Transpersonale Psychologie und Psychotherapie 1/1996, 67-83

Michael Schröter-Kunhardt:

Reinkarnationsglaube und Reinkarnationstherapie: transpersonale Fiktion

 

Zusammenfassung. Reinkarnationserfahrungen erweisen sich als fälschliches Fürwahrhalten suggestiv induzierter Phantasien, in denen der Patient u.a. seine Probleme personifiziert und katathym entlädt, was gelegentlich heilsam wirkt. Schon von den Möglichkeiten des Gedächtnisses her kann es sich bei diesen Erfahrungen jedoch nicht um ,frühere Leben’ handeln. Ungewöhnliche Phänomene wie Steigerung mancher Leistungen, Wirklichkeitscharakter und das Auftauchen scheinbar unbekannten Wissens lassen sich als typische Trance-Phänomene erklären. Verifikationsversuche fehlen oder aber weisen nur selten eindeutig paranormale Leistungen auf, die sich dann animistisch oder auch spiritistisch deuten lassen. Die reinkarnationistische Deutung derselben erweist sich dagegen als falsch.

Schlüsselworte: Reinkarnationserfahrungen, Reinkarnationstherapie, Suggestion, Dissoziation, Personifikation, Kryptomnesie, Spiritismus.

Reincarnation-Therapy and Reincarnation Belief: Transpersonal Fictions

Summary

Reincarnation-experiences show to be a false reality of suggestiv induced fantasies which can include a personification and catathym discharge of problems, what may have healing effects. Already the known memory-functions show that these experiences however can never be a former life. Strange phenomena like growing abilities, reality-character and the emergence of seemingly unknown informations can be shown to be typical trance-phenomena. Verifications are often lacking; rarely they show paranormal phenomena, which then can be animistically or spiritistically interpreted. Against that an interpretation as reincarnation shows to be wrong.

Key words: reincarnation-experience, reincarnation-therapy, suggestion, dissociation, personification, cryptomnesia, spiritism.

 

Reinkarnationserfahrungen als suggestiv induzierte Phantasien

Im Westen wird der Reinkamationsglaube zunehmend zu einer blind übernommenen Ersatzreligion. Dabei beruft man sich auf bestimmte östliche Religionen wie den Hinduismus oder den Buddhismus, die seit ca. 2800 Jahren an Reinkarnation glauben (Sachau, 1995; Albrecht, 1988; Bache, 1993; Mischo, 1992; Stevenson 1989; Wiesendanger 1991).

Eine wichtige Motivation für den Glauben an Reinkarnation ist das universelle Sinn- und Erklärungsbedürfnis des Menschen. Klienten und Therapeuten erwarten, durch das Wiedererleben ,früherer Leben’ das eigene Leben und besonders eigenes Leid zu verstehen bzw. zu erklären. Diese Gläubigkeit an ein Vorleben als Erklärung aller Zusammenhänge stellt neben den i. R. von ,Reinkarnationstherapien’ angewandten hypnotischen Verfahren ein auto- und heterohypnoides set/setting dar, das geradezu zum Auftauchen entsprechender Phantasieprodukte führen muß.

Bei den ,Reinkarnationstherapien’ werden tatsächlich direkte suggestive Anleitungen zur Rückführung in frühere Leben gegeben; es handelt sich bei den westlichen Reinkarnationserfahrungen also nie um spontane, sondern um künstlich herbeigeführte Erlebnisse. Selbst wo eine direkte Lenkung dieser Art fehlt, ist der reinkarnative Ansatz schon eine ausreichende Suggestion. Dies zeigt sich besonders darin, daß scheinbar spontane, also nicht therapeutisch induzierte ,Reinkarnationserfahrungen’ bis auf wenige Ausnahmen nur in solchen Kulturen auftreten, in denen von vornherein an Reinkarnation geglaubt wird!

Daß es in diesen Kulturen auch nur- schon grundsätzlich äußerst leicht suggestible - Kinder im Alter von 2-5 (-10) Jahren sind, die spontane ,Reinkarnationserfahrungen’ machen, zeigt deutlich den Einfluß des suggestiven Umfelds, das mit seinem Glauben an Reinkarnation eben diese Deutung ungewöhnlicher bzw. paranormaler Phänomene nahelegt (Netherton/Shiffrin, 1987; Ebertin 1987; Thienel 1987; Mischo 1992; Wiesendanger 1991 a; 1991 b; Stevenson 1983; 1989; Mills 1989;1990 a; 1990 b; Keil 1991).

Schon die nachweisliche Korrelation zwischen Hypnotisierbarkeit und Imaginationsfähigkeit deutet auf den suggestiv-imaginären Charakter von Reinkarnationserlebnissen hin. Die Suggestibilität von Reinkarnationsanhängern hat sich auch experimentell zeigen lassen:

"In einer experimentellen Studie mit sechzig ,somnambulen’ besonders leicht und tief hypnotisierbaren Versuchspersonen untersuchte R. A. Baker 1982, inwieweit Suggestionen Reinkarnationserlebnisse beeinflussen. Noch vor der ,Rückführung’ teilte Baker die Teilnehmerin drei Gruppen zu je zwanzig ein, die er über das Wesen der Wiedergeburt jeweils anders instruierte: Gruppe A vermittelte er bejahende, überaus günstige Meinungen; Gruppe B erhielt eine möglichst neutrale, ausgewogene Bewertung; Gruppe C unterrichtete er skeptisch bis ablehnend. Daraufhin waren es in Gruppe A 17, in Gruppe B 12 und in Gruppe C nur zwei Probanden, welche in Hypnose zu einem früheren Leben zurückfanden-, wobei diese beiden, wie anschließende Gespräche ergaben, obendrein von Anfang an überzeugt einer Reinkarnationslehre anhingen" (Wiesendanger, 1991, 170-171).

Die Hypnoseforschung hat tatsächlich längst bewiesen, daß Hypnotisierte häufig versuchen, den Anweisungen des Hypnotiseurs durch Konstruktion und Phantasie zu entsprechen:

"Oft genügen Stichworte dafür. Mit einer hypnotisierten Patientin führte William Bryan einen Wortassoziationstest durch, in dem er nichts weiter als ,Massaker’ und ,Klapperschlange’ vorgab .. . Prompt ersann sie ein passendes Schreckerlebnis aus einem vergangenen Dasein: Ihre Familie wird von Indianern niedergemetzelt, kurz darauf stirbt sie am Biß einer Klapperschlange" (Wiesendanger, 1991, 172-173).

Ein amerikanischer ,Reinkarnationstherapeut’ läßt dann auch die schrecklichen Ausgänge der ,früheren Leben’ einfach "umschreiben", um den Schock zu lindern und seine Patienten halten dann das angenehmere Ende für wahr (Wiesendanger 1991 b)!

"Wie sonst wäre es einem Jahrmarktshypnotiseur möglich, seine Opfer als Napoleon, als Kleinkind oder als Kettenhund auftreten zu lassen? Niemand schließt daraus, all diese Menschen seien einmal Napoleon (oder ein Wachhund) gewesen" (Wiesendanger 1991a, 103).

Solche falschen Schlüsse aber ziehen die esoterischen ,Reinkarnationstherapeuten’(Weiss 1994; Dethlefsen 1985). Dethlefsen behauptet z. B., es gebe bei der Reinkarnationstherapie in Hypnose keinen "Hinweis, daß man durch die Art der Fragestellung oder durch eine suggestive Formulierung eine Antwort forcieren könne" (Dethlefsen, 1995, 47-48), was er dann selbst in seiner Praxis vielfach widerlegt. Nur solche Unwissenheit kann auch dazu führen, daß Dethlefsen die Intensität des ,Vorlebens’ in Hypnose als Beweis für seine Echtheit verkauft.

Ähnlich naiv wie Dethlefsen geht auch die Hamburger Psychologin Gisela Schmitz mit den Produktionen des Bewußtseins um:

. . . Eine "blitzartige Erleuchtung" habe sie ergriffen, als sie zum ersten Mal vor dem Pergamon-Altar stand. Der kam ihr so bekannt vor, daß sie keinen Zweifel hatte: "Da bist du schon mal gewesen". Mit Hilfe von Gelehrten und Reinkarnations-Therapeuten fand sie heraus: "Um 170 v. Chr. war ich Tempeldiener unter Eumenes II.". Diese erfreuliche Erkenntnis sollte Früchte tragen. Anfang des Jahres annoncierte die Forscherin in Szene-Blättern und Esoterik-Magazinen: "Ich führe Sie in Ihre früheren Leben" ....

