109-110; 7,7; 17; 25,14.179-184.192.195.207; 33; 34; 35). So heißt es in einem Selbstbericht:
„L. erlebte sich mitsamt seinem Krankenhausbett in einem Dachzimmer
des Hauses seiner Tochter in E. Merkwürdigerweise habe seine Tochter dieses
Zimmer an eine Schwester der Intensivstation
vermietet. Er wisse nicht mehr, wie er dort hingekommen sei, bzw. wie er
später wieder auf die Intensivstation zurückgebracht worden sei, lebhaft könne
er sich aber an die Angst erinnern, durch den Aufenthalt im Hause der Tochter
die Visite auf der Intensivstation zu versäumen. Auch dieses Erlebnis habe für
ihn unbezweifelbaren Realitätscharakter besessen, so daß
er sich nach der Extubation bei seiner Tochter
mehrfach rückversichern mußte, ob man ihn denn
während seines Krankseins in ihr Haus gebracht habe und warum sie das Zimmer an
eine Schwester der Intensivstation vermietet habe“ (25,167).
In der Untersuchung Anbehs hielten alle (22) befragten langzeitbeatmeten Patienten ihre Träume für real (2,109-110). Gründe dafür war das Erleben, in diesen Träumen wie im richtigen Leben Hauptakteur zu sein (77,3% d.F.), im Gegensatz zu normalen Träumen auch akutische Wahrnehmungen zu haben (54,5% d.F.), Gesichter (Verstorbener) zu erkennen, intensive Farbwahrnehmungen zu haben und die Traumintensität (jeweils in 40,9% d.F.). Auch das Auftauchen von NDE-Elementen trug dazu bei (2,109).
Der Realitätscharakter des Oneiroids zeigt sich auch in den Reaktionen eines Polyradikulitis-Kranken auf sein Erleben:
„Herr W. betonte wiederholt, daß alle geschilderten Erfahrungen für ihn einen unbezweifelbaren Realitätscharakter trugen, der keinen Zweifel an der Wirklichkeit des Geschehens zuließ. Er habe noch wochenlang ‚große Mühen’ damit gehabt, um sich von der Unwirklichkeit dieser Erfahrungen zu überzeugen. O.W. grenzte dann die Erlebens-Modalität der Phantasie-Szenen von der des Traumes prägnant ab: Üblicherweise herrsche in seinen Träumen ‚eine gewisse Konfusion und Benommenheit’, während er in den Erlebnissen während seines Krankseins ‚geradezu überwach’ gewesen sei. Auch habe er sich noch niemals mit solcher Deutlichkeit an Träume erinnern können. So könne er noch heute das Erlebte klar von Traumerfahrungen abgrenzen. Seinerzeit habe er jedoch alles ‚für pure Wirklichkeit’ gehalten. Er habe alles ‚scharf und glockenklar wie in der Wahrnehmung’ vor sich gesehen ...
‚Ich habe nie etwas verschwommen gesehen, es war mindestens so klar wie in der sonstigen Wirklichkeit’ ... Auch in seinen Phantasieerlebnissen habe er den Wechsel von Tag und Nacht, ja sogar seine eigene ‚Müdigkeit in der Phantasie’ erlebt. Selbst hierbei sei es aber nicht einmal ansatzweise zum Auftreten von Zerfallsgestalten gekommen. Auf Frage negierte O.W. auch jegliche Verzerrung der optischen Wahrnehmungsperspektive“ (25,198).
Selbst in mehreren Gesprächen mit einem Psychiater, der ihn von der Fiktivität all seiner Erfahrungen überzeugen wollte, ließ sich O.W. nur insofern beeinflussen, als daß er letzteren zumindest noch "eine dritte, andersartige Wirklichkeit zwischen Traum und Realität" zusprach (25,197), womit er sehr gut die (bewußtseinsmäßige) Stellung der Luzidträume umschrieb.
Schmid-Degenhardt
erklärt die Ursache des Realitätscharakters wie folgt:
„Wie in der "natürlichen" Einstellung scheinen
also auch die Dinge und Lebewesen der Phantasiewelten in ihrem Dasein vom
erlebenden Ich unabhängig zu sein. Ihre im aktuellen Erlebnisvollzug
unbezweifelbare Daseinsautonomie und Bewußtseins-Transzendenz
bedingen den subjektiven Wirklichkeitsmodus dieses Typus oneiroider
Erfahrungen ... Die ungeheure Erlebnisintensität dieser imaginären Geschehnisse
erschwert ihre retrospektive Nihilierung und sichert
ihnen den ... Stellenwert von Inseln des Außerordentlichen im biographischen
Gesamtzusammenhang“ (25,89).
Grundsätzlich lassen sich die in dem - der Nah-Toderfahrung nahestehenden - Oneiroid traumhaft verarbeiteten Realeindrücke von der Umwelt wie vom eigenen Körper als Verarbeitung subliminaler Wahrnehmungen interpretieren, da viele Eindrücke oft noch unterschwellig registriert werden. Dabei bilden besonders die am längsten erhalten bleibenden akustischen subliminalen Wahrnehmungen „ ... eine ‚sensorische’ Voraussetzung“ für die Inkorporation äußerer und körperzentrierter Geschehnisse (25,201). So können (scheinbar) bewußtlose Patienten am ehesten bzw. am längsten noch hören.
Weiterhin ist nachgewiesen,
daß in Träumen optische und akustische Wahrnehmungen
auch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle - optische Darbietungen von einer
hundertfünfundzwanzigsten Sekunde sowie mit zweieinhalb erhöhter
Geschwindigkeit vorgespielte akustische Reize - richtig (traumhaft) verarbeitet
werden (24,113-114). Am wichtigsten sind jedoch die unterschwelligen
akustischen Wahrnehmungen.
Vielleicht könnten (subliminale) Körperempfindungen auch einige wenige
Wahrnehmungen während der OBEs erklären (5,124-125). So gibt es Hinweise, daß der Mensch auch über die Haut wahrnimmt - wenn Licht
vorhanden ist und keine Sichtblende Zielobjekt und Haut des Beobachters trennt.
Dabei ist die Wahrnehmung um so besser, je mehr Haut dem Zielobjekt ausgesetzt
wird; sie ist aber - zumindest am Anfang - eher bruchstückhaft,
langsam-graduell und Ergebnis von Versuch und Irrtum (20,130-132).
Die Tatsache, daß Wahrnehmungen im Nah-Toderlebnis dagegen sofort (ohne Lerneffekt) zu erfolgen scheinen (20,131-132), spricht nicht unbedingt dagegen, daß sie auch auf kutaner Wahrnehmung beruhen; im NDE würde eben die sonst nur bruchstückhafte kutane Wahrnehmung durch den hohen cerebralen Aktivationsgrad vollständiger und schneller (bewußt).
Viele Einzelfallberichte verweisen auf solche unterschwellige körperliche Wahrnehmung. So berichtet ein Patient:
...
ich antwortete ihm: 'Herr Doktor ... Ich weiß alles, was vor sich ging.' Ich
erzählte ihm beispielsweise, daß er sich zuerst an
meiner rechten Achselhöhle zu schaffen gemacht habe, sich dann aber die linke
vorgenommen habe. Er sagte, das sei unmöglich, ich könnte das unmöglich wissen,
weil ich zu dieser Zeit klinisch tot gewesen sei. Er schüttelte immer wieder
den Kopf. Er konnte es nicht verstehen ... (23,58).
Die
unterschwellige körperliche Wahrnehmung reicht weit. So ließ sich aus den
Träumen krebsverdächtiger Frauen statistisch signifikant das noch nicht
vorliegende Ergebnis einer Gewebeentnahme herauslesen: Frauen mit positivem,
also krebshaltigem Gewebebefund träumten wesentlich häufiger von Hoffnungslosigkeit
geprägte Inhalte (24,114).
Subliminale optische Wahrnehmungen werden am seltensten berichtet
(5,122). Denkbar wäre jedoch eine subliminale
optische Wahrnehmung selbst bei lichtstarren Pupillen. Immerhin hatten 32 (76%)
von 59 Probanden, die eine experimentell induzierte hypoxische
Synkope und dabei auch NDE-Elemente erlebten, ihre Augen während der gesamten
Synkope geöffnet. Weitere 10 Prozent der Probanden hatten die Augen während der
Synkope erst geöffnet und dann geschlossen oder umgekehrt; bei 19 (45%) wurden
während der Synkope zumindest einige Lidschläge gesehen (37,235). Tatsächlich
registrieren wir optisch 107 bits/sec, während wir bewußt nur 18 bits pro Sekunde
optisch wahrnehmen; dies bedeutet ein Verhältnis von bewußter
zu unbewußter optischer Wahrnehmung von ca. eins zu
einer Million (13,3-4)
Auch
besteht beim Ausfall des primären visuellen Cortex zwar kein bewußtes Sehen mehr, aber - als Ausdruck der sog.
'Seelenblindheit' -
eine
unbewußte Sehfähigkeit, die sich anhand der
Pupillenreaktion auf Helligkeits- und Kontrastwechsel, Reaktionen auf
flackernde Stimuli, auf Orientierung und Farbe visueller Reize zeigt. Ebenso
sind diese Patienten fähig, unbewußt Objekte zu
erkennen und nach ihnen zu greifen ... Sie erfassen unbewßt
auch die Bedeutung von Aufforderungen, die im 'blinden' Gesichtsfeld gezeigt
wurden, denn sie können - wiederum ohne daß sie
wissen, warum - den Aufforderungen entsprechend handeln (22,194; s.a. 8).
Im Rahmen dieser sog. Blindsicht greifen kortical Blinde überzufällig häufig in die richtige Richtung, wenn man sie auffordert, nach einem nahe, aber unklar wo gelegenen Objekt zu greifen auffordert. Auch nimmt die Hand die richtige Form an, wenn man die cortkal Blinden bittet, nach unbekannten Objekten zu greifen (20,129).
Dabei
sehen diese 'seelenblinden' Patienten vermutlich unbewußt
über subkorticale Zentren wie den Colliculus
superior, der neben dem Tectum
bei den meisten Säugetieren und allen anderen Wirbeltieren gar das visuelle
Hauptzentrum sein soll (22,195). Auch der Mandelkern ist bei dieser sog. ‚blindsight’ besonders aktiv (32).
Diese Fähigkeit zu unbewußter (optischer) Wahrnehmung könnte also auch bei cortical blinden NDErn sowie bei den NDErn eine Rolle spielen, die ihre Augen in der Phase ihrer Bewußtlosigkeit offen haben und damit für ihr außerkörperliches Erleben noch Informationen aus der Umgebung aufnehmen könnten. Das wäre aber nur eine denkbare Erklärung richtiger außerkörperlicher Wahrnehmungen..
Ein
weiterer Grund für die Wahrnehmung von Umweltreizen ist ein – in ca. 15% -
(verkanntes) (Teil-)Bewusstsein der scheinbar bewusstlosen Patienten (44). So
zeigten in zwei Untersuchungen 18 bis 37 Prozent aller untersuchten Patienten
im Wachkoma (vegetative state, apallisches
Syndrom) ein Bewußtsein von sich oder ihrer Umgebung
(3,13). In einer neueren Studie auf einer für Koma-Patienten spezialisierten
Station erwiesen sich z.B. 43% ( = 17) von 40 aufgrund einer traumatischen, anoxischen oder vaskulären Hirnschädigung in tiefem
Wachkoma befindlichen Patienten überraschenderweise als bewußt
- und damit selbst von Experten (z.T. länger als 1 Jahr) fehldiagnostiziert
(3).
Diese 17 Patienten konnten alle (100%) über eine spezielle Apparatur sinnvolle, biographisch-orientierte Ja-Nein-Antworten geben, 65% von ihnen konnten rechnen, 65% waren (z.T.) orientiert, 71% konnten ihre Wünsche äußern und 47% konnten ihren Angehörigen über eine spezielle Technik sogar Briefe schreiben (3). In einer anderen Untersuchung zeigten (vier) apallische Patienten trotz Großhirnausfalls auf verbale Reize zwar verzögerte und abgeschwächte, aber im EEG-Frequenz- und Amplitudenablauf ähnliche Antworten (z.B. auf das Wort 'Mama'), was eine kognitive und emotionale Verarbeitung signalisiert (31).
Dazu sei zu bemerken: Nach vorsichtigen Schätzungen fallen in Deutschland immerhin etwa 3000 (bis 10 000) Menschen pro Jahr ins Wachkoma, dessen Synonyme apallisches Syndrom, vegetativer Status oder Coma vigile sind. Dabei kommt es zu einem Ausfall von cerebralem Cortex bei Erhalt der Formatio reticularis (Hirnstamm), die zur Dissoziation von Bewußtsein und Wachheit führen. Ursachen sind z.B. ein hypoxischer Hirnschaden, Schädel-Hirntraumata, eine Enzephalitis sowie Intoxikationen.
Luzides Träumen impliziert
REM-Aktivität - auch hypnagoge Halluzinationen sind REM-Schlaf-gebunden - und
schnellere EEG-Aktivität, letztere als Korrelat der Luzidität. Dabei muß das REM-Steuerungszentrum in der Brücke (Pons) aktiv
sein. REM-Phasen generieren aber auch aus Mikroentladungen im limbischen
System. Der hippocampale Theta-Rhythmus während des
REM-Schlafs korreliert dabei mit der Verarbeitung von (Tages-)
Erinnerungen. Gleichzeitig setzt Träumen eine verstärkte cholinerge
Transmission im basalen Vorderhirn voraus (29).
Da
Depressionen eine Vorverlagerung und Verlängerung der ersten REM-Phase und eine
erhöhte REM-Intensität (erhöhte Augenbewegungs-Dichte) aufweisen, könnten Oneiroide neurobiologisch als cholinerge, kompensierende
Fluchten vor einer depressiogenen sensorischen
Deprivation in eine phantastische Ersatz(Traum)Welt verstanden werden.
Übergänge von Oneiroid
zu Nah-Todeserfahrungen
In
die äußerst individuellen Träume inkorporiert tauchen nun immer wieder auch
einzelne Elemente der klassischen Nah-Toderfahrungen (NDEs) wie Lebensfilm-Äquivalente, außerkörperliche Erfahrungen,
Licht- oder Tunnel-Erlebnisse auf. Diese sind aber häufig noch traumhaft
verkleidet (6; 14,83-85.102.111; 1023).
Rommer berichtet ein Beispiel, in dem die NDE-Elemente der außerkörperlichen Erfahrung und des Lichtes noch sehr in einem individuellen Traumszenarium versteckt sind bzw. nur indirekt erkennbar sind:
Auch
ein Guillain-Barré-Patient
schildert ein Oneiroid mit dem nur geträumten
NDE-Element des out-of-body-experience (OBE):
Eine andere Szene habe sich in einem Raum eines Klosters
ereignet: während des gesamten Geschehens sei sein ‚Ich’ auf eigenartige Weise
von seinem Körper getrennt gewesen: ‚Ich sah meinen Körper wie aufgebahrt auf
einem Tisch liegen, an den Wänden des Raumes hingen mehrflammige
Kerzenleuchter’. W. berichtete, daß mehrere Männer
und Frauen in Ordenstracht (Mönche und Nonnen) seinen Körper gewaschen und
gesalbt hätten: ‚Es war eine richtige Einbalsamierung’. Er selbst habe die
ganze Zeit ‚wie ein Geist’ neben seinem Körper gestanden. Auf mein Nachfragen
gab W. dann an, daß er zu diesem Zeitpunkt seinen Tod
als unmittelbar bevorstehend annahm. Plötzlich habe eine laute Stimme ‚wie
durch einen Lautsprecher’ verkündet: ‚Herr W., es geht jetzt auf den Tod zu!’