Inzwischen hat Frau Schmitz mehrere hundert Personen durch völkerkundliche Museen gelotst. Achtzig Prozent davon, so sagt sie, wurden angesichts von Skulpturen oder Kostümen, rituellen Gegenständen, Mumien und Masken einer Erleuchtung teilhaftig. Und weil Erleuchtung begehrt ist, wird "Ethnologische Reinkarnationsforschung" mittlerweile in fast allen großen Städten angeboten. Der Besuch eines Völkerkundemuseums kostet dann plötzlich siebzig Mark ("inklusive Eintritt"). Die Gruppenleiter - meist von keinerlei ethnologischer Vorbildung verdorben - verschaffen sich zunächst per "Resonanzmethode" eine erste Orientierung. Ist das Gebiet der Wahlverwandtschaft erst einmal eingekreist - etwa "Sibirien" oder "Indianer" oder "Afrika" -, werden die Suchenden in jene Abteilung geführt und dort in eine "induzierte Trance" versetzt. Wenn sie dann die Augen öffnen und sich umsehen, komme es "immer wieder zu herzergreifenden Szenen, wie das eben geht, wenn man etwas lange Verlorenes wiedererkennt", so die Forscherin... (DIE WELT vom 10. 9. 1994, G 10).

Diese Patienten-gefährdende Unwissenschaftlichkeit auch bekanntester ,Reinkarnationstherapeuten’ wird wenigstens durch den reinkarnationsgläubigen Psychologen Wiesendanger aufgezeigt:

"Menschen in Trance sind nicht nur verführbar, sie fabulieren - so bestechend ,logisch’, detailliert und von heftigen Empfindungen, Eindrücken und Gefühlen begleitet, daß sie (und Augenzeugen) felsenfest an die Realität ihrer Kopfgeburten glauben.

So berichten Hypnotisierte im Verlauf von ,Altersregressionen’ ebenso überzeugt über nachweislich frei erfundene wie über tatsächliche Begebenheiten aus frühen Kindheitstagen; nicht minder bereitwillig erteilen sie Auskunft über Erlebnisse aus dem Jahr 2057 oder auf anderen Planeten, in Himmel und Hölle. Auf Geheiß verwandeln sie sich in Jesus oder Napoleon, Helmut Kohl oder Marilyn Monroe. Denn Hypnose enthemmt die Phantasie: in Trance werden Vorstellungsbilder lebhafter und nehmen die Eindrücklichkeit von gespeicherten Wahrnehmungen an. Motive, Ängste, Erklärungsbedürfnisse, Vorurteile, Erwartungen und Vorwissen schaffen sich passende ,Eindrücke’. Pseudo-Erinnerungen, die daraus entstehen, hält der Hypnotisierte unbeirrbar für echt... Hat nicht jeder von uns in Schulen und Museen, aus Büchern und Filmen genug darüber aufgenommen, wie Menschen einst lebten, um sich eine ferne fiktive Vergangenheit auszumalen?" (Wiesendanger, 1991 b, 172-173).

 

 

 

Tatsächlich sind

.. Ungereimtheiten und offenkundige Widersprüche, überdeutliche Absurditäten und leicht nachweisbare Irrtümer selbst bei ansonsten ,gelungenen’ Rückführungen eher die Regel als die Ausnahme. Da identifizieren sich mehrere Klienten, zutiefst überzeugt, mit ein und derselben historischen Gestalt; da entdeckt ein Zurückgeführter bei verschiedenen Sitzungen mehrere Vorleben, die er in dieselbe Zeit datiert . . .; da bricht aus ihm ein ,früheres Selbst’ heraus, das nachweislich noch lebt; da berichtet er über technische Errungenschaften, die es zu Lebzeiten ,seiner’ früheren Inkarnation noch gar nicht gab, bringt bekannte historische Abläufe durcheinander, nennt fiktive Ortschaften, Länder und Personen, produziert selbstsicher ,unmögliche’ Geschichtsdaten. (So ,entsann’ sich in einer Untersuchung an der Carleton-Universität im kanadischen Ottawa eine Versuchsperson "ihrer‘ Kaiserkrönung im Jahr 50 nach Christus - als Julius Caesar. Doch Caesar war niemals Kaiser; er starb 44 vor Christus.) Unter Dutzenden von voluminösen Praxisberichten, mit denen Reinkarnationstherapeuten seit drei Jahrzehnten auf den Buchmarkt drängen, kenne ich keinen einzigen, der solche Pannen auch nur in Fußnoten zugäbe" (Wiesendanger 1991 b, 168).

Nach einer Untersuchung des Psychiaters E. S. Zolik wiederum weisen die (hypnoid-) produzierten ,früheren Leben’ bzw. Personen folgende Merkmale auf:

1. Historisches Wissen der Versuchsperson über den Ort, an dem sie in ihrem angeblich früheren Leben gewohnt, und über die Periode, in der sich diese sogenannte vergangene Inkarnation abgespielt hatte;

2. ausgewählte Merkmale von Helden aus Romanen oder Filmen, welche die Versuchsperson kannte, oder von Persönlichkeiten, die sie bewunderte;

3. Dramatisierungen von Elementen der Persönlichkeit und des Denkens der Versuchsperson selbst: ihrer Charaktereigenschaften, Ängste, Wünsche, Träume usw.

Zolik folgerte, daß die Reinkarnations-Phantasiefigur keine neue Persönlichkeit ist, sondern nur ein verzerrtes Bild dessen bietet, was die Versuchsperson bewußt und unbewußt weiß und denkt (Ryzl, 1986, 155-156).

In einer ,Reinkarnationstherapie’ einer Schriftstellerin war ihr dabei auftauchendes ,früheres Leben’ dann auch nichts anderes als die Fabel ihres ersten Romans (Woolger, 1992)!

 

Reinkarnationserfahrungen sind - auch in Hypnose - schon von den Leistungen des Gedächtnisses her nicht möglich

Selbst der Psychiater Ian Stevenson, der allein über 2500 kindliche Reinkarnationsfälle untersucht hat, versuchte vergeblich, bei Personen, die spontan über frühere Leben berichteten, durch Hypnose weitere zusätzliche Details zu eruieren:

"Obwohl die augenscheinlichen Erinnerungen, die bei diesen Personen aufgetaucht waren, aus einem früheren Leben gestammt haben könnten, so fehlten ihnen doch hinreichende Details, vor allem Eigennamen, um sie verifizieren zu können. Ich hoffte, daß sie sich unter Hypnose einiger . . . Eigennamen von Menschen und Orten erinnern würden, so daß wir die Existenz der Menschen, deren Leben sie zu erinnern schienen, nachprüfen könnten.

Ich habe dreizehn solcher Experimente durchgeführt oder angeregt; in einigen Fällen war ich selber der Hypnotiseur, in anderen besorgte ich einen anderen Hypnotiseur, der das Experiment durchführte. Nicht ein einziges dieser Experimente war erfolgreich" (Stevenson, 1989, 58.61-62).

Hierin zeigt sich nur die den meisten (selbsternannten) Reinkarnationstherapeuten leider auch nicht bekannte Tatsache, daß die für ‘ Rückführungen’ eingesetzten (hypnotischen) Trance-Zustände durchaus keinen besseren Zugang zu vergessenem Wissen bedeuten - auch wenn es dabei (übrigens nur äußerst selten) zum Auftreten paranormaler Phänomene kommt.

Tatsächlich sind selbst (hypnotisch induzierte) Altersregressionen nachweislich eine Mischung aus Phantasieprodukten, Konstruktionen aus Oberzeugungen und Vorstellungen und Projektionen in die Vergangenheit des jetzigen Lebens! Gelegentlich kommt es dabei zwar auch zu einem richtigen Wiedererleben der eigenen Vergangenheit - aber eben nur gelegentlich. Beim ,Reinkarnationstherapeuten’ dagegen werden alle auftauchenden Vorstellungen zu konkreten Ereignissen aus einem lange zurückliegenden ,früheren Leben’ des Betroffenen, besonders wenn diese Bilder sehr lebendig und von starken Gefühlen begleitet werden.