Hiernach sei die Szene ‚plötzlich abgebrochen’, worauf er sich kurzzeitig in
der Intensivstation wiederfand. Auch in diesem Phantasie-Erlebnis habe er unter
großer Angst gelitten (25,195-196).
Ähnlich berichtet der in seinem nahezu
bewegungslosen Körper eingeschlossene verstorbene Elle-Chefredakteur Bauby von an außerkörperliche Reisen nur erinnernden
Flügen:
„Der Taucheranzug wird weniger drückend, und der Geist kann wie ein Schmetterling umherflattern ... Man kann davonfliegen in den Raum oder in die Zeit, nach Feuerland oder an den Hof von König Midas. Man kann die geliebte Frau besuchen, sich neben sie legen und ihr noch schlafendes Gesicht streicheln. Man kann Luftschlösser bauen, das Goldene Vlies erkämpfen, Atlantis entdecken, seine Kinderträume und Erwachsenenphantasien verwirklichen“ (4,7-8).
Bauby realisiert in seinem locked-in-Syndrom solche OBE-ähnlichen Reisen dann auch immer wieder (4,15).
Wie im NDE zentriert sich auch das
Ende des mit vielen NDE-Elementen angereicherten Oneiroids
Brunswigs auf die Rückkehr in den Körper,
angereichert mit vielen individuellen Traumbildern (6,76-81). Aus diesen
Rückkehrversuchen sei auszugsweise zitiert:
... Mein Körper ist nicht in seinem Bett, und
ich treibe über der leeren Matratze. Die Spirale läuft jetzt über mir in den
Himmel, und der ist wieder unbeschreiblich zerrissen und leuchtend. Ich beginne
sofort meinen Körper zu suchen und bekomme gleichzeitig Angst, ihn nicht zu
finden. Dann rufe ich ihn, bis ich schreie. Eilig kommen einige Wesen auf mich
zugelaufen, sie fragen mich nach meinem Anliegen, und ich erkläre ihnen, daß ich meinen Körper suche und ihn nicht finden kann. Alle
stehen etwas ratlos herum, bis eines von ihnen auf die Idee kommt, mich noch
einmal auf die Spitze der Spirale zu schicken.
Ich rase die Spirale hinauf in den Himmel und
befinde mich augenblicklich auf ihr. Unter mir breitet sich wieder der Berg mit
meinen Lebensabschnitten aus, nur daß die Räume, in
denen vorher mein Leben gewesen war, leer sind. Phantastisch gelbes Licht
flutet aus ihnen. Von meiner Angst um meinen Körper getrieben, mache ich mich
in dem Berg auf die Suche nach jemandem, der mir weiterhilft. Ich durchwandere
stille, leere, gelbe Räume und stehe auf einmal vor einer Tür, die ich öffne,
und sehe mich in dem Raum einem Wesen gegenüber. Es steht hinter einer langen
Bar am Ende des Raumes und ist damit beschäftigt, einen Cocktail zu mixen.
Es bittet mich Platz zu nehmen, und wir
beginnen unsere Unterhaltung damit, daß ich ihm von
der Suche nach meinem Körper erzähle und frage, ob es mir weiterhelfen könne.
Es hat in der Zwischenzeit die Cocktails serviert, und mein Ich beginnt sich
erneut gewaltig aufzuladen, ich habe erneut einen Vulkan im Kopf. Dann zieht es
mich ins Vertrauen, indem es mir erklärt, daß ich
seiner Meinung nach noch nicht genug Krach gemacht habe. Es wendet sich von mir
ab, geht zu einem Zapfhahn aufder Theke und drückt
diesen herunter. Der ganze Berg füllt sich wieder mit Preßluft
und schwillt gewaltig an. Das Wesen fordert mich auf, mich erneut auf die
Matratze zu legen. Ich mache mich durch den Berg auf den Weg und lege mich auf
ihre Oberfläche. Sie breitet sich wieder wie eine Spirale unter mir aus und
endet im Krankenhaus. Dort sehe ich jetzt meinen Körper auf einem Bett liegen.
Die Spirale unter mir erscheint mir in Form aneinander gereihter Matratzen. Sie
sind alle unterschiedlicher Farbe, Größe und Qualität. Einige haben
Nachtschränke mit einer Lampe neben sich, aufdenen
einige sehr alte Frauen liegen. Sie sind unzufrieden und beschweren sich
ständig über dies und das.
Dann beginnt der Berg erneut unter
ohrenbetäubendem Zischen und Fauchen in sich zusammenzusinken. Das erschreckt
die Frauen, und ihre Beschwerden werden immer heftiger. Über mir steht der Mond
voll undrund, ich will runter zu meinem Körper und
beginne darüber nach-zudenken, wie mir das wohl am besten gelingen könnte. Ein
Wesen tritt an mich heran und beginnt, mir die Vorzüge der einzelnen Matratzen
zu erklären und macht auch noch auf die verschiedenen Qualitäten aufmerksam.
Weiter möchte es von mir wissen, ob ich nicht zukünftig diese Matratzen
verkaufen wolle. Ich kann mit ihm überhaupt nichts anfangen, und er beginnt mir
gewaltig auf die Nerven zu gehen. Die Frauenunter mir haben sich mittlerweile
alle etwas beruhigt, und mir kommt die Idee, sie alle etwas aufzumuntern.
Ich beginne an meiner Matratze zu rütteln,
sie setzt sich in Bewegung, fällt leicht nach unten, dreht sich einmal und
stößt gegen eine der Matratzen, auf der eine dieser Frauen liegt. Sie
erschreckt sich, zieht sich die Decke über den Kopf, und die Beschwerden
beginnen erneut; die anderen stimmen sofort mit ein. Ich lasse mich dadurch überhaupt
nicht beeinflussen und bahne mir den Matratzenberg hin-ab den Weg zu meinem
Körper.
Mir kommt die Idee, daß
es jetzt an der Zeit wäre, ihn endlich einmal mitzunehmen. Ich gleite in ihn
hinein und versuche sofort aufzustehen, doch er reagiert nicht so, wie ich das
will. Etwas hält ihn an dem Bett fest. Ich gleite wieder aus ihm heraus und
erkenne, daß meine Hände am Bett festgebunden sind.
Trotzdem gleite ich wieder in meinen Körper und versuche noch einmal
aufzustehen. Durch diese Aktion erscheint ein Wesen und fragt mich, was das
soll, und wenn ich damit nicht aufhören würde, würde er die Beine auch noch
anbinden.
Wieder steht einer neben mir, der mir
kolossal auf die Nerven geht. Ich beschließe erst einmal in meinem Körper zu
bleiben und beginne mich umzusehen. Der Raum um mich herum ist sehr klein,
seine Wände sind aus glattem silbrigen Metall und schimmern eigenartig. Nach
links verläuft ein langer schmaler Gang, weit hinten erkenne ich eine Tür,
durch die mich das nervige Wesen verläßt. Außer mir,
meinem Körper und einem Bett befindet sich nichts in diesem Raum, er ist
ansonsten völlig leer.
Dann beginne ich mich mit meinem Körper zu
unterhalten. Der erzählt mir, daß er noch zu schwach
sei, um mitzukommen, er werde wohl noch etwas hier bleiben müssen. Ich selber
bin unglaublich mit Energie geladen, und wir einigen uns darauf, daß ich ab und zu noch einige Ausflüge unternehme, aber
zwischenzeitlich immer nach ihm sehen werde. Mein Körper findet das in Ordnung,
bittet mich nur, noch eine Weile zu bleiben ... (6,76-78).
Auch der Ablauf
Lebensfilm-ähnlicher Sequenzen im Oneiroid erinnert
an die Nah-Toderfahrung (6,69). Brunswig schildert
das im Oneiroid eingebaute NDE-Element Lebensfilm wie
folgt:
Es ist Nacht, leuchtende bunte Glasröhren
treiben heran und bleiben vor mir im Raum stehen. Einige aufrecht, andere
liegend oder schräg. Um sie herum entsteht ein weiterer Raum, der selber aus
unzähligen sich aufeinander türmenden Räumenbesteht,
die sich beginnen mit Bildern zu füllen. Ein kurzer Lebensabschnitt nach dem
anderen setzt sich so zu meinem Leben zusammen, das plötzlich in Form eines
Berges vor mir steht, unterteilt in mit Lebensabschnitten gefüllten Räumen.
Etwas packt mich, und ich werde gewaltig auf
den Berg geschleudert. Ich rase zu seinem linken Hang und schlage mit meiner
linken Schulter auf. Es ist, als ob es mich zerreißt, der Aufschlag ist
unbeschreiblich. Der Lebensabschnitt verschwindet, und statt dessen treibe ich
vor zwei gewaltigen Lichtbalken. Sie verlaufen schräg von oben nach unten, der
eine leuchtend blau, dar andere leuchtend rot. Sie sind getrennt von einer
feinen weißen Linie. Nach einiger Zeit verschwindet das Farbenspiel, und auch
die Erschütterung läßt nach.
Ich stehe in einem meiner
Lebensabschnitte, eine Unzahl von Bildern, die ich alle noch einmal erlebe.
Nachdem ich diesen Abschnitt noch einmal durchlebt habe, werde ich sehr neugierig
auf den nächsten und will sofort dorthin. Die Stimme hindert mich, und ich
stehe plötzlich in dem Büro eines Architekten. Der hat eine Zeichnung vor sich,
auf der ich den Berg erkenne, in dem wir uns gerade befinden. Er erklärt mir, daß ich nicht so ohne weiteres aus diesem Abschnitt
entlassen werden könne, ich würde sonst wieder auf den Berg aufschlagen, bevor
die Statik des Berges darauf abgestimmt ist. Dann beginnt er mit komplizierten
Berechnungen und sagt mir, als er fertig ist, daß ich
gehen könne.
Ich werde herausgerissen, rase auf die rechte
Seite des Berges zu und einem neuen Lebensabschnitt entgegen, dann pralle ich
mit meiner rechten Schulter genauso heftig auf wie vorher mit meiner linken.
Erneut erscheint das blaue und rote Licht, getrennt von einer feinen weißen
Linie. Danach erlebe ich einen weiteren Lebensabschnitt, der wieder mit dem
Besuch beim Architekten endet. Als ich sein Büro betrete, ist er schon gewaltig
am Rechnen. Er schaut nur kurz auf und entläßt mich
sofort wieder. Das ganze Spiel beginnt von neuem. Ich durchlebe auf diese Art
und Weise mehrere Lebensabschnitte und merke gleichzeitig, daß
ich immer weniger Lust dazu habe, da der Aufprall auf den Berg immer
unangenehmer wird. Als ich mich dann wieder einmal dem Architekten gegenüber
sehe, beginne ich mich zu beschweren, und er beginnt mir einen Vortrag über die
Statik zu halten.
Danach öffnet er eine Tür hinter sich, und
ich erkenne, daß ich mich auf der Bergspitze und
somit gleichzeitig auf der Spitze meines Lebens befinde ... (6,74-75).
Auch
gegen Ende seines Oneiroids taucht der Lebensfilm
wieder in Traumbildern inkorporiert auf:
Dann begebe ich mich in meinen Babykörper,
der Würfel ist jetzt genau über mir. Auf ihm spiegelt sich die Silhouette von
Hamburg, und als ich in ihn gleite, habe ich auf einmal die ersten sechs Jahre
meines Lebens um mich herum. Sie sind durchkreuzt von feinen Lichtstrahlen, die
sich alle kreuz und quer berühren, ansonsten aber irgendwo in der Tiefe
verschwinden.
Als ich den Raum meines ersten Lebensjahres
betrete, werde ich von einem der Lichtstrahlen erfaßt
und rase an ihm entlang, vorbei an abertausenden Verbindungsstücken, vorbei an
der gleichen Anzahl von Bildern. Mein erstes Lebensjahr rast mit unglaublicher
Geschwindigkeit an mir vorbei. Ebenso das zweite und dritte. Mir geht das alles
viel zu schnell, und ich beginne zu protestieren. Der Bilderfluß
wird abrupt unterbrochen, und ich werde schlagartig in einen Gerichtssaal
geschleudert, es ist eine unbeschreibliche Halle. Vor mir steht ein gewaltiger
Tisch hinter dem ein Richter sitzt. Er steht auf, als ich auf ihn zutreibe, und
fragt mich nach meinem Anliegen. Ich erkläre ihm, daß
mir das alles viel zu schnell geht, und ich stelle die Forderung nach mehr
Überblick, um zu begreifen. Der Richter erklärt sich bereit, sich mit mir
darüber auseinanderzusetzen, und wir beginnen mittels dicker Bücher die
Rechtslage zu erklären. Ich habe juristische Erfahrung, und es gelingt mir,
eine zeitweilige Unterbrechung von jeweils genau zehn Sekunden zu erreichen.
Mehr sei leider nichtmöglich, und er verweist mich noch einmal eindringlich
darauf, daß für mehr die Zeit nicht reicht. Man müsse
sich jetzt etwas beeilen. Ich erkläre mich mit der Dauer der Unterbrechungen
einverstanden, und mir wird eine Art Schlitten zur Verfügung gestellt. Darauf
sitzt jetzt mein Körper, er ist ungefähr drei oder vier Jahre alt.
Ein Lichtstrahl erfaßt
ihn und mich, wir rasen nebeneinander an ihm entlang, und ich erkenne, wie
mein Körper langsam immer älter wird, während gleichzeitig mein Leben an mir
vorbeiläuft. Dann und wann ertönt ein scharfes Summen, und ich und der
Schlitten mit meinem Körper kommen plötzlich zum Stehen. Bei diesen Unterbrechungen
kann ich für zehn Sekunden das, was vorher an mir vorübergerast ist,
überblicken. Mein Körper auf dem Schlitten wird immer älter und ist, als er
plötzlich an die Alster geworfen wird, ungefähr sechs Jahre alt. Er steht dort
an einer Anlegestelle der Alsterschiffahrt. Ich stehe
ihm genau gegenüber, und er lacht mich unglaublich fröhlich an ... (6,82-83).
Die
Varianten, in denen ein Leben sich im Oneiroid
präsentiert, sind dabei also größer als in einem NDE:
... Sie gehen voran und öffnen eine Tür, dann
fordern sie mich auf; den Raum zu betreten. Abertausende Bilder befmden sich in dem Raum. Sie hangen teils von der Decke,
teils stehen sie auf dem Boden. Sie haben alle das Format, daß
manbequem in sie eintreten kann. Die älteren Ärzte
stehen in Gruppen herum. Mein ganzes Leben steht in Form von Bildern vor mir,
und ich kann jedes betreten, wie ich will, begleitet von den Wesen, die mich ab
und zu dieses und jenes fragen und mich um eine Beschreibung bitten. Sie
begeben sich dann zu den uns in Gruppen folgenden Ärzten und tauschen sich mit
ihnen aus. Die Ärzte werden immer ausgelassener und fröhlicher. Wieder einmal
spazieren wir ausgelassen durch mein Leben. Am Ende der Ausstellung
angekommen, stehen wir am Rand eines tiefschwarzen Raumes. Bunte Glasröhren
treiben heran, sie reißen mich mit sich, und wir treiben gemeinsam. Die Röhren
beginnen sich ineinander zu schieben, die letzte Röhre erfaßt
mich, zieht mich in sich hinein, und wir treiben gemeinsam in die schon
zusammengeschobenen. Um mich herum ist es unbeschreiblich bunt und treibend,
alles fließt miteinander. Dann formt sich der Raum um mich herum zu einer
Linse, in der ich meinen Körper sehen kann. Wir treiben noch eine Zeitlang
nebeneinander her, dann werde ich zu ihm gezogen, werde in diesen linsenförmigen
Raum geworfen und begebe mich genau neben ihn. In der Linse treibt eine lange
Röhre, sie erinnert mich an ein riesiges Teleskop ... (6,85).
Der
Traumtyp ‚Tunneltraum’ wiederum repräsentiert das NDE-Element
Tunnel:
... Es fing an wie so ein Techno-Video. Ich bin durch so verschiedene Tunnel
geflogen, in verschiedenen Farben. Wenn man durch so einen Tunnel fliegt, dann
kommt so eine geschlossene Wand und die öffnet sich dann wieder und man fliegt
in einen anderen Tunnel mit anderen Farben und abstrakten Gebilden. Ich habe
viele intensive Rot-und Gelb-Töne gesehen. Dann bin ich irgendwann in einen
Raum gekommen. Da war ich dann in so einer Bar drin, so aufgebaut wie in dem
Film „Raumschiff Enterprise” ein wüstes Teil mit komischen Gestalten. Mit denen
habe ich mich auch unterhalten. Die ganze Bar war in so einem intensiven Blau,
ja blau muss das gewesen sein. Es fiel mir besonders eine Gestalt auf, die ganz
spitze Ohren hatte. Zwischen den Ohren hatte sie ein Gummiband. Wie so ein
Gnom hatte sie oben an dem Kopf so einen Knubbel, an dem das Gummiband
befestigt war. Das diente wohl dafür, die Ohren festzuhalten, damit sie nicht
runterfielen. Ich war so richtig hei ... (2,107).
Ein anderer Tunneltraum sah wie folgt aus:
...Dann habe ich immer das Gefühl gehabt, ich
fahre in einem Tunnel aus dem lauter rote Fäden kamen, wie so Luftschlangen,
die man so bläst, ganz schwarz alles. Das waren wie Arme, die auf mich zukamen,
die wollten immer an mich dran, das ging aber nicht. Das Erlebnis hat mich so
oft verfolgt, immer wieder. Ich habe ein Bild davon gemalt. (Zeigt mir das
Bild, welches im Schlafzimmer hängt).
Diese Tunnelbilder sind erst nach den anderen
Träumen gekommen...Dann kamen später in anderen Träumen auch Farben dazu, zum
Beispiel ein Türkis, das dann ins Blau überging, also alle Türkisfarben, so
viele habe ich noch nie gesehen, oder vom dunkelsten Blau dann langsam ins
Türkis übergehend, das war sehr schön. ... Blumen habe ich auch gesehen, die
sich gedreht haben. Hier ging das Rot in ein Rose über. Das waren so wohltuende
Farben, oder auch Fliederfarben. Es war ganz interessant dann. Es waren auch
manchmal nicht nur Blumen, sondern auch Stoffe mit schönen Mustern, wo sich die
Farben immer geändert haben. Das sah dann aus wie im Basar...(2,107).
Wie im NDE stellt der Tunnel in allen hier genannten Beispielen den Übergang in ein anderes Traumszenarium dar, was das folgende Beispiel noch einmal zeigt:
... Einige Wesen treiben von dem Schiff auf mich zu, ziehen mich aus dem Wasser und begleiten mich an Deck des Schiffes. Ich betrete einen der Räume des Schiffes, und wieder öffnet sich der Raum. Sein Sog erfaßt mich, reißt mich mit sich und zieht mich erneut durch einen gewaltigen Tunnel. Als er sich öffnet, stehe ich erneut am Rand auf dem Dach eines Gebäudes und blicke hinab. Unter mir wieder die vielen Reihen bunt erleuchteter Fenster. Vor einem Fenster der untersten Reihe erkenne ich die Plattform mit dem sich heftig hin und her bewegendem Wasser. Am Rand stehen erneut Wesen. Sie sind in einer unvergleichlich ausgelassenen Stimmung. Sie bemerken mich auf dem Dach und fordern mich erneut auf, zu ihnen herunterzukommen. Augenblicklich verlasse ich das Dach, treibe an den bunt erleuchteten Fenstern vorbei und geselle mich zu ihnen. Als ich mich zwischen ihnen befinde, begrüßen wir uns sehr herzlich.
...
Wieder öffnet sich der Raum, wieder der Sog
und der Tunnel. Er reißt mich von der Plattform und wirft mich in einen
schwarzen von Licht durchfluteten Raum.
Vor mir steht ein Gebäude. Es ist eine Art
Pavillon, der rundherum verglast ist. Er fällt zur einen Seite schräg ab. In
ihm befinden sich Wesen und beraten sich. Vor dem Gebäude erkenne ich links und
rechts zwei mit Wasser gefüllte runde Becken, die sich ähnlich den Olympia-Ringen
berühren. Aus ihrer Mitte ragt jeweils eine ca. ein Meter hohe Stange, auf
denen je eine Querstange montiert ist. Diese ragen jeweils mehrere Meter in den
Raum hinein. An ihren Enden befinden sich je eine dunkelviolette Kugel mit
einer glänzenden Oberfläche und am anderen Ende jeweils ein Herz. Die Stangen
sind so ausgerichtet, daß ich im Vordergrund die
Herzen sehe. Da die Stangen von mir weglaufen, stehen die Kugeln genau vor dem
Pavillon ... (6,43-44).
Besonders
eindrücklich schildert Brunswig immer wieder typische
NDE-Elemente, die abrupt in hochkomplexe individuelle Traumszenarien über- und
aufgehen (6; 7). Er beschreibt in seinen beiden Büchern auf insgesamt über 400
kapitellosen Seiten seine während eines dreiwöchigen Komas erlebten Oneiroide und darin auch ein ausführliches Beispiel für
mehrere im Oneiroid auftauchende traumhaft veränderte
NDE-Elemente:
Die tanzenden Kugeln haben mich unterdessen erreicht, sie hüpfen fröhlich und ausgelassen um mich herum, entfernen sich dann und bitten mich gleichzeitig, sie und ihr Wissen ein Stück zu begleiten. Gemeinsam wandern wir über die Ebene, und während die vier dabei unaufhörlich um mich herumspringen, durchströmt mich ihr Wissen in tiefen Schüben, bis wir schließlich einen weiteren Rand dieser Ebene erreicht haben. Wir bleiben an ihm stehen, und die vier erklären mir, daß ich ihnen noch einige Male begegnen werde. Sie verabschieden sich mit der Bitte, unbedingt darauf zu achten, dann verschwinden sie wieder, zusammen mit ihrem Wissen, in der schwarzen Unendlichkeit und lassen mich allein am Rand zurück.
Plötzlich verlassen, stehe ich auf der Ebene, und um mich herum ist nichts außer Licht und tiefster Unendlichkeit, als mir unvermittelt der Gedanke kommt, doch einmal über ihren Rand zu blicken, da ich die Hoffnung habe, dort etwas zu finden. Als ich weit über ihn hinaus in die Tiefe blicke, sehe ich unterhalb der Ebene einen großen Lichttunnel, der sich wie eine Schlange durch die schwarze Unendlichkeit windet, er erregt meine Aufmerksamkeit, und als ich ihn eingehender betrachte, sehe ich in dem Tunnel meinen Körper. Er wird von dem Licht kräftig angestrahlt und scheint auch selber eigentümlich zu leuchten.
Erleichtert über meine Entdeckung will ich sofort zu ihm und springe von der Ebene direkt auf den Tunnel, der zieht mich sofort in sich hin-ein, und augenblicklich stehe ich bei ihm. Ein gebündelter Lichtstrahl fließt auf meinen Körper zu, er umschlingt ihn an seiner Hüfte und hält ihn fest an seinem Platz. Weit hinter ihm, am Ende des Tunnels, fließen die Lichtstrahlen zusammen, sie bilden Fransen, und diese schwingen sanft hin und her, so als würde etwas durch sie hindurchströmen und sie in sanfte Wellenbewegungen versetzen.
Mein Körper steht regungslos an seinem Platz, auch der Lichtstrahl an seiner Hüfte bewegt sich nicht, doch obwohl ich sein Gesicht nicht er-kennen kann, bin ich mir absolut sicher, daß es sich dort um meinen Körper handelt. Die Stimme bittet mich, mich neben ihn zu stellen, ich komme dem nach, und als ich dann, neben ihm stehend, durch den Tunnel in die andere Richtung blicke, sehe ich das Lichtzentrum, auf das wir zusammen ausgerichtet sind.
Urplötzlich höre ich meinen Herzschlag laut und deutlich, sein Rhythmus versetzt mich in seltsame Schwingungen ...
Während ich noch wie gebannt dem Wesen bei seiner Arbeit zusehe, erkenne ich plötzlich, daß aus dem Hintergrund ein Pferd herantritt, es zieht einen sehr alten, vierrädrigen Holzwagen hinter sich her und hält neben dem grünen Wesen an. Auf dem alten Wagen liegt eine große, alte, helle Acht. Das grüne Wesen hat seine Arbeit beendet, es packt seine Utensilien zusammen, stellt sie auf den Wagen, und als ich mir im gleichen Moment das Pferd näher betrachte, werden schlagartig alte Erinnerungen in mir wach, eine grenzenlose Freude breitet sich in mir aus, denn solange ich denken kann, hatte mich dieses Pferd begleitet, es ist ohne Zweifel mein Pferd, und ich kann im ersten Moment nicht glauben, daß ich es hier wieder treffe.
Das grüne Wesen besteigt den Wagen, es greift nach der Peitsche, treibt mein Pferd mit einem lauten Knall an, und das Gespann entfernt sich langsam, wobei die helle Acht auf dem Wagen kräftig hin und her schau-kelt. Es hat schon ein gutes Stück hinter sich, als mein Pferd von dem grünen Wesen angehalten wird, es dreht sich auf dem Wagen zu mir um und deutet dann mit einer heftigen Handbewegung auf die Stelle, die es gerade vernäht hat. Gleichzeitig bittet mich die Stimme, mich auf den Weg zu machen, und ich betrete das große, rote Dreieck, während sich das Gespann, nachdem mein Pferd wieder mit einem lauten Peitschenknall angetrieben wurde, samt Wesen und schaukelnder Acht weiter entfernt, bis es schließlich, weit hinten, aus meinem Blickfeld verschwindet.
Ich trete an den Rand der gerade verschlossenen Öffnung, als zwei Dinge gleichzeitig geschehen. Zum einen fällt der Lichtstrahl, der meinen Körper gehalten hatte, von ihm ab, er treibt auf mich zu, und zum an-deren beginnt die Fläche, auf der ich stehe, kräftig zu pulsieren, sie bewegt sich heftig auf und nieder, und ich höre wieder meinen Herzschlag und beginne erneut zu tanzen, während zusätzlich Musik erklingt. Sphärenklänge packen mich und feuern mich immer mehr an.
Während ich noch staunend das pulsierende Dreieck betrachte, hat mein Körper mich erreicht, er zieht mich einfach mit sich, wir fliegen zusammen durch den Lichttunnel, und gemeinsam werden wir auf die das Licht umgebende, tiefschwarze Unendlichkeit zu geschleudert. Als wir sie erreicht haben, beginnt sie sich sofort zu öffnen, in rasender Geschwindigkeit entsteht Raum, und zusammen mit seiner Entstehung bildet sich ein gigantischer Sog. Alles, aber auch wirklich alles, wird von ihm erfaßt und in dem Umfang, in dem er sich bildet, von ihm mitgerissen und aufgesogen.
Der Strudel hat die Form eines Tunnels, in einigen Metern Abstand fliegen mein Körper und ich durch ihn hindurch, und obwohl wir sowohl gewaltige Höhen wie auch Tiefen überwinden, scheint er abwärts zu führen. Mein Körper und ich werden dabei immer schneller, und als sich dann der saugende Strudel schließlich öffnet, stehe ich wieder auf derselben Lichtebene, auf der mir vorher die hüpfenden Kugeln begegnet waren.
Einen Moment brauche ich, um mich zu orientieren, die Kugeln kann ich nicht entdecken, und auch der Tunnel tief unter mir ist zusammen mit meinem Körper verschwunden. Ich weiß wieder nicht, was ich tun soll, bis ich mich dann, getrieben von der Hoffnung, etwas Neues zu entdecken, entschließe, mich auf der Ebene umzusehen. Eine ganze Zeit wandere ich kreuz und quer auf ihr herum, doch ich kann einfach nichts finden.
Der Gedanke, daß ich völlig allein bin, tritt unangenehm in mein Bewußtsein, als wieder geballtes Wissen aus der Unendlichkeit heraus auf mich einströmt und zusammen mit ihm die fröhlichen, bunten Kugeln auf mich zu tanzen, sie springen ausgelassen um mich herum, und nach-dem sich unsere Wiedersehensfreude gelegt hat, bitten sie mich erneut, sie zu begleiten. Während wir wieder gemeinsam die Unendlichkeit durchstreifen, lassen sie mich abermals an ihrem Wissen teilhaben, bis wir dann schließlich einen weiteren Rand der Ebene erreichen und gemeinsam an ihm stehen bleiben ...
Unterdessen ist die Sonne aufgegangen, sie steht als leuchtende Kugel hoch über mir, und ihr Licht formt sich zu einem Tunnel, in dem ich wieder meinen Körper sehe. Die Stimme bittet mich zu ihm, und aus-gesprochen erfreut darüber mache ich mich auch sofort auf den Weg. Als ich ihn erreicht habe und neben ihm stehenbleibe, fliegen wir erneut gemeinsam durch das Licht. Wir werden immer schneller, prallen an den Rand der schwarzen Unendlichkeit, und wieder entsteht der alles verschlingende Tunnel, er saugt einfach alles in sich hinein und reißt es mit sich. Der Sog hält einen Moment an, dann öffnet er sich unvermittelt, und ehe ich es auch noch richtig begreife, stehe ich auf einer flachen, quadratischen Fläche ... (7,23.25-26.27).
Gerade in Brunswigs
hochkomplexem Oneiroid zeigt sich immer wieder ein
Amalgam aus NDE-Elementen und individuellen Traumbildern, die den
kontinuierlichen Übergang von individuellen (Todes-)Träumen in NDEs belegen:
...