Eine beliebig steuerbare und dann gar fotografisch genaue Wiedergabe aber leistet unser Gedächtnis nicht einmal in tiefster Hypnose, so daß die gängigen Rückführungen schon aus gedächtnistechnischen Gründen nicht möglich und somit keine ,Erinnerungen an frühere Leben’ sein können! Dementsprechend gibt es auch keine verifizierten hypnotisch evozierten ,Reinkarnationsfälle’. Selbst Dethlefsens Verifikationsversuche waren völlig erfolglos. Um so mehr ist seine Behauptung, daß die Hypnose einfach eine Tür zur Erinnerung öffnet, die dann jederzeit genutzt werden könne, um beliebig Erinnerungen aus ,früheren Leben’ zu finden, purer Unsinn (Loftus/Ketcham 1995; Stevenson 1977; 1989; Wiesendanger 1991 b; Dethlefsen 1985; Mischo 1992; Ryzl 1986; Venn 1986).

 

Reinkarnationserfahrungen als dissoziativ-traumhafte

Personifikationen

Tatsächlich erinnern die - übrigens nur in westlichen Kulturen am Fließband produzierten - ,früheren Leben’ fatal an spiritistisch gedeutete Automatismen und Sitzungen, in denen Trance-Medien nach Belieben und zu jedem, zumeist gut bezahlten Sitzungstermin die Geister Verstorbener zu inkorporieren glauben, in Wirklichkeit jedoch eigene (vergessene) Anteile nur dissoziativ abspalten und personifizieren (Bender, 1984; Ryzl, 1986; Stevenson, 1983; 1989; Mischo, 1992).

Dabei sind es die gerade unter solchen dissoziativen Bedingungen manchmal auftretenden ungewöhnlichen Leistungen der Betroffenen, die den Reinkarnationsanhänger wie den Spiritisten überzeugen, es hier mit einem ‚anderen Leben’ zu tun zu haben. Was jedoch dahinter steht, zeigte der russische Psychiater Wladimir L. Raikow. Er ,reinkarnierte’ in Kunststudenten verschiedene berühmte verstorbene Maler; dadurch konnte er nachweislich die malerische Begabung der Studenten steigern, die dann im Stil des ,reinkarnierten’ Malers malten, sich auch so fühlten und in seiner Zeit zu leben glaubten, z. T. ohne die Gegenwart zu erkennen. Die Betroffenen hatten dann auch jeweils eine Amnesie für ihre Zustände und die gemalten Bilder-ein deutlicher Hinweis auf die Stärke der hypnotisch induzierten Dissoziation.

Jeder Reinkarnationsanhänger würde hier schnell einen Beweis für seinen Glauben wähnen - so wie der Spiritist hier Verstorbene am Werke sähe. Doch Raikow konnte zum einen die verstorbenen Maler nach Belieben ,reinkarnieren’ lassen, was die Reinkarnationshypothese nicht zuläßt, da nicht mehrere Menschen gleichzeitig die Wiedergeburt desselben ,früheren Lebens’ sein können. Daß in den tausenden täglich durchgeführten und gut bezahlten Reinkarnationssitzungen immer wieder verschiedenste Menschen sich für die Reinkarnation derselben (berühmten) Person halten, deckt sich mit dem Befund Raikows und wird übrigens auch in keinem Reinkarnationsbuch erwähnt.

Zum anderen ließ Raikow zuweilen denselben verstorbenen Maler in zwei Studenten gleichzeitig ‚reinkarnieren’, was somit ein weiterer Hinweis auf die künstliche Produktion solcher Phänomene ist. Tatsächlich konnte Raikow bei einem Alkoholiker auch nach Wunsch seine gesamten verstorbenen und lebenden Familienangehörigen ‚reinkarnieren’ lassen. Auch steigerte er die Leistungen eines Mathematikstudenten sprunghaft, nachdem er in ihm ein europäisches Mathematikgenie ,reinkarnieren’ ließ. Für Raiköw war somit klar: Es handelt sich bei diesen Phänomenen um bloße Personifikationen bewußten und unbewußten Wissens (Ostrander/Schroeder, 1981).

Insgesamt demonstrieren die Serienproduktionen ,früherer Leben’ bei den sogenannten Reinkarnationstherapeuten also nichts anderes als die schon im Traum vom multi-mind-System Gehirn ständig geübte Umsetzung bewußter, teil- und unbewußter Erfahrungen, Ideen und Probleme in wunscherfüllende, projiziierende Phantasien, z.T. auch in Form von Traumfiguren und damit einer dissoziativen, fiktiven Personifikation eigener Anteile (Ryzl, 1986; Stevenson 1983; 1989; Hilgard 1986; Wiesendanger, 1991 b; Mischo, 1992; Moody, 1990).

Überhaupt bestehen die ,Reinkarnationserfahrungen’ aus bloßen gedanklichen Vorstellungen bis hin zu lebhaft imaginierten Bildern. Das entspricht dem aus dem Einschlaf- und Aufwachstadium bekannten fließenden Übergang von Gedanken zu Bildern. Im Gegensatz zu den naiven westlichen ‚Reinkarnationstherapeuten’ schließt jedoch kein Wissenschaftler aus dem mehr oder weniger bildhaften Charakter der ,Reinkarnationserfahrungen’, der übrigens nur selten eine wirklich halluzinative Bildstärke annimmt, auf deren Realität. Tatsächlich müßten sämtliche Träume Wahrträume bzw. außersinnliche Wahrnehmungen sein, wenn die üblichen ,Reinkarnationserfahrungen’ frühere Realitäten wären (Spitzer, 1988; Stevenson 1989; Wiesendanger, 1991 a; 1991 b; Hilgard, 1986; Moody, 1990; Venn, 1986).

 

Fehlende Verifikation der Reinkarnationserfahrungen

Auch werden zumeist nur die anscheinend für eine Reinkarnation sprechenden Befunde veröffentlicht, alle gegenteiligen Daten aber - und diese überwiegen systematisch verschwiegen. In den wenigsten therapeutisch induzierten ,Reinkarnationsfällen’ - und auch nur in einem Teil der Spontanfälle - wird überhaupt die Richtigkeit der jeweiligen Aussagen überprüft, geschweige denn nachgewiesen. Das gilt übrigens auch für die von Grof immer wieder zitierten ,Erinnerungen an frühere Inkarnationen’ im Rahmen einer psycholytischen/ psychedelischen LSD-Therapie; Grof hat nicht ein einziges Mal auch nur den Versuch gemacht, die Existenz des jeweiligen ,früheren Lebens’ zu verifizieren (Grof/Halifax, 1980; Wiesendanger, 1991; Netherton/Shiffrin, 1987; Thienel, 1987).

Selbst die seltenen für ,Therapeut’ und Klient nicht anders als über eine Reinkarnation zu erklärenden richtigen Erinnerungen an frühere Zeiten sind oft schlampig recherchiert oder beruhen auf Fehleinschätzungen eben dieser Daten. Bei den spontanen (Kinder-) Fällen erfolgt die Untersuchung fast immer erst Jahre später, oft kannten sich die betroffenen Familien schon vorher bzw. wohnten im gleichen Ort und auch hier konnten viele Fälle und Angaben nicht verifiziert werden. Wenn die Eltern z. B. nicht einmal das Geburtsdatum des betroffenen Kindes oder das vier Kilometer entfernte Nachbardorf kennen, wie kann man dann annehmen, daß ihre für eine Reinkarnation sprechenden Angaben richtig sind (Stevenson, 1983; Venn, 1986; Keil, 1991; I. Stevenson/S.I Pasricha/G. Samararatne, 1988; Stevenson/Pasricha/ McClean-Rice, 1989; Matlock, 1989; Mills, 1989; 1990 a; 1990 b)? .

Tatsächlich lassen sich in der fast immer erst Jahre später erfolgenden Rekonstruktion fragliche paranormale Leistungen nie sicher von entsprechenden Informationen und Suggestionen des reinkarnationsgläubigen Umfeldes abgrenzen. In vielen Fällen wurden dann auch neben einigen richtigen Aussagen der Kinder Irrtümer oder gar bewußte Täuschungen nachgewiesen. Selbst reinkarnationsgläubige Untersucher fanden oft keine den Angaben entsprechende Person und konnten gar (in Asien/Indien) berühmte ,Reinkarnationsfälle’ als Täuschungen entlarven, was das reinkarnationsgläubige Umfeld aber nicht daran hinderte, diese Fälle weiterhin für echt zu halten.

Solche Irrtümer findet man besonders bei den nahezu gewaltsamen und oft vergeblichen Versuchen buddhistischer Mönche, über Wahrsagepraktiken ein Kind als Reinkarnation ihres verstorbenen Meisters zu finden. Zur Zeit streiten sich beispielsweise gerade zwei tibetisch-buddhistische Richtungen um die wahre kindliche Reinkarnation des 17. Karmapas. Nur selten sind dabei die Fähigkeiten des ausgesuchten Kindes nur durch ASW zu erklären; tatsächlich wiesen nur wenige dieser Kinder überhaupt paranormale Fähigkeiten auf. Stevenson hat gar nachgewiesen, daß selbst buddhistische Mönche nachweislich falsche ,Reinkarnationsfälle’ produzieren (Stevenson, 1993; 1989; 1990 b; I. Stevenson/S. Pasricha/G. Samararatne, 1988; Wiesendanger,1991 a; Ryzl, 1986; A. Mills/E. Haraldsson/J. Keil, 1994; Mills, 1989; 1990 a; Keil, 1991).

 

Reinkarnationserfahrungen als Kryptonmesien

Die nun zuweilen doch unerklärlich bleibenden Leistungen lassen sich zumeist oft als Kryptomnesie, also als Erinnerung eines längst vergessenen Wissens erklären, zu dessen Auftauchen gerade das suggestiv-hypnotische Setting von Reinkarnationstherapien prädisponiert. In mehreren ,Reinkarnationsberichten’ konnten beispielsweise akkurate historische Einzelheiten später auf früher gelesene Bücher zurückgeführt werden.

Tatsächlich macht es die große Informationsflut unserer Tage besonders wahrscheinlich, daß viele Informationen aufgenommen und wieder vergessen wurden, so daß alle auf den ersten Blick unerklärlich wirkenden bzw. scheinbar nur paranormal deutbaren Informationsbruchstücke in westlichen Reinkarnationsgeschichten zuallererst in der Kryptomnesie ihre Erklärung finden. Da der Nachweis, daß die betroffene Person die als Hinweis auf ein ,früheres Leben’ gedeutete richtige Information nie zuvor aufgenommen hat, praktisch nicht führbar ist, sind kryptomnestische Prozesse auch dann anzunehmen, wenn man nur noch eine paranormale Erklärung zu finden meint.

Für eine Kryptomnesie spricht auch eine große Genauigkeit der jeweiligen scheinbar nur mit Reinkarnation zu erklärenden Information, da paranormale Leistungen selten fotografisch genau, sondern vielmehr oft fragmentarisch und traumhaft verzerrt sind. Eine Kryptomnesie - und damit kein paranormaler Ursprung - liegt außerdem vor, wenn die richtigen Informationen alle (oder überwiegend) aus leicht zugänglichen Quellen stammen, während alle falschen Angaben schwerer zugängliches Material betreffen, was auch bei kindlichen Spontanfällen beobachtet wird (Stevenson, 1983; 1989; 1990 b; 1. Stevenson/S. Pasricha/G. Samararatne, 1988; Venn, 1986; Mischo, 1992; Rogo, 1992; Woolger, 1992; Moody, 1990; Mills, 1990 a; Bender, 1985).

Ein exzellentes Beispiel eines solchen vermeintlichen Reinkarnationsfalles beschreibt J. Venn im Fall von Matthew, einem 26jährigen Optiker, der an persistierenden hypochondrischen Brustschmerzen litt und eine Herzattacke befürchtete. Im Rahmen der dritten Hypnosesitzung wurde Matthew plötzlich zu einem französischen Piloten namens Jacques Gionne Trecaultes, der angeblich im August 1914 über Belgien abgeschossen und dabei in der Brust getroffen wurde. Dabei kam es zu einer extrem gefühlsstarken körperlichen Abreaktion, und die genannten Brustbeschwerden verschwanden im Laufe von insgesamt 60 Hypnose-Sitzungen, die Venn zur Aufdeckung von Einzelheiten dieses ,früheren Lebens’ durchführte. In späteren Sitzungen sprach Matthew auch einige französische Brocken, die ein Übersetzer als schlechtes, echolalisches Französisch mit fremdem Akzent beschrieb.

Venn überprüfte Matthews Aussagen über verschiedene leicht und schwer zugängliche Informationsquellen. Dazu benutzte er nicht nur das Stadt- und Heiratsregister sowie das Militärarchiv der angeblichen Heimatstadt Matthew’s, sondern auch schwer zugängliche Militärachive in Paris. Viele Aussagen Matthew’s über die damalige Kriegstechnik und Kriegslage erwiesen sich als richtig, viele aber auch als falsch oder halbwahr. Tatsächlich waren alle schwer zugänglichen Angaben falsch, und von den leichter zugänglichen und somit eher bekannten Informationen waren 16 richtig und 14 falsch. Insbesondere enthielten die genannten Register seiner Heimatstadt keinen Jacques Gionne Trecaultes.

Angesichts dieser somit bei genauerem Hinsehen durchaus normal aussehendes Sachlage ließ Venn dann die Hypothese einer paranormalen Erklärung fallen. Daß er damit recht hatte und daß auch das Verschwinden der harmlosen hypochondrischen Brustschmerzen kein Hinweis auf ein wirkliches ,früheres Leben’ ist, zeigt auch die Tatsache, daß Matthew schon in den ersten Hypnose-Sitzungen sehr schnell alle Arten hypnotischer Phänomene wie Amnesie, Anästhesie, Dissoziation, (negative) Halluzination, Veränderung der Zeitwahrnehmung, posthypnotische Phänomene und Regressionen entwickelte, so daß auch die hypochondrische Energie vermutlich über dieses halluzinierte frühere Leben leicht katathym integriert bzw. entladen wurde. Daß es sich bei dieser Art der Therapie jedoch nur um eine Symptomverschiebung handelt, zeigt die Tatsache, daß Matthew’s Brustschmerzen zwar verschwunden waren, dafür aber bei ihm eine unkorrigierbare Überzeugung von der Echtheit dieses ,früheren Lebens’ bestand. Später mußte er dann auch noch einmal mit Medikamenten behandelt werden (Venn, 1986; Mischo, 1992).

Daß die in ,Reinkarnationstherapien’ scheinbar geheilten Symptome gelegentlich die Körperteile betreffen, die im ,Vorleben’ verletzt worden sein sollen, ist also zuallererst nur ein Zeichen dafür, daß der leidende Patient seine Symptome in ein früheres Leben verschiebt und sie dadurch bei ausreichend tiefer Trance bzw. Dissoziation katathym entlädt.

Die Heilungsbehauptungen der ,Reinkarnationstherapie’ bauen außerdem auf einem in der Psychotherapie längst relativierten Prinzip auf: Daß das Wiedererleben eines Traumas dieses auch heilt. Tatsächlich werden zum Beleg der vielfältigen Heilungsbehauptungen nie ausreichend lange Katamnesen gemacht und Mißerfolge verschwiegen, so daß Erfolge vorerst nur als vorübergehende Placebo-Effekte zu gelten haben.

Wer gar wie B. Ebertin ganze auf frühere Leben verweisende Symptomlisten verkauft oder wie Netherton u. a. Heilung und Epilepsie durch Reinkarnationstherapien verspricht, der verdreht nicht nur die Reinkarnationslehren aller Kulturen, sondern verrät sich selbst! Wenn reale Traumen in frühere Leben verschoben und damit falsch erklärt werden, erweisen sich Reinkarnations-Ideen gar als gefährliche (religiöswahnhafte) Verschleierungen realer Traumata/Störungen und verhindern so eine wirklich kausale Therapie.

In den Fällen, in denen es bei ,Reinkarnationstherapien’ (u.a. Dethlefsen) zu Krankheitsverschlechterungen, Ich-Destabilisierungen oder induzierten Psychosen kommt, liegt gar eine Gefährdung der Patienten vor. Diese zeigt sich auch in Dethlefsens Behauptung, daß seine Patienten ihr hypnotisches Erleben nach der Sitzung nicht mehr von ihrem realen Leben unterscheiden können und dann auch noch im Wachzustand weitere Einzelheiten des Vorlebens produzieren (Venn, 1986; Stevenson,1989; 1990 a; Netherton/Shiffrin, 1987; Revenstorf,1990; Wiesendanger,1991 a; 1991 b; Ryzl, 1986; Grawe/Donati, 1994; Weiss, 1994; Schröter-Kunhardt, 1795 b; Ebertin, 1987; Dethlefsen, 1985; Bache 1993).