In dem Moment, in dem mein Durst gelöscht ist, werde ich von etwas gezogen und
befinde mich augenblicklich wieder auf dem Gang zur Intensivstation. Ich blicke
erneut durch das Fenster auf das gegenüberliegende Gebäude, das immer noch
gespalten und aufgeklappt ist und dessen Gebäudehälften in dem Licht zu
verschwinden scheinen. Es ist alles noch genau wie zu Anfang. Obwohl ich die
gegenüberliegenden Fenster nur aus einem etwas schrägen Blickwinkel betrachten
kann, erkenne ich, daß mein Körper verschwunden ist,
auch die Ärzte sind nicht mehr da. Die Stimme erklärt mir, daß
sich das Krankenhaus jetzt um mich zusammenschliessen
wird, um mögliche Gefahren von außen von mir fernzuhalten. Im gleichen Moment
beginnen alle Wände und Gebäude, die ich sehen kann, sich wie eine Art Festung
um mich zu schließen und gewähren mir ihren Schutz.
Langsam treibe ich mit allen um mich
zusammengeschlossenen Gebäuden auf das Licht zu. Ich kann die Gebäude
verlassen, wie ich will. Betrachte ich sie von außen, scheinen alle seltsam
zusammengerückt, sich auftürmend wie eine Pyramide. Sie sind alle hell, sanft
leuchtend und treiben in dem Lichttunnel aufwärts. Von innen betrachtet, liege
ich in einer Festung. An meiner Seite befindet sich ein Fenster, und ich sehe
den lichtdurchfluteten, tief-schwarzen Raum.
Nach einer Weile werde ich erneut gepackt,
und etwas zieht mich durch dieses Fenster hinaus ins Freie. Ich stehe vor dem
Eingang des Bettenhauses, und um mich herum erstreckt sich ein gewaltiges
Gebirgspanorama: Riesige weiße Berggipfel, wie schneebedeckt, in gleißend
hellem Licht. Sämtliche Gebäude haben sich mit mir auf dem höchsten Gipfel
niedergelassen ... (6,18).
... Kaum habe ich die Gebäude hinter mir,
stehe ich erneut im Licht. Alles um mich herum ist ansonsten wieder
tief-schwarz, und das Licht formt sich zu einem Tunnel um mich herum. Die
Lichtquelle kann ich nicht erkennen. In dem Tunnel sehe ich meinen Körper, aufrechtstehend
und mit seiner Vorderseite auf das Lichtzentrum ausgerichtet. Er wird
angestrahlt und scheint selber eigentümlich zu leuchten. Ich befinde mich
einige Meter von ihm entfernt und treibe langsam von ihm weg, so daß ich plötzlich erkennen kann, wie ein stärkeres
Lichtbündel auf ihn zu-läuft, ihn umschlingt und ihn fest an seinem Platz hält.
Am Ende des Tunnels laufen die Lichtstrahlen
zusammen, sie bilden Fransen, und diese bewegen sich sanft hin und her, so als
würde etwas durch sie hindurchströmen und sie in
weiche Wellenbewegungen versetzen. Mein Körper steht völlig regungslos an
seinem Platz, auch der Lichtstrahl, der ihn hält, bewegt sich nicht. Obwohl ich
mein Gesicht nicht erkennen kann, bin ich mir absolut bewußt,
daß dort mein Körper steht.
Die Stimme bittet mich, mich zu ihm zu gesellen. Ich
treibe zurück in den Lichttunnel und begebe mich direkt neben ihn. Wir beide
sind jetzt genau auf das Lichtzentrum ausgerichtet, und ich vernehme
gleichzeitig meinen Herzschlag. Er ist ruhig und gleichmäßig, sein Rhythmus versetzt
mich in eigenartige Schwingungen. Wir treiben so eine ganze Weile nebeneinander
her, und mein Herzschlag und das Licht versetzen mich wieder in den Zustand des
grenzenlosen Vertrauens (6,20).
... Mein Körper treibt immer noch völlig
regungslos in dem Lichttunnel, von dem Lichtstrahl gehalten. Der fällt von
meinem Körper ab, und dieser legt sich auf den Rücken und treibt langsam auf
mich zu. Gleichzeitig beginnt das Segel sich aufzublähen, es hebt sich kräftig
auf und nieder. Laut und deutlich vernehme ich wieder meinen Herzschlag und
fange in seinem Rhythmus an zu schwingen. Zusätzlich erklingt Musik. Jeder
Versuch, sie zu beschreiben, wäre sinnlos. Es sind Sphärenklänge. Sie erreicht
mich in Form von schwingenden Lichtstrahlen, die mich packen und mich in ihren
Zustand versetzen.
Ich schwinge in dem Lichttunnel direkt neben
meinem ausgestreckten Körper und beobachte die sich aufblähende und
zusammensinkende Fläche Mein Körper entfernt sich von mir und zieht mich
eigenartigerweise mit sich. Dann öffnet sich der Raum. Es wird schlagartig
tiefschwarz um uns herum, und in rasender Geschwindigkeit entsteht Raum.
Gleichzeitig mit seiner Entstehung bildet sich ein gigantischer Sog. Alles,
aber auch wirklich alles wird von diesem Sog erfaßt
und in dem Umfang, in dem er sich bildet, von ihm mitgerissen.
Der Raum hat die Form eines Tunnels. Mein Körper und ich rasen durch ihn hindurch, in einigen Metern Abstand voneinander entfernt, und obwohl wir sowohl gewaltige Höhen wie auch Tiefen durchfliegen, scheint er abwärts zu führen. Mit unglaublicher Geschwindigkeit rasen wir auf einen Gebäudekomplex zu, mein Körper verschwindet, und dieser saugende Tunnelraum gibt mich frei ... (6,23)
In diesen Beispielen zeigt sich
immer wieder die Nähe der NDEs zu den Träumen, von denen sich die
Nah-Todeserfahrungen nur darin unterscheiden, dass sie allein und oft in
relativ einheitlicher Abfolge aus den transkulturell gleichen Grundelementen
bestehen. Tatsächlich fanden viele Studien auch bei
den Nah-Toderfahrungen neben den typischen NDE-Standardelementen immer wieder
auch individuelle oneiroidale Bilder (9). In meiner
Untersuchung von 100 NDEs wiesen z.B. 27% der Fälle eingestreute individuelle
Traumbilder auf.
Zunehmender
Nahtodererfahrungscharakter des Oneiroids
Die NDE-Elemente können sich auch ihrer traumhaften
Verkleidung entledigen und nehmen dann zunehmend mehr den typischen
NDE-Charakter an. So nimmt Brunswick nach tagelangem Oneiroid bei dem Versuch, in seinen Körper zurückzukehren,
das Krankenhaus-Umfeld und – i.R. einer außerkörperlichen Erfahrung – seinen
Körper von außen so deutlich wie in einem NDE-OBE wahr:
... Wir betreten wieder das Krankenhaus, er
begleitet mich zu meinem Körper, und ich gleite wieder in ihn hinein. Noch
einmal treffe ich die Entscheidung, nun bei ihm zu bleiben. Auch das schrille
Geklingel bringt mich nicht dazu, ihn wieder zu verlassen, ich beginne es zu
ertragen.
Der Raum um mich herum sieht wieder ganz
anders aus. Die Wände aus Metall sind verschwunden, und auch der Gang ist nicht
mehr da. Ich bin unglaublich erstaunt darüber und erkenne gleichzeitig, daß sich in der einen Seite des Raumes ein Fenster
befindet. Hinter ihm tauchen zwei Wesen auf, eines von ihnen bewegt sich auf
mich zu und setzt mir etwas auf den Kopf. Danach begibt es sich wieder hinter
die Scheibe, und beide besprechen sich. Vor ihnen liegt ein großes Buch auf
einem Tisch. Ich stehe jetzt direkt bei ihnen, spüre, daß
sie sich untereinander austauschen, kann jedoch nichts von dem verstehen. Mein
Körper liegt jetzt hinter mir im Raum, und in mir verstärkt sich der Eindruck, daß sie etwas von mir und meinem Körper wissen wollen.
Eines der Wesen setzt sich in Bewegung,
gleitet an mir vorbei und bewegt sich auf meinen Körper zu. Es setzt ihm etwas
auf den Kopf und überprüft die Anschlüsse, dann dreht es sich um und tauscht
sich mit dem Wesen neben mir aus. Der Raum ist von Irritation erfüllt. Wieder
werden die Anschlüsse auf meinem Kopf überprüft. Ich komme auf die Idee, daß sie zu keinem Ergebnis kommen werden, so lange ich mich
außerhalb meines Körpers befinde, und gleite unvermittelt in ihn hinein. Das
scheint sie sehr zu befriedigen. Das Wesen wendet sich von mir und meinem
Körper ab und begibt sich zu dem Wesen hinter der Scheibe. Sie beginnen in dem
Buch zu blättern.
Ich verlasse meinen Körper wieder und begebe
mich erneut neben sie. Wieder ist der Raum von Irritation erfüllt, erneut geht
eins der Wesen zu meinem Körper und überprüft die Anschlüsse, setzt es sich dann
sogar selber einmal auf. Mir gefällt das, ich werde dann aber von der Stimme
aufgefordert, es zu unterlassen, da die beiden etwas sehr wichtiges von mir
wissen wollen. Ich gleite in meinen Körper zurück, und im gleichen Moment
verspüre ich unbeschreiblichen Durst. Ein großer Tropfen einer unglaublich
bunten Flüssigkeit treibt plötzlich über mir, und ich beginne ihn in mich
aufzunehmen, bis der Durst gestillt ist ... (6,80-81).
Wie ein
NDE-OBE sieht auch das Erleben einer Guillain-Barré-Patientin aus:
„Das Todesangst-Erleben habe sich auf dem Höhepunkt der
Erkrankung zur inneren Gewißheit des Sterbenmüssens gesteigert. Das bis dahin noch bestehende
Gefühl einer Hoffnung auf Gesundung wich einem resignativen Gefühl des
Nicht-mehr-leben-Wollens. Während der ersten 2 Tage auf der
Anästhesie-Wachstation ... bestand ein kontinuierliches ‚out-of-body’-Erleben: R.I.
schilderte, daß sich ihre Seele vom Körper, den sie
als ‚todgeweiht’ gesehen habe, gelöst habe. Im Bewußtsein
ihrer personalen Identität habe sie ‚von oben’ auf ihren im Krankenbett wie
leblos daliegenden Körper hinuntergesehen, der für sie bereits tot gewesen sei.
Da sie die Erfahrung der Körperlosigkeit als
Befreiung erfuhr, habe sich dieses ‚Sich-Hinüberschwingen’ in das out-of-body-Erlebnis schließlich fast
zu einem ‚suchtartigen Verhalten entwickelt’, das sie aktiv auslösen konnte ...
Sie sei sich ‚absolut sicher’ gewesen, daß der Tod
anwesend war. Je länger sie ihren Körper verließ, desto gewisser sei ihr ein
Nicht-mehr-zurück-Können in den eigenen Leib, damit aber das Sterbenmüssen geworden. Es sei angemerkt, daß die Vitalkapazität in diesen ersten Tagen auf der
Anästhesiologischen Wachstation so extrem absank, daß
stündlich mit der Intubation gerechnet werden mußte,
der die Patientin um jeden Preis entgehen wollte. Nach ihren eigenen Worten
hätte sie die Intubation ‚als völligen sozialen Tod’ erlebt. Es ist
hervorzuheben, daß I. auch während der Erfahrung des
‚Schwebens über dem eigenen Körper’ verbal mit ihrem Freund kommunizieren und
ihm ihre Todesangst mitteilen konnte. Nicht zuletzt dank der intensiven
Zuwendung ihres Freundes habe sie es schließlich vermocht, in einem
entscheidenden lebensbejahenden Willensakt wieder in ihren Körper
‚herunterzusteigen’, was ihr jedoch - retrospektiv gesehen – ‚unwahrscheinlich
schwer gefallen’ sei. Hier sei daran erinnert, daß
die out-of-body-Erfahrung
in der Selbstwahrnehmung der Patientin geradezu ‚suchtartigen’ Charakter
angenommen hatte. Nach ihrer Entscheidung ‚weiterzuleben’, d.h. in ihren Körper
zurückzukehren, habe der Tod nicht mehr in ihrem Bett gesessen. Das berichtete
leibhaft bewußte Erleben seiner Anwesenheit sei
niemals mehr aufgetreten (25,146).
Auch
der Lebensfilm im Oneiroid kann sehr den
NDE-Lebensfilmen ähneln. Bauby beschreibt das so:
Mit einem Mal sind in meinem privaten Kino lange
vergessene Bilder erschienen, Bilder eines Wochenendes im Frühling, an dem
meine Eltern mit mir zum Durchlüften in einen windigen Marktflecken, in dem
nicht viel los war, gefahren waren ... (4,47).
Wie im Lebensfilm erinnert Bauby dabei oft die kleinsten Einzelheiten aus seinem Leben
(4,75.103). Noch mehr den NDE-Lebensfilmen ähnelt das
Erleben einer Guillain-Barré-Patientin:
Auf der Wolke durch das Universum fliegend habe sich vor ihr ein nahezu pausenloses Panorama von Bildern und Geschehnissen ihrer eigenen Lebensgeschichte abgespielt, die ihr bis dahin zum großen Teil schon lange entfallen waren. Tief in der Erinnerung verschüttete Kindheitserlebnisse, die Wiederbegegnung mit Freunden, Verwandten und auch ihren Eltern standen im Mittelpunkt dieser Geschehnisfolge. Die Eltern erschienen ihr übrigens in diesen Bildern in dem der Thematik der jeweiligen Szene entsprechenden Lebensalter, also nicht in ihrem aktuellen gegenwärtigen Aussehen. Diese ‚Lebensbilderschau’ sei ‚wie ein Film im Kino’ auf einer Leinwand vor ihr abgelaufen, sie habe alles in deutlicher Intensität und Leibhaftigkeit gesehen ... Auf Frage gab R.I. an, daß in den Bildfolgen die integrale Intermodalität der verschiedenen Sinnesregionen gewahrt geblieben sei. Ihre affektive Haltung angesichts der Lebensbilder beschreibt sie als ‚freudige Haltung’, so daß ihr das ... Erleben zur wünschenswerten Kompensation ihrer desolaten Realsituation wurde ...Mitunter sei das visuelle Panorama der lebensgeschichtlichen Ereignisse allerdings mit einer solch rasanten Schnelligkeit vor ihrem "inneren Auge" abgelaufen, daß es sie fast schmerzlich berührt habe. So habe sie die ... Erlebnisreihen hinsichtlich der Thematik, aber auch der Ablaufdynamik nicht steuern oder gar anhalten können ... (25,145)
Bei
einigen Oneiroiden treten die NDE-Elemente
schließlich auch gehäuft zusammen auf (6; 7); dies ist ein Hinweis auf eine
zunehmende Todesnähe mit konsekutiver Ausbildung einer Nah-Toderfahrung und
damit auf die eigene phänomenologische Entität der Nah-Toderfahrung (6).
Auch vollständige NDEs können in einem Oneiroid
auftreten. Brunswig schildert z.B. am Anfang seines dreiwöchigen Komas
nach einer Herzoperation im Juni 1991 den Übergang von einem klassischen NDE in
ein idiosynkratisches Oneiroid:
Als erstes sehe ich Licht. Es ist sehr hell
und durchflutet den ganzen Raum, den ich trotz der Helligkeit ohne Schwierigkeiten,
und ohne geblendet zu werden, überblicken kann. Das Licht ist von fast weißer
Farbe, strahlt sehr gleichmäßig und vermittelt mir ein absolut warmes Gefühl.