Andererseits ist aber eine gewisse heilende Wirkung von ,Reinkarnationstherapien’ nichts Ungewöhnliches, da es dabei zum katathymen/kathartischen Abreagieren, aber auch zu einem ,reframing’ kommt und dabei die allen Psychotherapien gemeinsam Wirkfaktoren affektives Erleben und kognitive Veränderung (der Annahmewelt des Patienten bezüglich Entstehung und Behandlung seiner Krankheit) wirken. Heilsame emotionale Faktoren sind dabei außerdem die schon religiösen Charakter tragenden Elemente Heilserwartung, Hoffnung und Vertrauen im Zusammenhang mit dem sehr suggestiven, ja religiösen Charakter der ,Reinkarnationstherapien’. Andererseits gibt es wesentlich erfolgreichere und vor allem nachweisbar wirksame Therapien, die außerdem keine Symptomverschiebung beinhalten (Grawe/Donati, 1994; Rogo, 1992; Mischo, 1992; Venn, 1986; Revenstorf, 1990; Wiesendanger, 1991a; Stevenson, 1983; 1989; Dittrich/Scharfetter, 1987; Ryzl, 1986).

 

Animistische oder spiritistische Erklärung paranormaler

Leistungen im Rahmen von Reinkarnationserfahrungen

Nun kann es in Trance-Zuständen - und dazu zählen spiritistische ebenso wie Reinkarnationserfahrungen - aber auch gelegentlich zu wirklich paranormalen Leistungen kommen. Dabei wird über die aus der Parapsychologie nachgewiesenen Mechanismen von Telepathie, Präkognition und - im Falle von ,Reinkarnation’ besonders Retrokognition Information gewonnen, die der Betroffene zuvor noch nicht aufgenommen haben kann. Wissenschaftlich wird ASW animistisch, d. h. über die immanenten Fähigkeiten des Gehirns, Raum und Zeit zu transzendieren, erklärt. Tatsächlich kommt es gerade im Traum - und auch bei Kindern - mehr als sonst zu außersinnlichen Wahrnehmungen (ASW), die dann alle auf normalem Weg nicht erklärbaren, das ,frühere Leben’ kennzeichnenden Informationen und Verhaltensweisen der betroffenen Person verursachen könnten.

Eine reinkarnationistische Erklärung für ASW, wonach der Betreffende am Ort der jeweiligen Information schon einmal gelebt haben muß, kursiert jedoch nur in naiven esoterischen Kreisen und reinkarnationsgläubigen Völkern ohne Kenntnis parapsychologischer Forschungsergebnisse. Die meisten Völker deuten dieselben Phänomene anders, nämlich spiritistisch als Kontaktaufnahme mit verstorbenen anderen Menschen bzw, als (kurzfristige) Umsessenheit durch diese. Diese Deutung ist dann auch in der Parapsychologie mit Recht die einzige diskutierte Alternative zur animistischen Interpretation (Bender, 1984; Ryzl, 1986; Keil, 1991; Stevenson, 1989; Stevenson/Pasricha/McClean-Rice, 1989; Stevenson/Pasricha; 1979; Wiesendanger, 1991 a; Mischo, 1992; Rogo, 1992; Matlock, 1989; Mills, 1989; 1990 b; Cockell, 1994; Sachau, 1995).

Tatsächlich ist es - neben der animistischen ASW-Erklärung -durchaus denkbar, daß die sehr seltenen paranormalen Elemente sog. Reinkarnationserfahrungen nichts anderes als einen vorübergehenden spontanen und aufgezwungenen außersinnlichen Kontakt mit einem anderen (verstorbenen) Menschen darstellen. Der berühmteste Reinkarnationsforscher (und -anhänger) Ian Stevenson hält dann auch diese Erklärung, die von einer Art Umsessenheit durch einen verstorbenen anderen Menschen ausgeht, für die wichtigste Differentialdiagnose der sogenannten ,Reinkarnationserfahrungen’:

"Der Unterschied zwischen Reinkarnation und Besessenheit liegt im Grad der Ausschaltung der Primärpersönlichkeit, verursacht durch den Einfluß der ,eintretenden’ Persönlichkeit. Besessenheit bedeutet entweder eine teilweise Beeinflussung der ursprünglichen Persönlichkeit, die aber noch eine gewisse Kontrolle über den physischen Leib behält, oder aber eine zeitweise, anscheinend vollständige Beherrschung des physischen Organismus mit späterer Rückkehr der ursprünglichen Persönlichkeit" (Stevenson, 1993, 377).

Einige der ,früheren Leben’ der kindlichen Reinkarnationsfälle werden dann auch direkt zu dem Kind geführt, in dessen Körper sie reinkarnieren sollen. So berichtet in einer von Stevensons Fallgeschichten Jasbir, daß er als der an einer Vergiftung mit anschließendem Sturz gestorbene Sobha Ram in seinem außerkörperlichen Zustand von einem Heiligen angewiesen wurde, in den Körper des zu diesem Zeitpunkt schon als eigenständiges Kind lebenden Jasbirs einzudringen und dort ,Obdach zu suchen’. Genauso kündigen die Sterbenden oder Verstorbenen (in Träumen) gelegentlich auch an, als Kind der Familie X wiederzukommen.

Da Stevenson von mehreren solcher Fälle berichtet, könnte es sich um das übliche Geschehen bei sogenannten Reinkarnationen handeln, die sich damit als Fehlinterpretationen von einer Art ,Umsessenheit’ erweisen. Tatsächlich betreffen 10 Prozent der von Stevenson als ,suggestive for reincarnation’ bezeichneten gut untersuchten Kinder, deren scheinbares ,früheres Leben’ erst gestorben war, als das Kind schon einige Zeit lebte. Somit handelt es sich hier niemals um das frühere Leben des Kindes, sondern um das frühere Leben eines anderen Menschen. Stevenson sieht in solchen Fällen tatsächlich eine Art Be- oder Umsessenheit durch einen Verstorbenen (Stevenson 1983; 1989):

. . wenn die Vereinigung zwischen früherer Persönlichkeit und physischem Organismus erst später (d. h. für Stevenson: nach der Geburt, m. Z.) stattfindet, sprechen wir von Besessenheit" (Stevenson, 1983, 378-379).

Nun starben die von Kindern erinnerten ,frühere Leben’ häufig - in bis zu 61 Prozent von 725 Fällen verschiedenster (sechs) Kulturen - eines gewaltsamen oder plötzlichen Todes. In Burma beispielsweise erinnern die betroffenen Kinder häufig Teile der früheren Leben japanischer Soldaten, die während des zweiten Weltkriegs in Burma getötet wurden (Stevenson 1989; 1990b; Keil, 1991; Stevenson/Pasricha/ McClean-Rice, 1989; Bender, 1984; Mischo, 1992; Rogo,1992; B. Spivak/I. Iancu/N. Daie/A. Weizman, 1995; Matlock, 1989; Mills 1990b; Bache, 1993).

Ein plötzlicher gewaltsamer Tod könnte aber wiederum ein Herumirren der Seele und ihr Eindringen in einen Lebenden begünstigen. Dafür sprechen z. B. die Erkenntnisse der Nah-Todesforschung und viele ähnliche Berichte von telepathischen Leistungen Sterbender in den Weltkriegen. Auch die inzwischen gut untersuchten Spukerfahrungen ortsgebundener Art deuten auf die Möglichkeit, daß unter belastenden Umständen plötzlich Verstorbene auch später noch ,herumgeistern’. So lassen sich auch die zumeist nur auf das ,frühere Leben’ zentrierten paranormalen Leistungen der betroffenen Kinder und evtl. auch die relativ kurzen Abstände zwischen dem (gewaltsamen) Tod des ,früheren Lebens’ und der Geburt des betroffenen Kindes erklären (Mattiesen, 1936; Greyson, 1992; Irwin, 1985; Schröter-Kunhardt, 1993 a; 1995; Stevenson, 1983; 1989; Mills 1990b; Bender, 1984a; 1984b; 1985).

Daß die betroffenen Kinder in bis zu 51 Prozent an Phobien leiden, die häufig die Umstände bzw. Ursachen des gewaltsamen und plötzlichen Todes widerspiegeln (Stevenson, 1983; 1989; 1990b; A. Mills/E. Haraldsson/J. Keil, 1994; Mills, 1989; 1990 b), ließe sich dann - beim Vorliegen wirklich paranormaler Prozesse - als durch die auftauchenden Bilder ausgelöste Schreckreaktion verstehen.

Der Reinkarnationsglaube ist somit eine Fehlinterpretation normaler und paranormaler Leistungen des Bewußtseins. Reinkarnationsgläubige verkennen dann auch jede déjà-vu-Erfahrung sofort als Zeichen, an dem entsprechenden Ort schon einmal gelebt zu haben. Wissenschaftlich handelt es sich beim déjà-vu-Phänomen jedoch entweder um Kryptomnesien, Erinnerungen längst vergessener präkognitiver Träume oder aber um amnestische Fehlverarbeitungen (Stevenson, 1983; 1989; Ryback/Sweitzer, 1990; Mischo, 1992).