Die Lichtquelle ist nicht auszumachen, sie scheint sich irgendwo über mir zu
befinden. Ich bin absolut glücklich. Mein Ich ist leicht, losgelöst und ohne
irgendeine Erinnerung. Mein Körper liegt unter mir ausgestreckt auf einer Trage
oder einem Bett, eingehüllt in Laken oder Tüchern. Ich befinde mich zwei oder
drei Meter über ihm und bin in einem Zustand absoluter Klarheit.
Einige Ärzte bewegen sich in dem Raum hin und
her. Einer von ihnen geht zu einem Schrank, entnimmt eine Flasche und zieht
eine Spritze auf Ein anderer geht auf meinen Körper zu. Er hält links und
rechts je einen Gegenstand in der Hand, der wie ein Teller aussieht. An meinem
Kopfende befindet sich ein Fenster, auf das ich langsam zuschwebe.
Ich blicke hinaus. Auch außerhalb des Raumes erscheint alles in dem gleichen
Licht. Ich sehe einen fast quadratischen Garten und ein Gebäude gegenüber.
Etwas packt mich, zieht mich dort hin, und fast augenblicklich befinde ich
mich in diesem Gebäude. Ich treibe in einem Gang. Dessen eine Seite besteht aus
einer Fensterfront, die andere ist eine lange Wand mit einer Tür. Diese führt
zur Intensivstation, auf der ich später wieder aufwachen werde.
Ich sehe durch die Fenster und blicke auf das
Gebäude, das ich gerade verlassen habe. Alles um mich herum ist erleuchtet und
ausgefüllt mit Licht. Ich sehe keine Schatten. Gegenüber sind die Ärzte immer
noch mit meinem Körper beschäftigt.
Das Licht nimmt langsam an Intensität zu, es
scheint, als ob alle Gegenstände um mich herum ebenso wie die Gebäude anfangen
zu leuchten. Obwohl das Licht jetzt gleißend hell ist, bin ich immer noch nicht
geblendet, kann alles genau erkennen. Das Gebäude gegenüber beginnt sich
langsam zu bewegen. Mein Körper liegt dort an einem Fenster, die Ärzte sind
weiterhin um ihn bemüht. Um mich herum herrscht absolute Stille. Die Bewegung
des Gebäudes verstärkt sich, es schwingt zurück, öffnet sich ähnlich einem
Schleusentor genau an der Stelle, an der mein Körper liegt, teilt sich somit
also in zwei Hälften und gibt das Zentrum des Lichts frei. Beide Gebäudehälften
beginnen sich auf das Lichtzentrum auszurichten. Zum ersten Mal kann ich es
sehen. Es strahlt kreisförmig in alle Richtungen, und beide Gebäudehälften
scheinen mit ihren Enden förmlich in ihm zu verschwinden.
Das Licht strahlt, wie schon gesagt, in alle
Richtungen, wobei der Hauptanteil genau auf mich gerichtet ist, ähnlich einem
Tunnel, in dessen Zentrum ich mich befinde. Ich fühle weder Schmerz noch Angst,
es ist alles phantastisch schön. Die Gebäude um mich herum verschwinden,
während ich langsam in dem Lichttunnel aufwärts treibe. Der Raum außerhalb
erscheint tief schwarz, irgendwie von Licht durchflutet. Ohne Übergang wird
mein Treiben unterbrochen, etwas hindert mich daran, das Lichtzentrum zu
erreichen. Ich bin völlig ruhig, und das unbeschreibliche Gefühl der Erwartung
ergreift mich.
Mein Blick schweift nach unten. Unter mir
befindet sich eine riesig große, grüne, sanft leuchtende Fläche, deren Enden sich
langsam im schwarzen Raum verlieren. Mitten auf dieser Fläche steht das
gesamte Krankenhaus. Seine Gebäude sind uralt und ähneln einer Festung. Ich
kann alles klar und deutlich überblicken. Ich sehe die Häuser, die Dächer und
Wege. Das gesamte Krankenhaus scheint, ebenso wie die grüne Fläche, sanft zu
leuchten. Ich sehe die Notaufnahme, in der mein Körper liegt. Sie leuchtet
etwas stärker als die übrigen Gebäude, und ich spüre eine eigenartige
Verbindung zwischen mir und diesem Haus. Rechts davon das Bettenhaus,
dazwischen ein Weg. Über dem Krankenhaus steht eine große, schwarze Wolke, aus
der es ohne Unterbrechung auf die Gebäude herab regnet. Trotz ihrer gewaltigen
Größe wirft sie keine Schatten, alles wird von diesem phantastischen Licht
ausgeleuchtet.
Ich befinde mich etwa 200 Meter über den Gebäuden, treibe in diesem Lichttunnel und kann das gesamte Schauspiel überblicken: Es ist gewaltig. Fünf oder sechs Wesen treiben aus dem Licht auf mich zu, sie beginnen sich um mich zu versammeln und stellen sich in einem Halbkreis um mich herum. Alle haben den gleichen Abstand zueinander. Es herrscht absolute Stille, das Gefühl der Erwartung wird immer stärker. Die Wesen sind von länglicher Gestalt, scheinen aber ansonsten aus Licht oder einer anderen Form von Energie zu bestehen. Ich bin in einem Zustand des absoluten Seins, ohne eine Erinnerung, wer ich überhaupt bin, und obwohl ich das alles außerordentlich klar wahrnehme, habe ich keinerlei Bedürfnis, eine Frage nach "wieso, weshalb oder warum" zu stellen. Es ist alles, wie es ist, und es ist unbeschreiblich schön (6,11-13).
Gerade
diese in die Oneiroide eingestreuten NDE-Elemente
führen dann auch zur Beschäftigung mit dem Thema Leben und Tod (2,109). Auch
die von den NDE-Elementen ausgelösten Affekte sind dieselben, wie wir sie von
den Nah-Todeserfahrungen kennen:
Insgesamt
haben die NDE-Elemente innerhalb des Oneiroids eine
herausragende Bedeutung. Brunswig hat aufgrund dieser
Bedeutung und Häufigkeit der NDE-Elemente in seinem dreiwöchigen Koma-Erleben
das erste seiner zwei Bücher über sein hochkomplexes Oneiroid
dann auch „Das Licht – Erinnerung an den Tod“ genannt (6).
Insgesamt besteht also ein kontinuierlicher Übergang zwischen Oneiroiden und NDEs, der dafür spricht, dass es sich bei
beiden um ein Erleben innerhalb desselben Spektrums handelt. Oneiroide stellen somit eine Vorstufe des NDEs dar, von
denen sie sich in ihren betont individuellen
Elementen und geringerer Todesnähe deutlich unterscheiden. NDEs können somit
als archetypische Oneiroide verstanden werden (25).
Tatsächlich differenzieren Menschen, die sowohl ein (intrakomatöses) Oneiroid als auch ein NDE hatten, zwischen diesen beiden Erfahrungen. Dabei ist es besonders die scheinbar reale – weil mit außersinnlichen Wahrnehmungen einhergehende - Existenz des Ichs außerhalb des Körpers, die das NDE vom Oneiroid unterscheidet. Insofern scheinen NDEs aber auch mehr als nur ein Oneiroid zu sein; sie stellen den Einbruch der/ in die Transzendenz dar.
Auch viele
negative (Anteile von der) sog. Nah-Toderfahrungen (near-death
experiences, NDE) sind individuelle, komplexe
situationsverarbeitende Traumszenarien. Sie sind idiosynkratisch,
also inhaltlich völlig variabel bzw.
individuell unterschiedlich (Rawlings 1978) und lassen deutliche Bezüge zum
momentanen inneren und äußeren Erleben des NDErs
erkennen. Es handelt sich damit um Oneiroide, also
individuelle Traumszenarien, die die dominierenden Affekte und damit die Ängste
und Hoffnungen des Erlebenden in Traumbildern ausgestalten.
Im Gegensatz zu den Nah-Toderfahrungen bestehen diese NDE-Anteile also nicht aus transkulturell gleichen positiven Grundelementen wie Glücksgefühlen, außerkörperlicher Erfahrung, Tunnel, Jenseitslandschaften mit einem herrlichen Licht, Lebensfilm (mit Lebensbeurteilung) und Kontakt mit Verstorbenen (in individuell und kulturell unterschiedlicher Ausgestaltung) (23; 27; 28; 30; 42; 43).
Tarsächlich hat der Psychiater Michael Schmidt-Degenhard schon 1992 eine Monographie über oneiroidales Erleben geschrieben, in der er die Oneiroide als äußerst individuelle komplexe Traumszenarien von den zuallermeist positiven und transkulturell aus den gleichen Grundelementen bestehenden Nah-Todeserfahrungen abgrenzt, die für ihn eine archetypische Sonderform der Oneiroide darstellen (25). Während also in Deutschland frühzeitig eine klare Definition der Oneiroide und deren Abgrenzung von den NDEs als archetypische Sonderform der Oneiroide erfolgte, deuten besonders die Amerikaner Oneiroide vorschnell und fälschlicherweise als reale Höllenvisionen. So definiert die amerikanische Internistin Rommer z.B. die infolge eines Suizidversuches mit Gas auftretende singuläre idiosynkratische Vision eines Gorillas ohne jede Begründung als Höllenerfahrung (21,80-81).
In einem weiteren von Rommer geschilderten Fall erlebte ein Drogenabhängiger i.R.
einer Drogenintoxikation ein völlig individuelles Traumszenarium aus einer
kerzenbestandenen Wendeltreppe voller Menschen, einem tätowierten Mann und
einem große Hund sowie Trollen in den Bäumen, wobei Dinge erschienen und wieder
verschwanden. Auch dieses Oneiroid wird ohne adäquate
Begründung als Höllenerfahrung bzw. negative Nah-Todeserfahrung bezeichnet,
obwohl sie kein einziges klassisches NDE-Element enthält. Erst Jahre später
erlebte er einmal – ohne dass die Umstände dargelegt werden - einen Lebensfilm
als ein NDE-Element und änderte erst dann sein Leben (21,81-85).
Auch das dritte von Rommer als höllisch klassifizierte NDE eines verunfallten
Polizisten war wahrscheinlich nichts anderes als ein Oneiroid
(zum Thema Tod):
Urplötzlich
dachte ich, ich träume! Es war so, wie man als Kind im Schwimmbecken seine
Kreise dreht und Luftschläge mit den Füßen macht. Es war herrlich! Aber ich
erwachte im Rettungswagen der Feuerwehr, und dann wurde ich wieder bewusstlos
und hier kommt mein Bericht über das, was dann geschah.
Stellen Sie sich eine Westernstadt vor, die in eine römische Stadt verwandelt wurde. Alles war grau und schwarz. Vor mir stand eine Gestalt in einem schwarzen Kapuzengewand mit langen Ärmeln. Er war ungefähr 1,75 groß. Ich beugte mich nach vorne, um sein Gesicht zu sehen, aber es gelang mir nicht. Hinter ihm war ein Brunnen, der aber nicht sprudelte, und links von mir war ein Portal mit römischen Säulen. Rechts von mir war ein Körper, der ganz fürchterlich zitterte. Die Figur mit der Kapuze zeigte nach unten. Da waren schreiende Leute. Mir war ganz kalt. Gegenüber dem kleinen Portal war eine andere Gestalt, sie war in eine Art Segeltuchstreifen gewickelt wie eine Mumie, zitterte und lehnte an der Wand. Das Schreien war schrecklich und ich konnte nicht ausmachen, ob es von diesem Wesen kam oder von überall her. Dann wurde ich von Panik ergriffen und versuchte über die Figur zu steigen, auf die der Kapuzenmann zeigte, und BUMM, wachte ich in der Intensivstation auf.
Als
ich dort also zu mir kam, stand meine Freundin vor mir. Ich schrieb auf einem
Block auf, was geschehen war, und fragte sie, ob sie mich heiraten wolle. Das
sollte kein Witz sein, aber mein Erlebnis hatte mich zu Tode erschreckt. Ich
will damit nicht sagen, dass ich 'an die Hölle glaube. Was ich aber sagen will
ist, dass mein Erlebnis wirklich stattgefunden hat. Ich sprach mit einem Priester
darüber und der sagte sehr ernst, dass ich mich an einem Ort befunden hätte, an
den nicht viele Menschen gelangen (21,85-86).
Auch das vierte von Rommer als höllisch eingestufte NDE ist nichts anderes als
ein individueller Todestraum von in Totenhemden mit Kapuzen gekleideten
schlitzäugigen Menschen mit einem Anführer, die Kerzen trugen und ihn angeblich
töten wollten. Der Erzählung nach hatte der Betreffende dies möglicherweise
während seiner Operation erlebt, so dass auch von einer traumhaften Verarbeitung
intraoperativer Wahrnehmungen ausgegangen werden könnte (21,90-91).
Die subjektive Genese der
individuellen Traumbilder eines negativen Oneiroids
wird manchem Erlebenden manchmal selbst klar:
Als
ich drei Jahre alt war machte ich eine, wie man sagen könnte, höllische
Erfahrung. Ich war an Lungenentzündung gestorben. Der Arzt hatte mir ein
starkes Sulfonamid verabreicht und als Folge davon hörte ich auf zu atmen ....
Ich erinnere mich, es war wie ein Tagtraum. Ich sah, was ich für die Hölle
hielt. Es war wie eine sehr tiefe, dunkle Grube oder Höhle, wie tief unter der
Erde. Dort brannten Feuer und lange, aus der Erde gehauene Treppen führten
hinunter. Leute kamen die Treppe herunter, ich weiß nicht woher. Sie schienen
traurig und unglücklich zu sein und jammerten vor Schmerzen und Angst. Ich
weiß, dass ich dabei Vorstellungen aufgegriffen hatte, die ich zuvor im
Religionsunterricht gehört hatte und deshalb glaubte ich, es sei die Hölle. Ich
erinnere mich, dass ich mich nach dem Schwarzen Mann oder dem Teufel umsah, dem
Kerl mit Schwanz und Mistgabel, aber ich habe nichts dergleichen gesehen. Ich
habe überhaupt niemand Böses gesehen, aber in der Vorstellung eines Kindes war
es ein deutliches Gefühl des Bösen und des Leids und einfach ein grauenvoller
Ort. Ich war damals noch zu jung, um Gut von Böse unterscheiden zu können. Ich
bin dankbar, in diesen Gruppenmeetings zu hören,
dass ich nicht die einzige bin, die in jungen Jahren so eine Erfahrung gemacht
hat! (21,108)
Die biographische Genese
von als negative Nah-Todeserfahrung verkannten Oneiroiden
ist in einigen Fällen ganz offensichtlich:.
„Tim
... war Versicherungskaufmann bis er mit Mitte Vierzig aufgrund einer
Leberzirrhose als Folge einer infektiösen Hepatitis, die er sich schon in
seiner Schulzeit zugezogen hatte, arbeitsunfähig wurde. Zum Zeitpunkt seiner
Lebertransplantation machte er eine Nah-Todeserfahrung ... er sah Menschen ‚in
einem Strudel’.
Er berichtete: ‚Zuerst stand ich auf einem dunklen, schwarzen, knirschendem Felsboden, so wie man sich das Gelände auf dem Mond vorstellt, oder wie schwarze Schlacke, wie ein Vulkan. Als ich ging, knirschte es. Ich konnte Millionen von Menschen sehen, wie in einem Strudel, aber ich konnte sie nicht identifizieren. Sie waren verhüllt und dunkel, aber ich wusste, meine verstorbene Mutter war unter ihnen. Ich wusste, dass sie sich darüber freute, dass mein Leben sich jetzt irgendwie zum Besseren gewendet hatte.