 

Reinkarnationserfahrungen als falsch interpretiertes identirikatorisches Erleben

Doch nicht nur paranormale Leistungen und déjà-vu-Phänomene werden von den reinkarnationsgläubigen Kulturen falsch gedeutet. Diese wissen auch nicht, daß gerade die Kinder mit ihren vermeintlichen Reinkarnationserinnerungen besonders suggestibel und in einem Alter sind, in dem vieles identifikatorisch erlebt wird. So stellen gerade die - oft in einem Traum erfolgenden - Ankündigungen des Sterbenden oder Verstorbenen, als Kind der Familie X wiederzukommen, bei den reinkarnationsgläubigen Betroffenen einen äußerst suggestiven Einfluß dar, der sie das entsprechende ,Vorleben’ später in das Kind hineinlegen läßt, was dieses dann identifikatorisch übernimmt und ausbaut (Stevenson, 1983; 1989; I. Stevenson/S. Pasricha/ G. Samararatne, 1988; B. Spivak/I. Iancu/N. Daie/A. Weizman, 1995; Matlock, 1989; Mills, 1989; 1990a; Keil, 1991).

Nun tauchen auch bei den gelegentlich im Rahmen von verschiedenen Trance-Zuständen auftretenden sogenannten Identifikations-Erlebnissen mit toten oder lebenden Objekten, Tieren und Menschen zuweilen Informationen auf, die scheinbar nicht mehr kryptomnestisch zu erklären sind (Stevenson, 1977; A. Dittrich/C. Scharfetter, 1987; D. Moskopp/F. Ries/H. F. Durwen/D. B. Linke, 1987; Grof,1983;1987; Ryback/ Sweitzer, 1990; Duerr, 1981; Cockell, 1994). Grof beschreibt diese Verschmelzungs-Identifikationserfahrungen im Rahmen einer Halluzinogen-Therapie wie folgt:

"In manchen Fällen erleben die Patienten eine Lockerung ihrer gewöhnlichen Ichgrenzen; ihr Bewußtsein und ihr Selbstgewahrsein scheinen sich auszudehnen, so daß auch andere Menschen und Elemente der äußeren Welt einbezogen... werden. In wenigen Fällen erleben sie zwar weiterhin ihre eigene Identität, aber in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort oder in einem anderen Kontext. In anderen Fällen wiederum erfahren die Patienten den totalen Verlust der eigenen Identität und erleben eine völlige Identifikation mit dem Bewußtsein eines anderen Menschen, eines Tieres oder sogar eines unbelebten Gegenstandes. Schließlich gibt es eine ziemlich große Gruppe transpersonaler Erfahrungen, bei denen das Bewußtsein Elemente zu umfassen scheint, die keinerlei Kontinuität mit ihrer gewöhnlichen Identität haben...

Viele der zu dieser Kategorie gehörenden Erfahrungen lassen sich als Regression in der historischen Zeit ... der Patient hat das überzeugende Gefühl, daß er Erinnerungen aus dem Leben seiner Ahnen wiedererlebt oder sogar aus dem rassischen und kollektiven Unbewußten schöpft ... In Extremfällen wird auch das Bewußtsein der gesamten Schöpfung, des ganzen Erdballs oder des gesamten materiellen Universums erfahren..." (Grof/Halifax, 1980, 73-74)

Gerade wegen seiner Verschmelzung mit dem jeweiligen Objekt und der evtl. paranormalen Komponenten mag der Erlebende sich zwar während der Erfahrung mit dem Objekt eins fühlen:

"Ich bin überhaupt nicht übersinnlich veranlagt, aber an einem Punkt in meinem Leben hatte ich einen Traum, der auf höchst beunruhigende Weise realistisch war. Vor etwa 13 Jahren war mein Mann beim Militär in Fort Wainwright, Alaska, stationiert .. .

Ich träumte eines Nachts, ich wäre ein anderes Mädchen und führe Rollschuh auf einer Bahn etliche Meilen von da entfernt, wo wir wohnten. Es war sehr ruhig dort, bis plötzlich ein Mann Amok lief, mit einer Schrotflinte auf die Leute schoß, sie verletzte und tötete. Ich rannte in Panik zur Damentoilette und riegelte mich in einer Zelle ein . . . Im Traum war ich in einem Zustand tiefsten Entsetzens . . .

Da erwachte ich und erzählte meinem Mann von dem eigenartigen Gefühl bei diesem Traum. Ich kann nicht nachdrücklich genug betonen, daß ... das Gefühl, es sei alles wirklich, einfach überwältigend ist.

Mein Mann . . . tat es mit einem Achselzucken ab und drehte das Radio an, nur um zu hören, daß unter genau den Umständen, die ich gerade geträumt hatte, zwei oder drei Menschen getötet und mehrere verletzt worden waren. Aber wirklich seltsam war, daß sich ein Mädchen kurz vor Eintreffen der Polizei in eine Toilettenkabine eingeschlossen und dadurch gerettet hatte.

Später, als ich die Zeitungsberichte las, stellte sich heraus, daß ich das betreffende Mädchen gar nicht kannte und daß alles genauso vonstatten gegangen war wie in meinem Traum. Die einzige Verbindung zu uns war, daß der Mann, ein Soldat, der meinem Mann gänzlich unbekannt war, ebenfalls in Fort Wainright stationiert war" (Ryback/Sweitzer, 1990, 88-89).

Da der Erlebende solcher identifikatorischer Prozesse eben nicht das noch existierende Objekt oder Lebewesen ist, sondern ein von diesem getrennter, wenn auch kurz mit ihm verschmelzender Mensch, so ist er auch nicht das verstorbene Objekt oder Lebewesen gewesen. Da solche Identifkationserlebnisse aber sowohl mit noch existierenden wie mit vergangenen bzw. verstorbenen Objekten, Tieren oder Menschen möglich sind, ist auch ihre reinkarnationistische Erklärung ganz einfach falsch, denn ersteres kann der Erlebende eben nicht sein.

Tatsächlich unterscheiden sich die von Grof beschriebenen Identifikationserlebnisse mit Einzelpersonen im Erleben, aber auch phänomenologisch nicht von Identifikationen mit dem gesamten Universum oder z. B.

"mit allen Müttern, die je geboren hatten, und allen Kindern, die je geboren wurden; dann wurde sie subjektiv all diese Mütter und all diese Kinder. Durch das Erlebnis von Geburt und Tod schien sie mit der gesamten leidenden Menschheit verbunden zu sein, mit Abermillionen Menschen, die in Schmerzen weinen. Sie weinte mit ihnen und war zugleich all diese Menschen . . . In einer dieser Szenen wurde sie zu einer afrikanischen Eingeborenen, die mit ihren Stammesgenossen über eine sonnenverbrannte Ebene lief. Am Ende dieser Szene wurde sie durch einen Speer getötet . . . In einer anderen Szene brachte sie im mittelalterlichen England ein Kind zur Welt. Später in der Sitzung wurde sie zu einem Vogel, der durch die Lüfte flog; sie wurde von einem Pfeil getroffen und stürzte mit gebrochenem Flügel zur Erde . . . Dann wurde sie zu einem winzigen Pünktchen . . . in einem grenzenlosen, von prachtvollen Sternen erfüllten All" (Grof/ Halifax, 1980, 109).

Hier zeigt sich allzu deutlich, daß es sich bei all diesen identifikatorischen Leistungen vielmehr um eine besonders in Trance bzw. veränderten Wachbewußtseinszuständen (VWB) auftretende Neigung des menschlichen Bewußtseins handelt, mit allem zu verschmelzen.

Dabei können in VWBs über Zeit- und Raumgrenzen hinweg gelegentlich und unkontrollierbar transpersonale Dimensionen erreicht und damit Zugang zum kollektiven Unbewußten und paranormal zu im normalen Wachbewußtsein unzugänglichem Wissen gewonnen werden. Eine geplante ,Rückführung‘ in diese Dimensionen, wie sie die Reinkarnationstherapie beansprucht, ist jedoch nicht möglich (Stevenson, 1989; Grof, 1985; Benz, 1989; D. Moskopp/F. Ries/H. F. Durwen/D. B. Linke, 1987; Duerr, 1981; Wiesendanger, 1991 a; 1991 b; Weiss, 1994; Bender, 1984 a; 1984 b; 1985).