Es war neblig. Ich sah einige Engel vorbeischweben und hörte unglaublich schöne Musik, perfekte Musik. Es war Engelmusik. Ich fühlte, dass ich sank, aber ich hatte nicht die Kraft zurückzugehen. Zuerst erlebte ich Horror! Es war als wäre man in einem Aquarium und die Fische jagen einen, um einen zu fressen oder um zu beißen. Nirgends kann man hin. Weder nach oben noch nach unten, noch kann man sich irgendwo verstecken. Der Schmerz ist immens und man verwendet jeden Funken Energie, den man hat, um diesen fürchterlichen Wesen zu entkommen. Es ist wie ein Schwebezustand. Da macht man dann den Prozess des Aufgebenwollens durch, aber ich kämpfte und kämpfte und kämpfte. Plötzlich war Calvin da! (Calvin ist sein engster; lebender Freund.) Er stammt von Indianern ab. Er glaubt sowohl an das Christentum als auch an den Großen Geist. Dann schienen rechts von mir drei Männer mit weißen Haaren und weißen Gewändern zu stehen, sie sahen beinahe biblisch aus. Es waren Richter. Es schien so als würde über mich Gericht gehalten. Ich stand einfach nur da. Mein indianischer Freund, der auf einer Art Gebirgsrücken zu stehen schien, kam herbei und schrie den Richtern extrem laut zu: Ihr könnt ihn nicht haben. Ich nehme ihn mit zurück. Dann war alles vorbei. Es war so real, dass ich es nicht aus meinem Kopf kriegen konnte! Als ich Calvin anrief, um ihm zu erzählen, was geschehen war, sagte er mir, dass er exakt zur gleichen Zeit einen identischen Traum hatte.
Ich habe viel daraus gelernt. Was im Leben am meisten zählt, sind ironischerweise nicht die materiellen Dinge, sondern Treue, Loyalität, miteinander teilen und Anteilnahme, Eigenschaften, die die meisten zwar für sich in Anspruch nehmen, was aber eigentlich oft so nicht stimmt. Ihr Leben zieht vorbei wie im Fluge und sie führen ein leeres Leben. Meine Mutter hat jahrelang so gelebt, nachdem sie sich von meinem Vater hatte scheiden lassen. Das war eine traurige Sache und eine echte Vergeudung.’
Tim hatte nie das Gefühl, dass seine Mutter mit seinem Lebensstil einverstanden war. In seiner NT Erfahrung bekam er von ihr die Anerkennung, nach der er sich gesehnt hatte. Er hatte den Eindruck, dass er damit genau das bekam, was er brauchte: das Verständnis seiner Mutter und einen Treuebeweis seines Freundes. Er liebt Musik, deshalb war auch das Musikerleben ein wichtiger Aspekt für ihn. Interessanterweise liebt er Katzen und hasst Fische - vielleicht war das der Grund für die bildhafte Erscheinung eines Aquariums (21,106-107).
Auch der Schlagersänger Curd Jürgens berichtet ein als höllisches NDE fehlinterpretierbares Oneiroid (zum Thema Tod), das sich während eines Herzstillstandes bei einer Aorten-Operation ereignete:
„’Kurz darauf hatte ich das Gefühl, daß mein Leben von mir wich. Starke Angstgefühle erfüllten mich. Ich hatte die ganze Zeit zu der großen Glaskuppel über dem Operationssaal hinaufgeblickt. Diese begann sich nun zu verändern und wurde plötzlich glühend rot. Ich sah verzerrte Gesichter wie Fratzen auf mich hinunterstarren.
Ich versuchte mich aufzurichten und gegen diese Geister, die mir immer näher kamen, zu verteidigen. Dann kam es mir so vor, als ob die Glaskuppel sich in eine durchsichtige Haube verwandelt hätte, die sich nun langsam auf mich hinabsenkte. Ein feuriger Regen hatte zu fallen begonnen, doch obwohl die Tropfen riesengroß waren, trafen sie mich nicht. Sie prasselten auf allen Seiten nieder, und aus ihnen wuchsen drohende Feuerflammen hervor, die gierig in meine Richtung züngelten.
Ich konnte mich nicht länger der Tatsache verschließen, daß hinter den Gesichtern, die diese feurige Welt beherrschten, Gesichter der Verdammten standen. Ein Gefühl absoluter Verzweiflung ergriff mich ... das Entsetzen war so groß, daß mir schier die Luft wegblieb.
Augenscheinlich befand ich mich in der Hölle, und die glühenden Feuerzungen konnten mich jeden Augenblick erreichen. In dieser Situation wurde plötzlich die schwarze Silhouette einer menschlichen Gestalt sichtbar, die auf mich zukam. Es war eine schwarz verschleierte, hagere Frau mit einem lippenlosen Mund und einem Ausdruck in den Augen, die mir eiskalte Schauder über den Rücken jagte.
Sie streckte ihre Arme nach mir aus, und ich folgte ihr, wie von einer unwiderstehlichen Macht gezogen. Ein eisiger Lufthauch traf mich, und ich fand mich in einer Welt wieder, die erfüllt war mit schwachen Klagelauten, obwohl kein Mensch zu sehen war. Endlich fand ich Mut, die schwarze Gestalt zu fragen, wer sie sei. Eine Stimme antwortete: Ich bin der Tod. Ich nahm alle meine Kraft zusammen und dachte: Ich werde ihr nicht weiter folgen - ich will leben!’" (18,94-95).
Offensichtlich findet auch hier
eine traumhafte Verwandlung des Operationssaales statt, die von der
(Lebens-)Bedrohlichkeit der realen Situation geprägt ist, dabei aber auch schon
die klassischen Elemente der negativen NDEs andeutet. Ein typisch oneiroidales Element ist dabei die Personifikation des
drohenden Todes, die sich in verschiedener Form immer wieder in Oneiroiden findet (18,94-96; 21,85-86).
Auch die Psychologin M. Grey
schildert ein (als NDE verkanntes) Oneiroid in ihrem
Buch über Nah-Todeserfahrungen: Eine Krankenschwester stand am Abend eines
heißen Tages in der Küche; von der zusätzlichen Koch-Hitze wurde ihr übel und
sie kollabierte. Dann fühlte sie sich plötzlich in der Hölle: Aus einer großen
Grube, aus der heißer Dampf stieg, griffen Arme und Hände nach ihr, um sie dort
hineinzuziehen. Ein enorm großer Löwe bedrohte sie dann. Danach glaubte die
Krankenschwester an die Existenz von Gut und Böse und änderte ihr Leben
(11,63). Tatsächlich werden hier nicht Höllenstrafen für schlechte Taten beschrieben
- wenngleich nichts über die Biographie der Krankenschwester bekannt ist, die
jedoch als den Kranken Helfende eher religiös-positiv tätig war - , sondern
eine oneiroidale Verarbeitung der Umstände ihres
Kollapses erlebt.
Vermeintliche negative NDEs bzw. und negative NDE-Anteile werden also oft in ihrem oneiroidalen Charakter nicht erkannt, sondern gleich - buchstäblich - als Hölle interpretiert. Dementsprechend stellen negativ-positive (und die selteneren positiv-negativen) NDEs oft nur einen Wechsel bzw. Übergang zwischen positivem NDE und einem Oneiroid dar
.
Margot Grey beschrieb 1989 nun noch einen weiteren negativen NDE-Typ in seiner allgemeinen Form wie folgt:
Eine negative Erfahrung ist normalerweise durch ein Gefühl extremer Angst oder Panik charakterisiert. Andere Elemente können emotionale und mentale Qual beinhalten, die sich in einen Zustand äußerster Verzweiflung steigern. Leute beschreiben, verloren und hilflos zu sein; oft kommt es in dieser Phase zu einem intensiven Gefühl der Einsamkeit in Verbindung mit einer Empfindung größter Trostlosigkeit. Die Umgebung wird als dunkel oder düster beschrieben,oder aber sie ist kahl und feindlich. Die Leute berichten manchmal, dass sie sich am Rand einer Grube oder an der Grenze zu einem Abgrund befinden; sie stellen fest, dass sie alle ihre inneren Kräfte aktivieren müssen, um sich vor dem Absturz über den Rand zu bewahren ...(11,58, m.Ü.).
1992 definierten auch Geyson und
Bush den NDE-Typ der sinnlosen, einsamen Leere als eine Sonderform des
negativen NDEs (12; 19,16-21). Oft treten dabei Muster eines „ewiges
Nichts", die Empfindung, verspottet zu werden, und die Erkenntnis, dass
das ganze Leben eine Illusion sei, auf. Solche Erfahrungen des absoluten
Nichts, das Gefühl, für immer und für alle Zeiten in einem unendlichen Vakuum
gefangen zu sein, werden als sehr bedrohlich erlebt (5,100). Die Betreffenden
reagieren während dieser Erlebnisse mit Abwehr; sie argumentieren mit logischen
Argumenten dagegen, was von den positiven und den negativ erlebten positiven
NDEs nicht bekannt ist. Diese Erlebnisse der Leere lassen den Erlebenden auch
für gewöhnlich mit seinen durchdringenden Eindrücken und einer fatalistischen
Verzweiflung nach dem Ereignis alleine (12).
Die im folgenden als Beispiele für diesen Typ zitierten
Fälle waren unter Drogen (Pitozifen, Äther und
Lachgas) entstanden (12). Greyson und Bush berichten
von einer Geschäftsführerin, die als Protestantin aufwuchs und angab, bis zum
Zeitpunkt ihrer eigenen NDE nie etwas von solchen gehört zu haben, beschrieb
diesen von ihr während einer Entbindung im Alter von 24 Jahren erfahrenen
Typus. Sie lag mit ihrem zweiten Kind seit drei Tagen in den Wehen und war
äußerst erschöpft und hatte heftige Schmerzen. Ihr Erfahrungsbericht beinhaltet
eine anhaltende Empfindung der Verzweiflung nach ihrer Rückkehr zum Normalbewußtsein:
Ich kann mich
erinnern, starke Schmerzen gehabt zu haben, und wie ich dachte, weiter könne
der Schmerz nicht gehen; dann verlor ich das Bewußtsein.
Ich fand mich dann in einem schmalen Fluß auf eine
schöne, gewölbte Brücke zuschwimmend. Die Brücke war
aus großen Steinen gebaut. Ich konnte den Schatten der Brücke immer näher auf
mich zukommen sehen; ich freute mich darauf, in den Schatten zu kommen, denn
ich wußte, daß ich dann tot
wäre, und ich wollte sterben. Ich war mit meinem ganzen Körper unter Wasser,
nur mein Kopf schaukelte auf der Wasseroberfläche. Ich war voller Frieden, aber
ich wollte in den Schatten.
Nachdem ich den
Schatten erreicht hatte, war ich in den Himmeln, doch ich hatte nicht länger
ein friedvolles Gefühl; es war zur reinen Hölle geworden. Ich war zu einem
Licht draußen in den Himmeln geworden und ich schrie, doch kein Geräusch war zu
hören. Es war schlimmer als ein Alptraum. Ich drehte mich im Kreis und schrie.
Ich erkannte, daß dies die Ewigkeit war, für die
ganze Menschheit. Ich war zur ganzen Menschheit geworden, und so würde es auf
ewig bleiben. Man kann die Emotionen, die ich hatte, nicht in Worte kleiden.
Ich fühlte die Stille, da war nur das Schreien in meinem eigenen Körper, der
nicht mehr länger ein Körper, sondern ein kleiner Lichtball war. Ich fühlte die
Einsamkeit, da war nur die Erkenntnis, daß ich die
gesamte Menschheit war. Ich fühlte die Leere des Raumes, die Weite des
Universums, mich, einen bloßen, kleinen, schreienden Lichtball.
Für mich war das
alles sehr realistisch und eine Erfahrung, die ich für den Rest meines Lebens niemals
vergessen werde. Dieses Gedicht schrieb ich ein paar Wochen später: Ich war in
der Hölle/ Es ist nicht, wie ihr sagt;/ Weder Feuer noch Schwefel gibt es dort,
/Menschen, die nach dem nächsten Tag schreien. /Es gibt dort nur Finsternis –
überall (12, Übs. Sommer/Schröter-Kunhardt)
Rommer
berichtet, dass 28% ihrer negativen NDEs diesen Typ der Leere und der
Dunkelheit darstellen, der in 54,5% durch (absichtliches oder unabsichtliches)
selbstzerstörerisches ([latent] suizidales) Verhalten ausgelöst wurde (21,65).
In 30% d.F. trat dabei ein Lebensfilm, in anderen
Fällen ein OBE als typisches NDE-Element auf – und einige dieser Erfahrungen
gingen dann in typische Höllenerfahrungen über (21,65-74):
Jay hatte seine Nah-Todeserfahrung im Alter von sechsunddreißig Jahren. Er war in einem jüdischen Elternhaus aufgewachsen und nach Las Vegas gezogen, um bei einer Zeitung zu arbeiten. Er liebte die vielen hellen Lichter dort, den schnellen, geschäftigen Lebensstil, die ständige sensorische Stimulation und liebte es auch, immer unter Leuten zu sein. Er gibt zu, dass Glücksspiel und Drogen zu seinem Leben gehörten. So befand er sich auch auf einer „Drogenparty", als er seine NTE hatte. Er berichtet es so: Jay: ‚Ich glaube, jemand gab mir PCP (Abkürzung von Phenyl-CyclidinPiperidin, einem illegalen Rauschmittel, auch als Engelsstaub bekannt A.d.Ü.) und ich kann nicht sagen, was sonst noch alles darin untergemischt war. Jedenfalls starb ich daran. Ich verließ meinen Körper und kam in eine Dunkelheit - und es war wie die Ewigkeit. Da war eine Leere, voll von unglaublichem Leid und Schmerz. Es schien für immer zu sein. Ich weiß, was Hölle bedeutet, denn das war die Hölle. Ich war in der Hölle! Es war das Fehlen von allem: Die Abwesenheit von Liebe und anderen Gefühlen, einfach eine vollkommene Leere. Ich werde dieses Leid nie vergessen. Dabei war es überhaupt kein körperlicher Schmerz. Das war so beängstigend. Es war ein emotionaler, psychischer und spiritueller Schmerz. Mein Geist war zu diesem Ort herab gesunken. Ich war überzeugt, nie mehr zurückkehren zu können. Zwischendurch sah ich irgendwie mein Leben noch einmal an mir vorüberziehen. Es war sehr kurz. Ich habe die ganze Sache als eine Gerichtsverhandlung empfunden. Ich sah es als Warnung. Ich rief Gott um Hilfe an und durch die Macht und die Gnade Gottes wurde mir erlaubt zurückzukehren. Es war schrecklich intensiv! (21,66).
Dieser NDE-Typ ist in seinem dominanten Erleben des völligen Verlassenseins am ehesten als oneiroidaler Ausdruck des dominierenden negativen (oft suizidalen) Affektes und damit eines bestimmten Bewusstseinszustandes zu verstehen. Aufgrund der bei diesem NDE-Typ dominierenden negativ-autodestruktiven Motive ist aber auch ein Übergang in typische Höllenerfahrungen möglich.
Was sind nun die Gemeinsamkeiten von Nah-Todeserfahrungen und Oneiroiden?
Formal
hat das Oneiroid – wie das NDE - den Charakter des
Unsagbaren (25,95-96.100-102). Dennoch kann
von diesen Erlebnissen berichtet werden, was wie beim NDE von starken Affekten
begleitet ist und - besonders wenn der Erlebende erfährt, daß
auch andere diese Erfahrung machen - entlastend wirkt (25,130.163-164.202). Jedoch sprechen die Erlebenden ebenso wie die NDEr nur zögerlich oder gar nicht mit ihren Angehörigen
über ihr Erleben (25,128-129.153.162.183).
Auch die Hypermnesie,
der Realitätscharakter, das Ich-Erleben, die Überwachheit, die Aufhebung der
Zeitdimension, die intensiven Farben, die besondere Helligkeit und die
Überdeutlichkeit der anderen Welt des Oneiroids entsprechen den Nah-Todeserfahrungen. Eine weitere formale Gemeinsamkeit von NDE und Oneiroid (wie von anderen Träumen) ist das Phänomen, dass
die Berührung oder die Stimme Lebender in das innere Erleben eindringen und den
Erlebenden in die Wirklichkeit zurückholen kann.
Inhaltlich
sind Oneiroide und
Jenseitsvisionen ... Produkte einer imaginativen Kraft, die alle Versuche bestimmt, sich ein Bild vom Tod zu machen; unsere Neigung, Vorstellungen konkret körperlich und dramatisch zu veranschaulichen; unsere Fähigkeit, das Innere unserer Wahrnehmung in äußere Landschaften umzuformen; unser Bedürfnis, die kulturelle Landkarte des physikalischen Universums ins Innere zu übertragen; und unser Verlangen, das Universum als einen moralischen und spirituellen Kosmos zu erfahren, in den wir gehören und in dem wir ein Ziel verfolgen (36,317).
Oneiroide wie
Nah-Todeserfahrungen sind also auf jeden Fall
„niemals nur das Korrelat einer sinnblinden Zerebralirritation, sie sind vielmehr ... als ein sinnhaftes und damit verstehbares Ausdrucksphänomen aufzufassen“ (25,202),
das
„das Signum einer an tiefliegende Sinnhorizonte des Erlebens stoßenden intrapsychischen Auseinandersetzung mit einer existentiellen Grenzsituation trägt“ (25,202).
Dementsprechend
sind Patienten mit oneiroidalem Erleben in der Regel
- wie die NDEr - vor ihrem Oneiroid
auch nicht häufiger psychisch krank gewesen als die Durchschnittsbevölkerung (38;
39; 40).
Oneiroide als immanente
und Nah-Todeserfahrungen als transzendente Erfahrungen
Trotz
dieser Übergänge und Gemeinsamkeiten bleiben deutliche Unterschiede zwischen Oneiroiden und Nah-Todeserfahrungen bestehen: Die
jeweiligen Themen und Bilder sind im Oneiroid inter-
und intraindividuell unterschiedlich und zumeist
weltimmanent, d.h. nicht religiös-transzendent, während sich NDEs gerade durch
transkulturell gleiche Elemente und ein
deutliches Überwiegen religiös-mystischer Bilder und Gefühle auszeichnen (15;
16; 27; 28). Auch wird die eigene Biographie im Oneiroid
zumeist fiktiv-phantastisch umgestaltet bzw. fortgesetzt, während es im NDE zu
einer anscheinend fotographisch genauen Wiedergabe der eigenen Vergangenheit
und selten auch zu sich später erfüllenden Präkognitionen des späteren Lebens
kommt. Außerkörperliche Erfahrungen werden im Oneiroid
eher geträumt, während sie mit größerer Todesnähe im NDE zunehmend mit
außersinnlichen Wahrnehmungen einhergehen.
Bei zunehmender Todesnähe gehen die Oneirode dann in Träume zum Thema Sterben und Tod und schließlich in Nah-Todeserfahrungen über, was sie zu immanenten Vorstufen der transzendenten Nah-Todeserfahrung macht. Während Oneiroide dem Erlebenden somit helfen, den schweren Krankheitszustand in individuellen Traumbildern kompensierend zu verarbeiten, bereiten Nah-Todeserfahrungen als neurobiologisch angelegtes Programm den Erlebenden auf ein Leben nach dem Tod und damit auf eine Weiterexistenz jenseits von Raum und Zeit vor (27; 28; 30).
Zur Illustration der Unterschiede zwischen Nah-Todeserfahrungen und Oneiroiden sei aus einer Zwischenauswertung von 100 aus meiner knapp 300 Fälle umfassenden Fallsammlung zitiert, bei der allein 19% der NDEs (bei einer Komplikation) unter Vollnarkose und damit in tiefer Bewusstlosigkeit auftraten (30).
Tab.1: Häufigkeit verschiedener NDE‑Elemente
(Mehrfachnennungen), n =100
Gefühl von Ruhe, Friede oder Wohlbefinden 89%
Gefühl von Freude oder Glück 80%
Lichtwahrnehmung 77%
Gesteigerte Lebendigkeit der Wahrnehmung 75%
Eintritt in eine überirdische, jenseitige Welt 63%
Außerkörperliche Erfahrung (OBE) 61%
Beschleunigter Zeitablauf/Zeitlosigkeit 59%
Wahrnehmung der Realität 48%
Beschleunigung der Gedanken 47%
Tunnelphänomen 47%
Einheitserleben 38%
Allverstehen/Allwissenheit 33%
Begegnung mit mystischen Wesen 32%
Ablauf von Ereignissen der eigenen Vergangenheit 30%
Erreichen einer Grenzzone 29%
Begegnung mit Verstorbenen/religiösen Figuren 27%
Wahrnehmung von Musik 24%
Präkognition 3%
NDE‑untypische, traumhaft‑oneiroidale Komponenten 27%
Vereinzelt eingestreute oneiroidale, also idiosynkratische individuelle Bilder beinhaltende Traumsequenzen fanden sich bei diesen Erlebnissen also nur in 27% d.F. auf, was den Status der NDEs als Sonderform der Oneiroide bestätigt.
Fallbeispiele
Im Folgenden zitiere ich drei vollständige Nah‑Todeserfahrungen in den Worten der NDEr selbst:
Fall 1 NDE eines polnischen katholischen Mädchens im Alter von 7 Jahren (im Jahr 1984), die in Polen beim Schwimmen beinahe ertrank und kein Vorwissen über NDEs hatte:
Meine Eltern und ich waren in Polen schwimmen. Ich verlor plötzlich den Grund unter den Füßen. Plötzlich stehe ich auf der Wiese und sehe, wie mein Vater zu meinem Körper schwimmt. Ich sah, wie mein Vater meinen Körper herausholt. Ich hatte ein wunderbares Gefühl und werde es nie vergessen. Es war etwas Ruhiges. Als wäre ich neu geboren. Ich hatte keine Probleme mehr. Ich sah, wie mein Vater mich raus zog. Jemand hat zu mir gesagt: Du mußt wieder zurück. Ich sah, wie mein Vater vor meinem Körper kniete und wie meine Mutter weinte. Ich weiß nicht, wie ich in meinen Körper zurückgekommen bin
Fall 2 NDE eines ostdeutschen Mannes LA. von 19 Jahren (im Jahr 1973) bei einer Bauchschußverletzung an der DDR‑Grenze (mit Perforation des Magens, Duodenums, Colons, multiplen Leberrupturen, kotiger Peritonitis etc.):
Als ich getroffen war, habe ich keinerlei Schmerzen verspürt. Ich sah nur noch Bilder (wichtige Stationen meines Lebens) an mir in schneller Folge vorüberziehen, bis zurück zu meiner Kindheit. Dann habe ich die ganze Situation von oben gesehen und bin über das Gelände geschwebt. Ich habe 4 Soldaten gesehen, die sich an mir zu schaffen machten. Sie haben mich getreten und weggetragen. Dann sah ich nur mich und alles andere war weg. Es erschien ein grelles Licht und ich schwebte langsam darauf zu ... während der ganzen Zeit verspürte ich keinerlei Schmerzen, im Gegenteil, ich dachte, das geht dich nichts mehr an
Fall 3 NDE eines evangelischen technischen Angestellten LA. von 44 Jahren (im Jahr 1983) im Rahmen einer Reanimation zehn Tage nach einem Herzinfarkt, der schon für tot gehalten wurde:
... Mein Zustand verschlechterte sich derart, das man mich auf gegeben hatte und ich durch den anwesenden Chefarzt für tot erklärt wurde... Anschließend sollte sie mich in die Leichenhalle fahren ...
Da man mich mit einem Tuch abgedeckt hatte, stellte die Schülerin fest, das sich dieses im Bereich meiner Nase bewege. Hierauf erfolgte eine erneute Reanimation, und während dieser Phase hatte ich das, was man als NDE bezeichnet... Ich befand mich wie auf einer Ebene, die wie eine Bühne aussah und in der hinteren rechten Ecke eröffnete sich ein Tunnel oder eine Röhre aus welcher ein Licht in einer Dimension erstrahlte, wie man es nicht oder schlecht beschreiben kann.
Dabei bewegte ich mich tiefer in diesen Tunnel, wobei ich nicht sagen kann, ob ich gegangen bin oder der Tunnel auf mich zukam. Am Ende des Tunnels kam ich wie auf eine Wiese, wobei ich ein Farbenspiel sah oder erlebte, wie man nicht beschreiben kann. Pastell‑Töne von einer Zartheit das man sich daran nicht hätte sattsehen können.
Wie aus einem Bodennebel erschienen mir drei Personen, von denen ich die beiden vorderen als meine Großeltern erkannte. Meine Großmutter hob beide Arme in Brusthöhe und streckte mir die Handflächen entgegen, wie in einer Abwehrbewegung, komm bitte nicht näher. Von diesem Moment begann sich das Bild von mir weg zu bewegen, ich sah wieder den Tunnel mit dem hellen Licht und dann verschwand alles.
Eine
der interessantesten Nah-Todeserfahrungen aus meiner Fallsammlung soll
besonders die Unterschiede zwischen immanentem Oneiroid
(mit nur geträumter außerkörperlicher Erfahrung) und einer Nah-Todeserfahrung
mit außersinnlichen Wahrnehmungen während der außerkörpelichen
Erfahrung illustrieren. Das Erlebnis trat während eines Herzstillstandes bei
einer Geburtskomplikation mit konsekutiver Bewusstlosigkeit auf:
In mir begann mein Leben wie in Tagebuchaufzeichnungen Revue zu passieren. Von sehr junger Kindheit an sah ich Situationen vor mir, die ich erlebt hatte und ich merkte, daß ich selbst dies beurteilen sollte. Das geschah in einer sehr freien Weise, ohne Strenge oder Angst, ich schaute mir so mein ganzes Leben an und auch Situationen, in denen ich z.B. meinen Eltern großen Kummer gemacht hatte weil ich mich vehement gegen sie und ihre Pläne mit mir gestellt hatte, waren wieder lebendig. Aber ich spürte, daß ich alle Dinge so gut gemacht hatte, wie ich konnte und daß es richtig war, mich nach meinem Gewissen und meinen eigenen Überzeugungen zu entscheiden ... Nach dieser „Bestandsaufnahme" sah ich, daß ich bis hierhin mit meinem Leben einverstanden sein konnte und akzeptierte, daß ich sterben würde.
Unterdessen hatten
die Schmerzen in meinem Körper aufgehört und ich merkte, daß
ich wieder sehen konnte. Ich merkte auch erstaunt, daß
sich die Perspektive verändert hatte. Ich sah auf einmal auf mich herab, wie
ich auf dem OP-Tisch lag und mein Baby hinausgetragen wurde. Ich hörte, wie die
Anästhesie-Schwester erzählte, wie sie einen
Osterzopf gebacken hatte und konnte kaum glauben, was geschah. Ich
konzentrierte mich wieder intensiv auf meinen Körper und dachte, wenn jetzt
nicht etwas geschieht, dann sterbe ich wirklich! Meine Gefühle und Gedanken
beschleunigten sich auf unheimliche Weise, ich dachte und fühlte gleichzeitig
verschiedene Dinge. So überlegte ich fieberhaft, ob ich wohl eine Möglichkeit
hätte, die Geschehnisse unter mir zu beeinflussen, gab dies dann aber auf.
Gleichzeitig erprobte ich meine neue Situation und bewegte mich vorsichtig
umher. Die Schwerelosigkeit erfüllte mich mit Freude, ich nahm mich immer noch
mit meinem Körper wahr, obwohl ich diesen ja gelähmt unten liegen sah. Der Körper,
den ich bei mir hatte funktionierte perfekt, er hatte nichts Schweres mehr und
ich konnte mich nur dadurch im Raum umherbewegen, daß ich einen Punkt, den ich erreichen wollte fokussierte.
Das tat ich aber nicht mit meinen Augen, sondern aus einem Punkt mitten auf
meiner Stirn.
Ich war begeistert, fragte mich dann aber
plötzlich, ob das der Tod sei, so ganz alleine herumfliegen ohne Einfluss
nehmen zu können und bekam wieder große Angst und wurde sehr traurig. Ich
fragte mich, wo mein Baby geblieben war und war plötzlich im Nebenraum, sah, daß es ein Mädchen war und freute mich, denn das hatte ich
mir gewünscht. Gleichzeitig war ich traurig, denn ich dachte, daß ich es niemals würde in die Arme nehmen können. Aber
ich sah, wie liebevoll sein Vater es im Arm hielt und ein warmes ocker-oranges Licht um die beiden und wußte,
daß die Kleine bei ihrem Vater geborgen sein würde.
Aber ich wollte auch wissen, wie es mit meinem Körper weitergegangen war und
war plötzlich wieder im OP. Nichts hatte sich verändert, an meinem Kopfende
wurde gequasselt, am Bauch operiert, ich wollte das nicht genauer sehen. Das
Anästhesie-Team war immer noch mit dem Osterzopf beschäftigt, was mich
belustigte.
Ich dachte an meinen ältesten Sohn B. Er war morgens zu einer befreundeten Nachbarin gegangen, um dort den Tag zu verbringen, bis wir mit dem Baby nach Hause kämen. Ich traf ihn in seinem Zimmer in unserer Wohnung an (die Nachbarin wohnte mit ihr in einem Haus und und ihr Sohn sei kurz darauf wieder in sein Zimmer gegangen, was ihm jederzeit möglich war). Er baute an einem neuen Legobausatz, einem Rennwagen mit richtigem Elektromotor, den er sich von seinen Großeltern gewünscht hatte. Ich hatte nicht gewußt, daß die Großeltern es geschickt hatten und war überrascht. Er hatte den Bauplan vor sich ausgebreitet und sortierte sehr konzentriert die Legoteile. Ich fragte ihn, ob es ihm gut ginge, ob er ohne mich auskäme und gleichzeitig sagte ich ihm, wie sehr ich ihn liebe. Das geschah ohne Worte. Die Fragen waren eher Gefühle und kamen wie ein Lichtstrahl aus mir heraus, etwa auf der Höhe meines Brustbeines. B. schaute erstaunt von seinem Bausatz auf und sah sich im Zimmer um. Und dann kam seine Antwort ganz klar: „ Ja Mama, ich liebe Dich auch, mir geht es gut" Ich war beruhigt und glücklich, diese Art mich zu bewegen und zu kommunizieren begeisterte mich und machte mich euphorisch! ...