Besonders Kinder scheinen nun dazu zu neigen, solche (paranormalen) Prozesse identifikatorisch zu erleben (Stevenson, 1989). So träumte ein Kind:

"Ich fühlte mich als Kaninchen und rannte buchstäblich um mein Leben. Irgend etwas jagte mich, und ich wußte, daß ich sterben würde, aber ich rannte trotzdem bis zum Ende. Der Traum war kurz, doch ich erinnere mich noch lebhaft an das Gefühl, ein Kaninchen zu sein - an die kräftigen Beine, das weiche Fell. Wie ich mich erinnere, war das einzige, was ich im Dunkeln sah, ein weißer Lattenzaun, der an mir vorbeiraste.

Als ich erwachte, zitterte ich, und ich schwitzte und schnaufte, als wäre ich gerannt. Ich blieb eine ganze Weile wach, sann über den Traum nach und staunte über das seltsame Gefühl, ein Kaninchen gewesen zu sein . . .

Am nächsten Morgen bat mein Vater uns, nicht in den Kellerlichtschacht zu schauen, da irgend etwas ein großes weißes Kaninchen getötet und halb verspeist habe. Erst später an jenem Tag fiel mir der weiße Miniatur-Lattenzaun um unseren Blumengarten herum auf, der genau auf das Kellerfenster zuläuft" (Ryback/Sweitzer, 1990, 87).

Dementsprechend sind es eben gerade Kinder in reinkarnationsgläubigen Kulturen, die plötzlich Einzelheiten aus dem Leben einer ganz bestimmten verstorbenen Person berichten.

 

 

Auch Nah-Todeserfahrungen widerlegen die Reinkarnationslehre

Tatsächlich taucht in keinem Nah-Todeserlebnis (NTE) -als der einzigen spontanen, universellen und transpersonalen Grunderfahrung - ein ,früheres Leben’ auf, obwohl es nur im Rahmen dieser Erfahrung häufig zu einem bilanzierenden filmartigen Ablauf des gesamten eigenen Lebens in z. T. fotografischer Genauigkeit kommt. Wenn es überhaupt ein ,früheres Leben’ gäbe, müßte es aber gerade in diesem Rahmen auf jeden Fall zu erwarten sein. Da das aber - auch bei den NTEs reinkarnationsgläubiger Kulturen - nicht der Fall ist, ist gerade dies ein schlagender Beweis für den rein fiktiven Charakter der ,früheren Leben’ (Schröter-Kunhardt, 1993 a; 1993 b; 1995 a).

Auch bestehen die in den sogenannten Reinkarnationstherapien produzierten ,früheren Leben’ nur während der Sitzung, allenfalls noch kurz danach und werden dann im Alltag wieder wie eine schöne Geschichte zur Seite gelegt. Wie Phantasien oder aber auch eine seltene AS W verblassen auch die spontanen ,Erinnerungen an frühere Leben’ bei Kindern nach wenigen Jahren und zeigen damit ihre Bedeutungslosigkeit für das Leben des Erwachsenen.

Dagegen behalten selbst die ebenfalls noch fiktive Elemente enthaltenden, aber deutlich mehr transpersonalen, mystischen Charakter tragenden Nah-Todeserfahrungen eine überdauernde Präsenz und Auswirkung im Leben des Betroffenen, was die ,früheren Leben’ eben aufgrund ihres rein fiktiven oder selten einmal paranormalen Charakters nicht leisten (Stevenson, 1983; 1990 a; 1990 b; Wiesendanger, 1991 a; 1991b; A. Mills/E. Haraldsson/J. Keil, 1994; Mischo, 1992; Matlock, 1989; Mills, 1989; 1990a; 1990b; Bache, 1993; Keil, 1991).

 

Immanente Fehler der Reinkarnationslehren

Nicht zuletzt steht das gesamte esoterische Reinkarnations-Konzept, nach dem die Reinkarnation Erlösung bedeutet und die Einmaligkeit als auch die Verantwortlichkeit des momentanen Lebens stark relativiert, in diametralem Gegensatz zu der Bedeutung, die reinkarnationsgläubige Kulturen der Wiedergeburt zusprechen. Für letztere ist die Reinkarnation die Hölle, also die Strafe für ein falsch gelebtes Leben. Mit allen Mitteln gilt es darum, die eigene Wiedergeburt zu vermeiden - und sei es mit dem Vorlesen des Tibetanischen Totenbuchs am Bett des Sterbenden. Niemals würde man in diesen Kulturen ,frühere Leben’ suchen; im Gegenteil, die dort übrigens äußerst selten spontan auftretenden ,Erinnerungen an frühere Leben’ werden auch in reinkarnationsgläubigen Kulturen (z. B. in Indien, Thailand und in der Türkei) unterdrückt oder gar wie eine Besessenheit exorziert, weil die betroffenen Kinder durch solche Erfahrungen tatsächlich oft psychische Störungen aufweisen, desorientiert sind oder gar früher als andere sterben (Stevenson, 1983; 1989; Stevenson/ Pasricha/McClean-Rice, 1989; Grof/Halifax, 1980; Evans-Wentz, 1983; Keil, 1991; A. Mills/E. Haraldsson/J. Keil, 1994; Mischo, 1992; B. Spivak/l. lancu/N. Daie/A. Weizman, 1995; Milis 1989; 1990a; 1990b).

Tatsächlich hat die Psychotherapie gezeigt, daß längst Vergessenes unser Verhalten weiter unbewußt steuert, was somit für weit über 99,9 Prozent aller Menschen gelten müßte, die nichts von ihren ,früheren Leben’ wissen und so nichts daraus lernen können. Doch selbst die Kinder (und Erwachsenen), die anscheinend von ihren ,früheren Leben’ wissen, wiederholen in ihrem Leben oft die Verhaltensmuster ihres ,Vorlebens’. Somit stellt das karmische Prinzip keine Erlösung, sondern eine Verlängerung menschlichen Leidens dar (Stevenson, 1983; 1989; Albrecht, 1988).

Für die Oberflächlichkeit der esoterischen Reinkamationsargumente spricht schlußendlich auch die Tatsache, daß immer wieder - selbst von Netherton, Grof oder Passian - behauptet wird, das Christentum habe mit dem Konzil zu Konstantinopel die Reinkarnationslehre (des Origines) als falsch verurteilt und abgelehnt. Tatsächlich vertraten nur die Schüler des Origenes, nicht aber dieser selbst Reinkarnationsideen, und in dem damaligen Konzil wurde nur der Glaube abgelehnt, daß alle Menschen ursprünglich ,Geister und heilige Gewalten’ waren, die nach ihrer Hinwendung zum Bösen in Körper verbannt worden wären. Nach manchem buddhistischen Reinkarnations-Konzept ist es schlußendlich nicht das persönliche Ich, das reinkarniert, sondern eine überpersönliche Seelensubstanz, was den esoterischen Reinkarnationsideen, die von einem Weiterleben der eigenen Person ausgehen, jeden Boden entzieht (Grof/Halifax, 1980; Netherton/Shiffrin, 1987; Passian, 1984; Albrecht, 1988; Wiesendanger, 1991 a; Topper, 1988; Sachau, 1995; Woolger, 1992).

 

Literatur

Albrecht, M. C. (1988): Reinkarnation - die tödliche Lehre, Schulte und Gerth, Asslar.

Bache, C. M. (1993): Das Buch von der Wiedergeburt: Das Gesetz der ewigen Wiederkehr - alles über Reinkarnation aus der Sicht der modernen Wissenschaft, Scherz, München.

Becker, E. (1981): Dynamik des Todes: Die Überwindung der Todesfurcht, Goldmann, Gütersloh.

Bender, H (1984 a): Umgang mit dem Okkulten, Aurum, Freiburg im Breisgau.

Bender, H. (1984 b): Telepathie, Hellsehen, Psychokinese: Aufsätze zur Parapsychologie 1, Piper, München.

Bender, H (1985): Die verborgene Wirklichkeit: Aufsätze zur Parapsychologie III, Piper, München.

Benz, E (1989): Halluzinogen-unterstützte Psychotherapie: Erhebung bei der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie, Inauguraldissertation der Medzinischen Fakultät der Universität Zürich, 1989.

Bernstein, M. (1977): Protokoll einer Wiedergeburt: Der Fall Bridy Murphy. Fischer, Frankfurtam Main.

Cockell, J. (1994): Unsterbliche Erinnerung, Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach.

Dethlefsen, T. (1985): Das Erlebnis der Wiedergeburt: Heilung durch Reinkarnation, Goldmann, Berlin.