Mir fiel mein eigentlicher Körper wieder ein, ich
erschrak und war augenblicklich wieder im OP. Die Situation war unverändert,
jetzt drehte sich das Gespräch allerdings um das Rezept für einen Lammbraten
während die Oberärztin daranging die OP-Wunde zu vernähen. Ich wollte nun
wissen, wie es meinem jüngeren Sohn N. ging. Er war immer mein Sorgenkind, er
hatte schon als Baby schweres Asthma, Neurodermitis am ganzen Körper und
entwickelte unzählige Allergien.
Während wir auf die Geburt warteten, hielt sich N.
in einem Kinderkurheim auf Sylt auf. Dort hatte er die ersten 4 Wochen
schreckliches Heimweh und schrieb mir täglich herzzerreissende
Briefe. Ich sorgte mich auch um ihn und richtete meine Gedanken auf ihn und war
im selben Moment im Aufenthaltsraum seiner Gruppe in dem Sylter
Kurheim. Ich sah die Kinder von oben herab um zwei Tische sitzen und malen und
Briefe schreiben, während eine Betreuerin eine Geschichte vorlas. Ich schwebte
dicht hinter N. hinab und sah ihm über die Schulter. Er malte an einem Bild von
einem DLRG-Boot, oben drüber hatte er schon geschrieben „Für Mama". Genau
dieses Bild brachte mir [mein Mann] nach 5 Tagen mit ins Krankenhaus und ich
begann zu verstehen daß alles, was ich erlebt hatte
wirklich real war.
Auch N. schaute sich plötzlich suchend um und ich
nahm Kontakt mit ihm auf und fragte auf die selbe Weise wie seinen Bruder:
"Ich bin bei Dir, M., bist Du ok?" Und er antwortete sehr traurig:
„Nein Mama, ich habe Angst ohne Dich und daß Du mich verläßt. Dann weiß ich nicht, wo ich bleiben soll!" An
diesem Punkt wurde mir endgültig klar, daß ich nicht
gehen konnte, ich hatte etwas wichtiges begonnen, nämlich meine Kinder
aufzuziehen und ich spürte, daß auch ich mit meinem
Leben noch etwas zu bewirken hatte.
Ich kehrte rasch in den OP zurück, um wieder nach
meinem Körper zu sehen, wieder war alles beim alten und so „ging ich noch etwas
spazieren". Ich fand mich plötzlich an einer unserer Lieblingsstellen am
Berliner Schlachtensee und stellte mir vor, wie O.s Vater mit den Kindern
diesen Platz besuchen würde und daß ich dann hier umherschweben würde und nur noch würde zuschauen können,
auch wenn sie alle mich brauchen würden und müßte
heftig weinen. Ich ließ mich auf dem Baumstamm nieder, auf dem wir oft gesessen
hatten aber es kamen andere Leute und setzten sich beinahe auf mich drauf und
ich war sehr verstört.
Als ich über den See in der glitzernden
Frühlingssonne schaute, begann dieser sich zusammen mit den Waldbäumen am Ufer
zu einer Art Spirale zu drehen, außen dunkelgrün und nach innen immer heller
orange und gelb. Ganz in der Spitze dieses Wirbels strahlte ein unglaublich
helles weisses Licht auf. Es war heller als alles,
was ich bisher gesehen hatte, blendete aber nicht. Ich spürte einen warmen Sog,
der mich mit den Füßen zuerst zunächst langsam, dann immer schneller in diesen
Wirbel einsaugte. In meinen Ohren brauste es laut, dann hörte ich wunderschöne
harmonische Töne, die aber nicht von mir bekannten Instrumenten herrührten und
auch keine Melodie hatten. Trotzdem war es die schönste Musik die ich jemals
gehört hatte und ich spürte sie ebenso in meinem ganzen Körper wie das Licht
und die Wärme. Ich ließ mich einen wunderbaren Moment in diesem Sog treiben.
Doch dann fielen mir mein fester Körper und meine Kinder wieder ein und ich
wollte zurück! Ich begann mich zu wehren, meine Hände und Füße abzuspreizen um
mich abzubremsen und rief so laut ich konnte: „Nein, ich will nicht!" Ich
kämpfte heftig gegen die verlockende Musik, die Wärme und den Sog. Und wirklich
war alles wie ausgeknipst verschwunden und ich war wieder im OP über meinem
Körper.
Ich zitterte
und hatte große Angst, daß es zu spät für meinen
Körper würde. Ich sah auf die Situation und dachte: „ Wenn jetzt nichts
geschieht, ist es zu spät, bitte, tut doch etwas!" Zu meiner Erleichterung
sah ich, wie meine Hände anfingen zur Seite zu rutschen, dann meine Arme ins
Rutschen gerieten und rechts und links vom OP-Tisch fielen. In diesem Moment
schaute die Oberärztin auf und rief: „Was ist denn mit der Frau los, die Arme
fallen ja herunter!" Da brach ein richtiger Tumult los, das
Anästhesisten-Team sprang auf wie Hühner, so daß ich
darüber lachen mußte. Der Blutdruck wurde gemessen
und der Assistenzarzt schrie: "Kein Puls mehr!" Ich lachte und
dachte: „ Das merkst Du ja bald, Blödmann!" Jetzt ging alles sehr schnell!
Die Oberärztin nähte fertig und die Aästhesistin
beugte sich mit einer Spritze mit einer sehr langen Nadel über meinen
Oberkörper. Über mir, in einer Ecke des Op-Saales
schien plötzlich das weisse Licht auf und ich hörte
wieder wie von weit entfernt die Musik und sah wie sich wieder ein Wirbel
bildete. Ich dachte: „Macht hin, ich habe jetzt keine Zeit mehr für euren
Quatsch" und war fürchterlich aufgeregt, weil ich wieder in meinen Körper
zurück wollte. In dem Moment, als ich sah, wie die Anästhesistin mir die lange
Spritzennadel direkt ins Herz stach wurde es schlagartig dunkel und still um mich
herum und ich nahm nichts mehr wahr, bis ich plötzlich die Stimme der
Anästhesistin hörte, und fühlte, daß sie meine Hand
nahm ...
Als ich ... am
5.Tag den Brief meines Sohnes mit dem mir schon bekannten Bild erhielt wußte ich, daß etwas sehr
außergewöhnliches und verwirrendes mit mir geschehen war ...Im Sommer des darauffolgenden Jahres verbrachten
wir mit den Kindern unseren Urlaub auf der Insel Römö,
der Nachbarinsel von Sylt. N. hatte sich zum Ende des Kuraufenthaltes doch noch
gut in „seinem" Kinderheim eingelebt und wollt es mir nun gerne zeigen. Er
war so stolz darauf, es geschafft zu haben! Wir fuhren also mit der Fähre nach
Sylt und dann noch mit dem Bus nach Westerland. N.
führte uns stolz zum „Haus Nordmark" und ich
fühlte, daß ich hier schon gewesen war. Ich machte
also ein Ratespiel mit ihm, ich wollte ihm zeigen, wo sein Gruppenraum war und
wo er dort immer gesessen hatte. Ich tippte natürlich nicht beim ersten Mal
richtig, um ihn nicht zu enttäuschen, aber ich erkannte den Raum und auch
seinen Platz genau wieder. N. war ganz aufgeregt darüber und erzählte seinen
Freunden immer wieder die Geschichte von seiner „Zaubermama". Für mich war
jetzt endgültig klar, daß ich mich recht ausgiebig in
einer anderen Dimension unserer Realität bewegt hatte, dabei ständig in engem
Kontakt mit der Realität war und dennoch davon getrennt.
Literaturverzeichnis
1 Ärzte Zeitung 20.3.1997,2
2 Anbeh T, Psychologische Aspekte einer Intensivstation. Studie über beatmete Langzeitpatienten. HeWeTra Verlag, Augsburg 2000
3 Andrews K, Murphy L, Munday R, Littlewood C: Misdiagnosis of the vegetative state: retrospective study in a rehabilitation unit. British Medical Journal 313/1996, 13-16
4 Bauby J-D, Schmetterling und Taucherglocke. Paul Zsolnay Verlag 1997
5 Blackmore S, Dying To Live: Science and the Near-Death Experience. Guernsey: HarperCollinsPublishers 1993
6 Brunswig K, Das Licht: Erinnerungen an den Tod. Dagmar Dreves Verlag, Rosengarten 1992
7 Brunswig K, In Vino Veritas. Dagmar Dreves Verlag, Rosengarten 1995
8 DIE WELT 27.8.1996,7
9 Elfferich IJM, van Lommel W, Meijers VFG, van Wees BRM, Ervaringen van patienten na reanimatie 10 jaar onderzoek in Nederland. Stichting Merkawah I.A.N.D.S. Nederland o.J.
10 Fenwick
P, Fenwick E, The Truth In The Light: An Investigation Of Over 300 Near-Death
Experiences. HEADLINE BOOK PUBLISHING, London 1996
11 Grey M,
Return From Death: An Exploration Of The Near-Death-Experience. Guernsey: Arkana 1985
12 Greyson B, Bush NE, Distressing Near-Death Experiences. Psychiatry 55/1992, 95-110
13 Henke K, Unterschwellige Wahrnehmung. Untersuchungen zur cerebralen Hemisphärendominanz. Hartung-Gorre Verlag, Konstanz 1993
14 Mantese M, Vision des Todes. Verlag Daniel Andres, Biel 1981
15 Moody R, Leben nach dem Tod: Die Erforschung einer unerklärten Erfahrung. Hamburg: Rowohlt Verlag GmbH 1977
16 Moody R, Nachgedanken über das Leben nach dem Tod. Hamburg: Rowohlt Verlag GmbH 1978
17 Neander KD, Meyer G, Friesacher H (Hrsg.), Handbuch der Intensivpflege - Pflegerische Praxis und medizinische Grundlagen. Ein Lehr- und Arbeitsbuch für Mitarbeiter auf Intensivstationen. Ecomed Verlag, 1-4
18 Rawlings M, Zur Hölle und zurück. Verlag C.M.Fliß, Hamburg 1996
19 Kenneth
Ring, Solving the Riddle of Frightening Near-Death Experiences: Some Testable Hypotheses
and a Perspective Based on A Course in
Miracles in: Journal of Near-Death Studies 13 (1), 1994, 5-23
20 Ring K, Cooper S, Near-Death and Out-of-Body Experiences in the Blind: A Study of Apparent Eyeless Vision. Journal of Near-Death Studies 16/2, 1997,101-147
21 Rommer, BR, Der verkleidete Segen: Erschreckende Nah-Todeserfahrungen und ihre Verwandlung. Santiago Verlag, Goch 2004
22 Roth G, Das Gehirn und seine Wirklichkeit: Kognitive Neurobiologie und ihre philosophischen Konsequenzen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1995²
23 Sabom MB, Erinnerung an den Tod: Eine medizinische Untersuchung. Berlin: Goldmann-Verlag 1986²
24 Sattler F, Träume: Kino im Hirn. FOCUS 34/97, 110-118
25 Schmidt-Degenhard M, Die oneiroide
Erlebnisform: Zur Problemgeschichte und Psychopathologie des Erlebens fiktiver
Wirklichkeiten. Heidelberg:
Springer-Verlag, 1992
26 Schnaper N, Panitz HL, Near-Death
Experiences: Perception is Reality. Journal of Near-Death Studies 9/2, 1990,
97-104
27 Schröter-Kunhardt M, Das Jenseits in uns. Psychologie Heute, Juni 1993, 64-69
28 Schröter-Kunhardt M, Erfahrungen Sterbender während des klinischen Todes. TW Neurologie Psychiatrie 9/1995,132-140
29 Schröter-Kunhardt M, Nah-Todeserfahrungen aus psychiatrisch-neurologischer Sicht. In
Soeffner H-G, Knoblauch H (Hrsg.), Todesnähe: Interdisziplinäre Zugänge zu einem außergewöhnlichen Phänomen. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 1999
30 Schröter-Kunhardt,
M, Nah-Todeserfahrung – Grundlage neuer Sinnfindung. In: Hermes A. Kick (Hg): Ethisches Handeln in den Grenzbereichen von Medizin
und Psychologie. Mit Beiträgen von Axel W.Bauer, Uwe Bleyl, Dietrich von Engelhardt, Hermes Andreas Kick, Walter
von Lucadou, Nossrat Peseschkian, Samuel Pfeiffer, Dietrich Ritschl, Heinz
Scheurer, Wolfram Schmitt, Michael Schröter-Kunhardt,
Alfred Simon, Reiner Wiehl. LIT
VERLAG, Münster, 2002
31 Szirtes J, Diekmann V, Kuhwald A, Hülser PJ, Jürgens R: EEG Spectra and Evoked Potentials to Words in Apallic Patients, in: Deecke l., Eccles JC, Mountcastle VB, From Neuron to Action. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1990, 651-653
32 von der Weiden S, Ein Blinder, der Emotionen sehen kann DIE WELT 13.12.04
33 Wagner RF, Weiß H, Faller H, Lauter V, Auswirkungen extremer Deprivation bei Patienten mit akutem Guillain-Barré-Syndrom. Zeitschrift für Medizinische Psychologie 2/1994, 58-63
34 Weiß H, Psychische Veränderungen bei intensivbehandelten Patienten mit akutem Guillain-Barré-Syndrom - tiefenpsychologische Aspekte des Kommunikationsverlustes und seiner Bewältigung. Fortschr.Neurol.Psychiat. 59 (1991), 134-140
35 Weiß H, Guillain-Barré-Syndrom nach Erstmanifestation einer Anorexia nervosa. Nervenarzt (1990) 61, 623-625
36 Zaleski C, Nah-Todeserlebnisse und Jenseitsvisionen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Frankfurt am Main und Leipzig, Insel Verlag 1995
37 Lempert T, Bauer M, Schmidt D, Syncope: A Videometric Analysis of 56 Episodes of Transient Cerebral Hypoxia. Anals of Neurology, Vol
36, No 2, August 1994, 233-237
38 Gabbard GO/Twemlow SW, With The Eyes
Of The Mind: An Empirical Analysis of Out-of-Body States. New York: Praeger Publishers 1984
39 Irwin
HJ, Flight of Mind: A psychological study of the out-of-body experience. New
York: The Scarecrow Press Inc. 1985
40 Ring, K. Life at Death: A Scientific
Investigation of the Near‑Death Experience.
Coward, McCann and Geoghegan 1980.
42 Ring K, Den Tod erfahren - das Leben gewinnen: Erkenntnisse und Erfahrungen von Menschen, die an der Schwelle zum Tod gestanden und überlebt haben. Bern, München, Wien: Scherz-Verlag 1984
43 Soeffner H-G, Knoblauch H (Hrsg.), Todesnähe: Interdisziplinäre Zugänge zu einem außergewöhnlichen Phänomen. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 1999
44 Gründler EC, Koma: Bewußter als die Medizin erlaubt. Psychologie Heute 6/1996,36-41
45 ÄRZTE ZEITUNG 27.2.04
Zurück zur Website von
Familie Zwölfer mit weiteren Texten zu Nahtoderfahrungen
zurück zur
Website „Wellnesswurzel“