Dittrich, A., Scharfetter, C. (Hrsg.) (1987): Ethnopsychotherapie. Ferdinand Enke, Stuttgart.

Drewes, A. A., Drucker, S. A. (1991): Parapsychological Research With Children: An Annotated Bibliography, The Scarecrow Press, Inc., New York.

Duerr, H. P. (Hrsg.) (1981): Der Wissenschaftler und das Irrationale: Beiträge aus Philosophie und Psychologie, Syndikat, Frankfurt am Main.

Ebertin, B. R. (1987): Reinkarnation und neues Bewußtsein, Verlag Hermann Bauer, Freiburg im Breisgau.

Grawe, K., Donati, R., Bernauer, F. (1994): Psychotherapie im Wandel: Von der Konfession zur Profession, Hogrefe, Göttingen.

Greyson, B., Bush, N. E (1992): Distressing Near-Death Experiences, Psychiatry, Vol. 55, February 1992, 95-110.

Grof, S., Halifax, J. (1980): Die Begegnung mit dem Tod, Klett-Cotta, Stuttgart.

Grof, S. (1983): LSD-Psychotherapie, Klett-Cotta, Stuttgart.

Grof S. (1985): Geburt, Tod und Transzendenz: Neue Dimensionen in der Psychologie, Kösel, München.

Grof S. (1987): Das Abenteuer der Selbstentdeckung: Heilung durch veränderte Bewußtseinszustände, Kösel, München.

Hilgard, E. R. (1986): Divided Consciousness: Multiple Controls in Human Thought and Action, J. Wiley & Sons, New York.

Irwin, H. J. (1985): Flight of Mind: A Psychological Study Of The Out-Of-Body Experiences, The Scarecrow Press, Inc., New York.

Kübler-Ross, E (1983): Kinder und Tod, Kreuz, Zürich.

Loftus, E., Ketcham, K. (1995): Die therapierte Erinnerung, Ingrid Klein, Hamburg,

MacLaine, S. (1984): Zwischenleben, Goldmann. München.

Matlock. J. G. (1989): Age and Stimulus in Past Life Memory Cases: A Study of Published Cases, Journalof the American Society for Psychical Research Vol. 83, October, 303-316.

Matthiesen, E (1936): Das persönliche Überleben des Todes, Walter de Gruyter & Co, Berlin und Leipzig.

Mills, A. (1989): A Replication Study: Three Cases of Children in Northern India Who Are Said to Remember a Previous Life, Journal of Scientific Exploration, Vol. 3, No. 2, 133-184.

Mills, A. (1990 a): Moslem Cases of the Reincarnation Type in Northern India: A test of the Hypothesis of Imposed Identification Part I: Analysis of 26 Cases, Journal of Scientific Exploration, Vol 4, No. 2, 171-188.

Mills, A. (1990 b): Moslem Cases of the Re i ncarnat ion Type i n Northern India: A Test of the Hypthesis of Imposed Identification Part II: Reports of Three Cases, Journal of Scientific Exploration, Vol. 4, No. 2, 189-202.

Mills, A., Haraldsson, E, Keil, J. (1994): Replication Studies of Cases Suggestive of Reincarnation by Three Independent Investigators, Journal of the American Society for Psychical Research Vol. 88, July,207-219.

Mischo, J. (1992): Methodenprobleme der Empirischen Reinkarnationsforschung, Grenzgebiete der Wissenschaft 41, 2, 121-150.

Moody, R. A. (1990): Leben vor dem Leben, Rowohlt, Reinbek.

Moskopp, D., Ries, F., Durwen, H. F., Linke, D. B. (1987): Zur Einteilung der Bewußtseinslagen, Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 459. Tagung, Springer, Heidelberg.

Netherton, M., Shiffrin, N. (1987): Bericht vom Leben vor dem Leben: Reinkarnations-Therapie-Ein neuer Weg in die Tiefe der Seele, Ullstein, Frankfurt.

Ostrander/Schroeder (1981): PSI, Moewig, Salzburg.

Passian, R. (1984): Wiedergeburt: Ein Leben oder viele, Knaur, München.

Revenstorf, D. (Hrsg.) (1990): Klinische Hypnose, Springer, Heidelberg.

Rogo, D. S. (1992): Untersuchungen über Reinkarnation und Bewußtseinszustände, Grenzgebiete der Wissenschaft 41, 1, 23-49.

Ryback, D., Sweitzer, L. (1990): Wahrträume - ihre transformierende und übersinnliche Kraft, Droemersche Verlagsanstalt, München.

Ryzl, M. (1986): Der Tod und was danach kommt: Das Weiterleben aus der Sicht der Parapsychologie, Goldmann, Berlin.

Sachau. R. (1995): Westliche Reinkarnationsvorstellungen: Zur Religion in der Moderne, Dissertation im Fachbereich Evangelische Theologie der Philipps-Universität Marburg.

Schröter-Kunhart, M. (1993 a): Das Jenseits in uns, Psychologie Heute Nr. 6, 64-69.

Schröter-Kunhardt, M. (1993 b): A Review Of Near-Death Experiences Journal Of Scientific Exploration, Vol. 7, No. 3, 219-239.

Schröter-Kunhardt, M. (1995 a): Erfahrungen Sterbender während des klinischen Todes, TW Neurologie Psychiatrie 9, 132-140.

Schröter-Kunhardt, M. (1995 b): Dem Autor bekannte klinische Fälle.

Spitzner, M. (1988): Halluzinationen: Ein Beitrag zur allgemeinen und klinischen Psychopathologie, Springer, Heidelberg.

Spivak, B., lancu, l., Daie, N, Weiztnan, A. (1995): The Belief in the Transmigration of Souls as a Presenting Symptom of Generalized Anxiety Disorder in a Military Setting, Psychopathology, 28, 158160.

Stevenson, 1. (1977): Research Into The Evidence Of Man’s Survival After Death, The Journal Of Nervous And Mental Disease, Vol. 165, No. 3, 152-170.

Stevenson, 1. (1983): Reinkarnation: Der Mensch im Wandel von Tod und Wiedergeburt, Aurum, Freiburg im Breisgau.

Stevenson, 1. (1989): Wiedergeburt: Kinder erinnern sich an frühere Erdenleben, Aquamarin, Grafing.

Stevenson, 1. (1990 a): Bock Review: Other Lives, Other Selves: A Jungian Psychotherapist Discovers Past Lives, by R. J. Woolger Journal of Near-Death Studies 9 (1), 55-56.

Stevenson, 1. (1990 b): Phobias in Children Who Claim to Remember Previous Lives, Journal of Scientific Exploration, Vol. 4, No. 2, 243-254.

Stevenson, l., Pasricha, S., McClean-Rice, N (1989): A Case of the Possession Type in India With Evidence of Paranormal Knowledge, Journal of Scientific Exploration, Vol. 3, No. 1, pp 81-101.

Stevenson, l., Pasricha, S. (1979): A Case of Secondary Personality with Xenoglossy, Am J Psychiatry 136: 12, 1591-1592.

Stevenson, l., Pasricha, S., Samararalne, G. (1988): Deception and Self-Deception in Cases of the Reincarnation Type: Seven Illustrative Cases in Asia, Journal of the American Society for Psychical Research Vol. 82, January, 1-31.

Thienel, P. (1987): Seelenwanderung: Das Geheimnis der Wiedergeburt in unserem Leben -Forschungen und Erfahrungen, Goldmann, München.

Topper, U (1988): Wiedergeburt: Das Wissen der Völker, Rowohlt, Hamburg.

Venn, J. (1986): Hypnosis and the Reincarnation Hypothesis: A Critical Review and Intensive Case Study, Journal of the American Society for Psychical Research, Vol. 80, 409-1125.

Weiss, B. (1994): Die zahlreichen Leben der Seele: Die Chronik einer ungewöhnlichen Rückführungstherapie, Goldmann, München.

Wiesendanger, H. (1991): Wiedergeburt: Herausforderung für das westliche Denken, Fischer, Frankfurt a. M.

Wiesendanger, H. (1991): Zurück in frühere Leben: Möglichkeiten der Reinkarnationstherapie, Kösel, München.

Woolger, R. J. (1992): Die vielen Leben der Seele: Wiedererinnerung in der therapeutischen Arbeit, H. Hugendubel, München.

 

Michael Schröter-Kunhardt
Facharzt für Psychiatrie
69126 Heidelberg, Görresstraße 81
Tel/Fax: 06221/336240
mobil: 0172/6249248

zurück zur Startseite "Nahtoderfahrungen"